Verbraucher : Nicht besser als ein Roller

Ursula Weidenfeld

Das Testurteil: 5 Punkte

0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet ein Laufrad Kinder wollen keine Roller mehr. Sie wollen Laufräder. Wenn sie zwei Jahre alt geworden sind, laufen und sprechen können und Freunde haben, wollen sie Laufräder. Alle. So sagen es jedenfalls die konkurrierenden Eltern. Und sie machen reichlich pädagogische (Verkehrserziehung!), motorische (Gleichgewichtsgefühl!), und gemeinschaftsfördernde (Laufrad-Ausflüge!) Aspekte einer solchen Anschaffung geltend. Ein Laufrad ist ungefähr dasselbe wie Englisch- und Chinesischunterricht im Kindergarten oder musikalische Früherziehung: nötig wie ein Kropf, teuer wie ein Terrarium, lästig wie ein Meerschweinchen.

Wir haben ein Laufrad getestet, das so ökologisch ist, dass die Kinder es sogar ablecken könnten, ohne Schaden zu nehmen (Speichelfest!). Es kostet so zwischen 120 und 160 Euro. So viel kosten die meisten Laufräder, es gibt aber auch deutlich preiswertere. Die sind aber nicht so politisch korrekt. Wir haben uns jedenfalls sehr verantwortungsbewusst gefühlt bei der Wahl: Birkenholz aus geregeltem Anbau, Klemmschutz für die kleinen Fingerchen, prall aufgepumpte Luftreifen, abwaschbarer Baumwollbezug auf dem Sattel, und das Ganze auch noch ohne Kinderarbeit original in Deutschland hergestellt und TÜV-geprüft. Alles, wie es sein soll im Früh-fördern-und-fordern-Haushalt.

Es war ein Fehler. Das Kind ist zu klein für das höhenverstellbare Playwood- Ingo-Eisbär-Rad, obwohl der Hersteller versichert, es sei groß genug. Um den Abstand zwischen Sattel und Lenker zu überbrücken, liegt der Oberkörper beim Fahren lang gestreckt auf dem Bike wie man das auch von Motorradrennfahrern der Spitzenklasse kennt. Und weil der Sattel nun unsachgemäß niedrig eingestellt werden muss (das Kind ist wirklich klein), ist er instabil und kippelig. Er knallt vor allem bei höheren Geschwindigkeiten gerne auf das Hinterrad. Das wirkt wie eine Vollbremsung, das Kind saust dabei gelegentlich über den Lenker, fliegt eine erkleckliche Strecke durch die Luft und landet dann zuverlässig in einer der größeren Pfützen im Park.

Die meisten anderen Kinder fahren mit anderen Laufrädern. Die sind etwas kleiner und wendiger, oder aus Metall. Diese Räder bringen die Kinder zügig voran. Sie lassen sich vergleichsweise leicht in Bewegung setzen und auch lenken. Sie sind praktischer. Sicher sind sie auch unter pädagogischen, motorischen und gemeinschaftsfördernden Aspekten günstig zu bewerten. Aber, was soll ich sagen: Die Kinder haben nicht richtig viel Spaß. Sie sehen beim Laufradfahren eher so aus wie früher die Kinder auf den Rollern.

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