Verbraucher : Mondschein kostet

Stille Wasser helfen gegen Durst – aber bei vielen fehlen die Mineralstoffé, die man jetzt braucht

Corinna Visser

„Ein Wasser bitte!“ – mit so einer einfachen Bestellung kommt man im Berliner Hotel Adlon nicht davon. Die Wasserkarte des Hotels umfasst 42 Wässer aus 18 Ländern. Der freundliche Kellner wird also nachfragen, ob der Gast sich lieber mit einem „Canada Geese“, einem schottischen „Highland Springs“ oder gar dem japanischen „Rokko No“ erfrischen möchte. Wer sich – und seinen Geldbeutel – bei dieser Auswahl überfordert sieht und auf „einfach nur ein Wasser, bitte“ besteht, dem wird das Hauswasser serviert: das heimische „Apollinaris“.

Das Hotel reagiert damit auch auf die steigende Nachfrage. „In den vergangenen drei bis vier Jahren hat der Wasserkonsum zugenommen“, sagt eine Adlon-Sprecherin. „Immer öfter wird zum Wein selbstverständlich Wasser bestellt.“ Mehr Wasser wird jedoch nicht nur in Restaurants getrunken, trendbewusste Menschen haben heute immer und überall eine Flasche mit dabei. Es löscht den Durst, hat keine Kalorien und fördert die geistige Fitness.

Dabei greifen die Kunden immer öfter zu stillen „Lifestylewässern“, wie die Stiftung Warentest beobachtet hat. „Der Trend geht hin zu importierten Wässern“, sagt Vera Kaftan von der Stiftung Warentest. „Aus ökologischer Sicht ist das sehr ärgerlich, schließlich ist Deutschland ein an Quellen sehr reiches Land.“ 20 stille Wässer hat die Stiftung getestet. Bei der Auswahl haben sich die Warentester an den Verkaufszahlen orientiert, aber zum Beispiel auch Ungewöhnliches untersucht, wie das „Pineo Luna Llena“. Es kommt aus den Pyrenäen und wird bei Mondschein abgefüllt. Es ist das teuerste Wasser im Test, zugleich aber auch das einzige, dass von den Testern im Geschmack ein „sehr gut“ bekommen hat. (Das Mondwasser kann man in Berlin zum Beispiel bei Bio Company kaufen, Preis: 1,80 Euro.)

Warentest hat untersucht, wie die Wässer riechen und schmecken und wie viele Mineralstoffe enthalten sind. Erstes Ergebnis: Im Geschmack waren die meisten nicht fehlerfrei. Je nach Quelle und Gebiet kann der Geschmack variieren. Sie können mehr oder weniger süß, sauer, salzig oder bitter schmecken. Wonach sie aber nicht schmecken dürfen, ist nach dem Kunststoff der Verpackung. Diesen Fehler schmeckten die Experten bei fast allen Wässern heraus.

Zweitens war der Mineralstoffgehalt oft dürftig. In zehn Wässern steckten nur geringe oder sehr geringe Mengen. Wässer wie „Lauretana“, „Black-Forest“ oder „Plose“, die noch weniger Mineralstoffe enthalten als Leitungswasser, leisten damit laut Stiftung Warentest praktisch keinen Beitrag zur Mineralstoffversorgung. Im Normalfall sei das nicht problematisch, urteilen die Tester, denn wir nehmen mit dem Essen ausreichend Mineralstoffe auf. Doch in bestimmten Situationen kann sehr mineralstoffarmes Wasser gefährlich werden. Wer stark schwitzt – bei intensivem Sport oder bei der Gartenarbeit – verliert nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe. Trinken ist dann nicht nur wichtig, um den Wasserverlust auszugleichen. Zugleich müssen je nach Anstrengung auch Mineralstoffe wieder zugeführt werden. Für Sportler taugen sehr mineralstoffarme Wässer nicht.

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