Verbraucher : Nudeln mit Ooh und Aah!

Dagmar Rosenfeld

DAS TESTURTEIL: 9 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet einen Nudelkocher

Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann einmal vor einem Schaufenster stehen bleibe, um mir Bügeloasen oder Küchenmaschinen anzuschauen und dann zum Mann sage: „Das könnten wir auch gebrauchen.“ Ich hätte auch nie gedacht, dass meine liebste Arbeitskollegin sich zum 32. Geburtstag ein Küchenmesser-Set wünscht.

Ich glaube, es ist soweit – wir werden erwachsen. Nur so kann ich mir erklären, warum jetzt der elektrische Nudelkocher (von DeLonghi, um die 146 Euro) in unserer Küche steht. Und ich ihn auch noch stolz unseren Freunden präsentiere, die ich zum Pasta-Essen eingeladen habe. „Du brauchst keinen Topf mehr, kein Abtropfsieb, das erledigt alles die Maschine“, höre ich mich sagen. Ich komme mir ein bisschen wie in einer Teleshopping-Sendung vor. Dass am Anfang meines Erwachsenwerdens ausgerechnet ein programmierbarer Pastakocher steht, hat vielleicht auch etwas mit meiner italienischen Abstammung zu tun – vor allem aber damit, dass sich meine Kochkünste mehr oder weniger auf Spaghetti Bolognese beschränken.

Um den Nudelkocher aufbauen zu können, habe ich die halbe Arbeitsplatte leer räumen müssen. Das Gerät ist eher für großzügig gestaltete Küchen gemacht, aber nicht für unsere Einbauküche aus dem Baumarkt. Ich habe Wasser in die Maschine gefüllt, das Sieb eingesetzt, darauf den Nudelverteiler gestülpt, in die vier Kammern gleichmäßig die Spaghetti verteilt und die Starttaste gedrückt. Wenn das Wasser kocht, senkt die Maschine automatisch das Sieb mit den Nudeln ins brodelnde Wasser. Ein Mischer rührt die Nudeln, damit sie nicht zusammenpappen. Nach Ablauf der programmierten Kochzeit hebt sich das Sieb, so dass die Nudeln abtropfen. Dann muss man sie nur noch auf die Teller füllen – fertig.

Wir haben alle in der Küche gestanden und die ganze Zeit den Nudelkocher beobachtet. Als das Sieb wie von Geisterhand hinab ins Wasser getaucht ist, haben ein paar von uns anerkennend „Ooh“ gerufen. Und als das Sieb wieder aufgetaucht ist, hat der Mann sogar in die Hände geklatscht, so begeistert war er. Wir haben auch in den folgenden Tagen nur Nudeln gegessen, weil der Mann so einen großen Spaß an der Maschine hatte. Die Nudeln hat er gekocht, und immer, wenn sich das Sieb gesenkt oder gehoben hat, hat er gerufen: „Guck mal, ist das nicht irre.“ Ich glaube, auch wenn wir uns mittlerweile nützliche Dinge wie elektrische Nudelkocher oder Messer- Sets zulegen – erwachsener sind wir deswegen nicht unbedingt geworden.

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