Verbraucher : Pillen zum Sonderpreis

Die Gesundheitsreform hat viele Arzneimittel teurer gemacht – doch man kann auch auf legalem Weg viel Geld sparen

Maren Peters

Das Geschenk von Bundeskanzler Gerhard Schröder an die Pharmakonzerne könnte Verbraucher teuer zu stehen kommen. Vor einer Woche hatte Schröder der Industrie zugesagt, die Höchstpreise für teure patentgeschützte Medikamente (Festbetrag) zu erhöhen. Im Gegenzug sollen die Preise für günstige Nachahmerprodukte (Generika) gesenkt werden.

Verbraucherschützer befürchten, dass Patienten durch die geplante Senkung der Festbeträge für Generika mehr selbst bezahlen müssen. „Es kann bei einigen Produkten der Fall sein, dass Verbraucher mehr aus der eigener Tasche zuzahlen müssen“, sagte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). „Es dauert in der Regel ein paar Wochen, bis Hersteller den Apothekenpreis auf das Festbetragsniveau senken.“ Die Differenz zwischen Festbetrag und Apothekenpreis zahlt der Verbraucher. Und zwar zusätzlich zu den neuen gesetzlichen Zuzahlungen, die seit Inkrafttreten der Gesundheitsreform das Portemonnaie belasten (siehe Kasten). Noch teurer als die Zuzahlungen ist für Patienten die Herausnahme vieler Medikamente aus der Erstattungspflicht der Kassen.

Doch es gibt Möglichkeiten, die Arzneikosten durch geschicktes Einkaufen zu senken. Gesundheitsexperte Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, in der Apotheke nach Reimporten und Generika zu fragen. Reimporte sind Arzneimittel, die in Deutschland hergestellt, ins Ausland exportiert und dann auf Grund der niedrigeren Preise nach Deutschland zurückimportiert werden. Sie können bis zu 50 Prozent billiger sein als Originalpräparate. Auch mit Generika kann man im Vergleich zum Original bis zu 30 Prozent des Preises sparen.

Da seit Jahresbeginn die Preisbindung für rezeptfreie Arzneimittel wie Erkältungsmittel weggefallen ist, gewähren viele Apotheken auf diese Produkte Rabatte, die für Stammkunden mit Kundenkarte noch höher ausfallen können. Ein genauer Preisvergleich lohnt sich also. Vor allem für Chroniker könnte die Bestellung im Internet billiger sein als der Kauf bei der Apotheke an der Ecke – viele gewähren kräftige Abschläge (siehe unten). Keine gute Idee ist es dagegen, sich von seinem Arzt anstelle freiverkäuflicher Mittel, die selbst bezahlt werden müssen, ein rezeptpflichtiges Mittel verschreiben zu lassen, das die Kasse erstattet. „Das spart vielleicht Geld, hat aber möglicherweise härtere Nebenwirkungen“, warnt Schuldzinski.

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