Ökostrom-Umlage : Strom wird teurer

Stromkunden müssen sich auf höhere Kosten einstellen: Grund ist unter anderem der massive Ausbau vor allem im Bereich der Solarenergie.

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Die Regierung will am Einspeisevorrang für Ökostrom festhalten.
Die Regierung will am Einspeisevorrang für Ökostrom festhalten.Foto: dpa

Stromkunden in Deutschland werden im kommenden Jahr mehr für Strom zahlen müssen, weil die im Strompreis enthaltenen Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien steigen. Die so genannte EEG-Umlage, mit der jeder Verbraucher über seine Stromrechnung den Ausbau bezahlt, steigt 2011 von rund 2,05 Cent auf 3,530 Cent pro Kilowattstunde. Das teilten die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber am Freitag offiziell mit. Jedes Jahr am 15. Oktober müssen die Stromnetzbetreiber die Höhe dieser EEG-Umlage festlegen.

Branchenexperten hatten mit einer Anhebung in diesem Rekordumfang von rund 70 Prozent gerechnet. Hintergrund ist, dass in den vergangenen zwölf Monaten extrem viele Solaranlagen in Deutschland installiert worden sind. Viele Bürger nutzten die Gunst der Stunde, um von den noch relativ hohen Fördersätzen zu profitieren. Die schwarz-gelbe Regierung hatte nämlich bei Amtsantritt vor einem Jahr angekündigt, die Sätze stark senken zu wollen. Die Debatte darum dauerte allerdings viele Monate, weshalb die hohe Nachfrage nach förderungsfähigen Solaranlagen weiter anhielt.

Während im bisherigen Rekordjahr Solarmodule mit einer theoretisch möglichen Spitzenleistung von knapp 3900 Megawatt angeschlossen wurden, erwarten Experten des Fachmagazins Photon, dass es in diesem Jahr sogar 8000 Megawatt sein dürften. Diese Rekordnachfrage nach Solarmodulen in Deutschland führt unter anderem zu dem Effekt, dass heimische Modulhersteller wie Marktführer Q-Cells, Solarworld oder Solon aus Berlin zuletzt immer weniger im Ausland verkauften, sondern ihre Ware im relativ sonnenarmen Inland absetzten. Eigentlich soll sich die Solarwirtschaft zu einer Exportbranche entwickeln, so der erklärte Wille der Politik.

Die Subventionierung erneuerbarer Energien durch die Verbraucher – also auch für Windkraft- und Biomasseanlagen – dürfte im kommenden Jahr voraussichtlich rund 13 Milliarden Euro betragen. 2009 waren es 5,3 Milliarden Euro.

Wegen der höheren EEG-Umlage könnte die Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts (3500 Kilowatt Verbrauch im Jahr) um 60 Euro pro Jahr steigen. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer, weshalb der Bund indirekt von dieser Entwicklung profitiert. Bisher musste der Musterhaushalt jährlich rund 85 Euro für die EEG-Umlage zahlen.

„Die erneuerbaren Energien stehen an einem Wendepunkt“, sagte Hildegard Müller, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft dem Tagesspiegel. In den letzten Jahren sei es darum gegangen, den erneuerbaren Energien den entscheidenden Entwicklungsschub zu geben. „In den nächsten Jahren kommt es aber vor allem darauf an, die Erneuerbaren marktfähig zu machen.“ Sie forderte die Politik auf, die Subventionen schrittweise zurückzuführen.

Genau das geschieht bereits: Im kommenden Jahr sinkt die ebenfalls im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelte Einspeisevergütung, die die Ökostromproduzenten erhalten, um durchschnittlich 13 Prozent. Allerdings ist diese Degression nicht so stark, wie das Wachstum der Erneuerbaren in der Summe: Daher steigt die EEG-Umlage.

Verteidiger der Erneuerbaren führen den positiven wirtschaftlichen Effekt an: 2009 arbeiteten laut jüngsten Schätzungen rund 340 000 Menschen mit erneuerbaren Energien – sei es in der Solarmodulfertigung oder bei Windturbinenherstellern. Kommunen nahmen durch Steuern knapp sieben Milliarden Euro ein.

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