Verbraucher : Neues Spiel – neues Glück

Anleger setzen auf einen Regierungswechsel im Herbst, doch für Euphorie ist es zu früh: Investoren warten auf Taten

Daniel Rhee-Piening

Die Wirtschaft setzt auf Angela Merkel. Sie soll als Bundeskanzlerin neuen Schwung ins Land bringen. Ob auch die Anleger davon profitieren können? Bei dieser Frage halten sich Vermögensberater und Banker deutlich zurück. „Die Investoren setzen nicht auf einzelne Nachrichten, sie wollen erst einmal Taten sehen“, sagt Christoph Hott, Leiter der Investmentstrategie bei der Privatbank Sal. Oppenheim . Er gehe davon aus, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) im Vorfeld der Bundestagswahl gegenüber dem Euro-Stoxx vier bis fünf Prozent zulegt. Aber Hott warnt auch: „Dies dürfte keine massive dauerhafte Outperformance sein.“ Werte wie die Energieversorger Eon und RWE sowie Unternehmen wie BMW oder SAP mit starkem nationalen Standbein könnten von einem Regierungswechsel profitieren, aber manche dieser Titel seien bereits sehr gut gelaufen, das Aufwärtspotenzial also begrenzt. Deshalb rät Hott den Anlegern, den möglichen Regierungswechsel nicht „aggressiv zu spielen“, allenfalls sei ratsam, von europäische in deutsche Aktienfonds umzuschichten.

Hans Jacob, für die Vermögensverwaltung beim Bankhaus Löbbecke zuständig, geht sogar von 15 bis 20 Prozent aus, um die der Dax den Euro-Stoxx in den nächsten Monaten schlagen könnte. Auch die Historie zeige, dass eine CDU/CSU-geführte Regierung im Vergleich zu einer SPD-Regierung positiver auf die deutschen Aktienmärkte wirke, sagt Jacob. Den Vertretern der konservativen Parteien werde bei der Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik deutlich mehr Kompetenz zugebilligt. Doch Jacob gibt zu Bedenken: „Auch eine neue Regierung wird die strukturellen Schwächen Deutschlands am Arbeitsmarkt nicht kurzfristig beheben können.“ Zudem sprächen der schon erreichte Indexstand von 4500 Punkten sowie saisonale Gründe für Zurückhaltung.

„Es wird keinen 180-Grad-Schwenk geben“, glaubt Bernd Meyer, Europastratege bei der Deutschen Bank , „diesen hat Schröder schon vollzogen.“ Die Ankündigung von Neuwahlen habe gezeigt, dass am Aktienmarkt schnell ein Strohfeuer entfacht werden könne, so Meyer weiter, aber Strohfeuer seien eben nicht von Dauer.

Die großen im Dax notierten Unternehmen seien zudem stark international ausgerichtet, sie würden auf einen Regierungswechsel weniger stark reagieren. Meyer empfiehlt eher Mid-Caps mit einem starken Produktionsstandbein in Deutschland. Marc-Aurel von Dewitz, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank in Berlin, wird konkreter: „Mit Blick auf mögliche Änderungen in der Energiepolitik könnten Versorger Profiteure sein.“ An den Rentenmärkten sei vor dem Hintergrund einer eventuellen Wirtschaftsbelebung ein Anstieg der Renditen zu erwarten.

Stefan Keitel, Chefstratege der Credit Suisse Deutschland, empfiehlt auf kürzere Sicht Finanzwerte und ausgewählte Technologietitel, auf Sicht von zwölf Monaten nichtzyklische Konsum- und Energiewerte. Auch er sieht den Dax in absehbarer Zeit bei 4800 Punkte und sagt: „Durch einen Regierungswechsel wird die Attraktivität des deutschen Marktes sicherlich nicht geschwächt.“ Doch ihm machen langfristig die weltweiten makroökonomischen Ungleichgewichte, besonders in den USA, größere Sorgen. „Davon können wir uns nicht abkoppeln.“

Ähnlich äußert sich Klaus Metzke, Bereichsleiter der Vermögensverwaltung beim Bankhaus HSBC Trinkaus&Burkhardt in Berlin. „Natürlich gibt es einen Hoffnungsschimmer, und natürlich hoffen auch unsere Volkswirte auf eine Wachstumsbelebung nach einem möglichen Regierungswechsel“, sagt der Banker. „Die Anleger werden nach einem Wechsel aber sehr schnell sehr genau schauen, ob tatsächlich etwas passiert.“

Andrea Schruff, Leiterin des Portfoliomanagements Aktien bei der Weberbank , sagt zwar, im Falle eines Regierungswechsels würde den guten Ansätzen einer Reformpolitik neuer Schwung verliehen, aber sie schränkt auch ein: „Noch liegen keine klaren Konzepte vor, auch ist es fraglich, ob sich Mut zu wirklich grundlegenden Reformen zeigen wird.“ Dem Anleger gibt sie mit auf den Weg: „Er sollte sich nie von einzelnen Nachrichten leiten lassen, was seine Vermögensbildung betrifft.“

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