Verbraucher : Null Toleranz beim Schnuppern

Von 26 getesteten Produkten waren neun mangelhaft – einige enthielten sogar krebserregende Stoffe

Maren Peters

Weichmacher kannten wir bisher von Kinderspielzeug, und schon das war nicht sehr erfreulich – aber in Olivenöl?

Das war auch für die Stiftung Warentest neu. „Es gab auch bei früheren Untersuchungen immer Probleme mit Geschmack und Geruch des Öls“, sagt Sintje Sander, die für den Test mitverantwortlich war. „Dass in einigen auch Weichmacher drin sind, ist neu.“ Aber auch sonst ist das Testergebnis für die meisten Hersteller ernüchternd.

Für ihre Oktober-Ausgabe hatte die Stiftung Warentest 26 verschiedene Olivenöle verschiedener Hersteller und Preisklassen untersucht. Nur drei erhielten die Bestnote „sehr gut“, neun schnitten mit „mangelhaft“ ab. Die Prüfer hatten dabei besonderen Wert auf die sensorische Qualität, also auf Geruch und Geschmack der Produkte gelegt. „Auch die Europäische Union toleriert keine Geschmacksfehler“, sagt Warentesterin Sander. An den strengen Maßstäben der EU-Olivenöl-Verordnung aus dem Jahr 2002 wollten sich daher auch die Prüfer orientieren.

Verbraucher mögen angesichts des Testergebnisses künftig etwas ratlos durch die Supermärkte ziehen. Denn weder ein hoher Preis noch der Hinweis „Bio“-Herstellung oder das Prädikat „extra virgine“ gaben einen generellen Hinweis auf die Qualität der untersuchten Produkte. So erhielt die Bestnote (1,7) das Vom Fass/“Olio Santini Extravirgine Di Oliva Toscano“, das lose angeboten wird und umgerechnet auf den Liter 32,50 Euro kostet. Kaum schlechter schnitt Edekas „Bancetto Natives Olivenöl extra“ ab, das mit acht Euro pro Liter gerade mal ein Viertel davon kostet. „Ein Pauschalurteil gibt es nicht“, sagt Testerin Sander. Weder könne man sagen, dass teure Olivenöle besonders gut, noch, dass billige besonders schlecht seien.

Unter den Discounter-Produkten schnitt Lidls „Luccese italienisches natives Olivenöl extra“ zum Literpreis von 5,60 Euro am besten ab. Das teuerste Test-Produkt dagegen, ein natives Olivenöl extra mit frischem Basilikum von Ursini für 40 Euro pro Liter (nicht in der Tabelle aufgeführt) fiel krachend durch.

Olivenöl gilt dann als besonders wertvoll, wenn es nicht nur von Geschmack und Geruch her einwandfrei ist, sondern auch ein gewisses Maß an Fruchtigkeit hat. Nur dann dürfen die Hersteller „nativ extra“ aufs Etikett schreiben. In Deutschland werden rund 70 Prozent der verkauften Öle in dieser höchsten Qualitätsklasse angeboten. Darauf sollten sich Verbraucher allerdings nicht verlassen. Denn auch die neun „mangelhaft“ getesteten Öle schmückten sich mit dem Gütesiegel „nativ extra“ – das, je nach Sprache, auch „extra vergine“ oder „virgen extra“ heißen kann.

Noch besorgniserregender ist, dass die Tester in einigen Produkten Weichmacher entdeckt haben. Einer davon, DEHP, fand sich im Gut-&-Gerne-Olivenöl in einer Konzentration von 75 Milligramm pro Kilogramm Öl. Für einen normalgewichtigen Menschen tolerierbar sind drei Gramm pro Kilo. DEHP hatte im Tierversuch Krebs hervorgerufen und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit.

Gut&Gerne hat inzwischen reagiert – und sein Öl vom Markt genommen.

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