Verbraucher : Neuer Lack für blasse Ladies

Dagny Lüdemann

DAS TESTURTEIL: 7 Punkte

0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Schon im Mai bekomme ich manchmal in der Mittagspause einen Sonnenbrand. Richtig braun werde ich nie. Das einzusehen, hat mich viele Jahre, einen Batzen Geld und eine Menge gesunder Hautzellen gekostet. Denn ich wollte einfach unbedingt braun werden.

Zuerst habe ich es mit Strandurlaub probiert: In den ersten Tagen mit Lichtschutzfaktor 30 eingecremt blieb ich weiß. Daraufhin nahm ich LSF 20 und blieb weiß. Dann reichte es mir, ich griff zu LSF 10 – abends war ich knallrot. Also Strandverbot, abpellende Haut und wieder LSF 30. Ich kam also genauso blass nach Hause, wie ich losgeflogen war.

Als Nächstes versuchte ich es mit künstlicher Sonne. Ich weiß, das ist auch nicht gesund. Anfangs legte ich mich ja auch nur fünf Minuten unters Solarium. Später zehn. Es geschah nichts. Dann wagte ich 20 Minuten Kunstsonne – und da war’s passiert: Sonnenbrand!

Ich wurde vernünftiger und griff zu Selbstbräuner. Doch das Ergebnis war gelb und fleckig. Lange Zeit akzeptierte ich daraufhin meine Blässe – bis ich im vergangenen Sommer zu einer Hochzeit eingeladen wurde. Natürlich wollte ich braune Beine zum kurzen Rock, also ging ich am Tag vor der Feier unter eine dieser Selbstbräuner-Duschen. Sie versprechen einen gleichmäßigen Teint, weil man sich dabei an diversen Düsen vorbei im Kreise dreht, während das Zaubermittel auf den Körper gesprüht wird. Toll! Noch am gleichen Abend war ich so braun, wie andere Menschen nach sechs Wochen auf den Malediven. Doch als ich auf der Hochzeit mit kurzem Rock vor der Kirche stand, sahen meine Füße im Tageslicht aus, als hätte ich Nikotinablagerungen zwischen den Zehen, und die Knie waren fast schwarz im Vergleich zum deutlich helleren Rest der Beine. Ob ich dann endlich aufgegeben habe?

Keinesfalls, denn ein neues Produkt verspricht jetzt Abhilfe – zumindest bei weißen Beinen. Air Brush Legs heißt das Wunderspray von Sally Hansen aus New York – zu haben für knapp 20 Euro bei Douglas. Eigentlich ist es nichts anderes als eine Dose mit 67 Millilitern Sprühfarbe. Gleichmäßig aufgetragen soll Air Brush Legs laut Werbung sogar Seidenstrumpfhosen ersetzen, so glatt und schimmernd erscheinen die Beine nach der Anwendung. Das habe ich natürlich ausprobiert – diesmal aber lieber im Urlaub. Und tatsächlich: Wenn man sich Mühe gibt, das Bein-Make-Up gleichmäßig zu verteilen, ist das Ergebnis besser als bei Selbstbräuner. Und fleckige Partien lassen sich korrigieren. Allerdings färbt der künstliche Teint ein bisschen ab – obwohl die Werbung das Gegenteil behauptet. Die Kunstfarbe übersteht sogar ein Bad im Meer – entsprechend lange dauert es, sie wieder abzuwaschen. Air Brush Legs gibt es in fünf verschiedenen Nuancen. Ich habe die mittelbraune Variante gewählt und das Ergebnis sah sehr natürlich aus. Trotzdem kam ich mir mit angesprühten Beinen irgendwie bescheuert vor. Ja, noch bescheuerter als krebsrot am Strand oder auf dem Rotier-Teller unter der Bräunungsdusche. Irgendwann muss ja auch mal Schluss sein, oder?

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