Verbraucher : Ohne böse Brummtöne

Carsten Brönstrup

DAS TESTURTEIL: 6 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

Es wird immer schlimmer. Von überall her prasseln Informationen auf uns ein, aus dem Fernseher, aus dem Radio, aus der Zeitung, aus dem Internet, aus dem Handy. Schon längst kann niemand mehr all diese Neuigkeiten wahrnehmen, sie überblicken, gar verarbeiten. Den Leuten von Braun ist das egal. Sie haben ein weiteres Gerät ersonnen, das Informationen absondert. Eines, von dem man es am wenigsten erwartet: einen Elektrorasierer. Die letzte Rasur hat zwei Minuten und neun Sekunden gedauert, erfahre ich dank des Flüssigkristall-Displays des Modells Braun 360 Grad Complete. Soso. Der Apparat müsste mal dringend gesäubert werden, und zwar im beiliegenden Spezialgerät auf der mittleren Stufe, verrät mir ein anderes Display. Aha. Dazu bräuchte es zuvor neue Reinigungsflüssigkeit, lerne ich – bis dato nicht einmal ahnend, dass es einen Zusammenhang zwischen Rasierern und Reinigungsflüssigkeiten gibt. Danke für diese Mitteilung.

Dabei arbeitet der Apparat im Prinzip völlig einwandfrei. Er vollbringt sein Scherwerk so rasch und so gründlich, wie es ein Trockenrasierer eben vermag. Das ist jenseits allen Informations- Schnickschnacks schließlich die Kernkompetenz und auch deshalb wichtig, weil der Drei-Tage-Bart modisch nicht mehr unbedingt ganz vorne liegt. Wenngleich die Prozedur eine Spur hautschonender vonstatten gehen könnte.

Braun hat dem Gerät eine edle Metalloptik verpasst, es liegt leicht in der Hand, und selbst die bösen Brummtöne haben die Ingenieure ihm abgewöhnt. Die Hochtechnologie macht aber auch die anschließende Benutzung eines Aftershaves überflüssig: Um die Wangen legt sich statt dessen oft der sanfte Duft hochprozentiger Reinigungsflüssigkeit. Das mag nicht jeder und trübt die Freude am akkurat geschorenen Barthaar. Grundsätzlich ist die Reinigung eine nette Sache – vermisst hat sie bislang aber vermutlich niemand.

Die Leute von Braun haben sich aber auch etwas dabei gedacht: Alle paar Wochen ist neue, nicht eben billige Reinigungsflüssigkeit zu kaufen. Und ein Behältnis, das für 30 Säuberungen reicht, kostet im Internet um die fünf Euro. Scherfolie und Klingenblock müssen ohnehin alle paar Monate gewechselt werden. Auf Dauer kommt da eine ansehnliche Summe zusammen. Zumal schon das Gerät nicht billig ist und derzeit rund 170 Euro kostet. Wer auf Spielerei verzichten kann – und auf zusätzlichen Informationsmüll – ist mit einem einfacheren Modell auch gut bedient.

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