Mobilfunk : Viele tausend Google-Handys

Ehrgeizige Pläne: Der Internetkonzern Google schließt eine Allianz mit über 30 Partnern, um Software und Dienste für Mobiltelefone zu entwickeln. Herauskommen soll mehr als nur ein Google-Phone.

Corinna Visser
Google
Das Hauptquartier von Goolge in Silicon Valley. -Foto: AFP

Berlin - Das Surfen im Internet soll künftig mit dem Handy genauso einfach und komfortabel sein wie mit dem Computer zu Hause. Um die Entwicklung voranzutreiben, hat das kalifornische Internetunternehmen Google mit T-Mobile, Motorola, China Mobile und 30 weiteren Partnern aus der Mobilfunkindustrie eine neue Allianz gegründet. Unter dem Namen Android soll ein neues Betriebssystem für Mobiltelefone entwickelt werden, das den Zugang zum Netz nicht nur besser und kostengünstiger machen soll, sondern auch ganz neue Anwendungen ermöglicht, „die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können“, sagte Google-Chef Eric Schmidt.

Bereits seit Monaten war spekuliert worden, dass Google ins Mobilfunkgeschäft einsteigt und ein eigenes Handy auf den Markt bringt – ähnlich wie der Computerkonzern Apple mit dem Designhandy iPhone. Am Montag stellte Google-Chef Schmidt klar, dass das Unternehmen sich den Markt der weltweit knapp drei Milliarden Handynutzer erschließen will. In einer Telefonkonferenz sagte er, „die heutige Ankündigung ist viel ehrgeiziger als ein Google-Phone“. Es gehe nicht um ein einzelnes neues Gerät, künftig werde es viele tausend Google-Handys geben. Zur Frage, ob dies bedeute, dass Google nun kein eigenes Telefon unter eigenem Namen auf den Markt bringen werde, sagte Google-Manager Andy Rubin: „Ein Google-Telefon kündigen wir nicht an. Aber wenn es so ein Telefon gäbe, wäre Android eine gute technische Plattform dafür.“

Google hofft vor allem auf zusätzliche Werbeerlöse, die sich der Konzern mit den Mobilfunkbetreibern teilen will. Wie groß das Geschäft ausfällt, dazu machten die beteiligten Firmen keine Angaben. Es sei zu früh über Verkaufsvolumen oder Umsätze zu sprechen, sagte Telekom-Chef René Obermann. Zu der „Open Handset Alliance“ gehören neben der Telekom-Tochter T-Mobile weitere Mobilfunkbetreiber wie Telefónica und Telecom Italia, Handyhersteller wie Motorola und Samsung, Software- und Internetfirmen wie Ebay sowie Vermarktungsfirmen. Damit möglichst viele Anwendungen auf Basis von Android entstehen, steht es jedem Softwareentwickler frei, weitere Dienste und Funktionen hinzuzufügen. Ab 12. November soll das Software-Entwicklungswerkzeug allen Entwicklern zur Verfügung stehen. Die ersten Handys, die mit der neuen Software arbeiten, sollen in der zweiten Jahreshälfte 2008 auf den Markt kommen.

Im Gegensatz zum Markt für Computerbetriebssysteme, der von Microsoft dominiert wird, gibt es bei Mobiltelefonen mehrere Anbieter, zum Beispiel Nokia oder auch Microsoft. Ein Betriebssystem ist eine Software, die die Verwendung eines Gerätes erst möglich macht. Wer einen mobilen Service für alle Betriebssysteme anbieten will, muss daher verschiedene Versionen entwickeln. Google hofft nun, mit der gemeinsamen Plattform die Kosten senken zu können.

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