Praxistest : Kaffee kochen ohne Reue

Neue Stromzähler sollen beim Energiesparen helfen – wie das funktioniert, zeigt ein Berliner Ehepaar aus dem Märkischen Viertel.

Laura Gitschier

Wenn Günter Krupsack morgens aufsteht und Kaffee kocht, lässt er das Gerät nicht mehr wie bislang auf Standby stehen. Stattdessen füllt er den restlichen Kaffee in eine Thermoskanne, um ihn warmzuhalten. Das ist genauso effektiv und hilft, die Stromrechnung aufzuhübschen. Seit Krupsack nämlich weiß, dass die Kaffeemaschine einen großen Teil seines morgendlichen Stromverbrauchs ausmacht, spart er bewusster.

Günter Krupsack nimmt gemeinsam mit seiner Frau an einem Pilotprojekt des Energieversorgers Vattenfall teil. Seit Juli kann der Rentner sekundengenau verfolgen, wie viel Strom er aktuell verbraucht, wie viel pro 24 Stunden und wie viel im 30-Tage-Verlauf. Vattenfall hat gemeinsam mit dem Wohnungsbauunternehmen Gesobau 10 000 Wohnungen im Märkischen Viertel in Reinickendorf mit intelligenten Zählern, englisch „Smart Meter“ genannt, ausgestattet.

Viele Informationen zum Stromverbrauch können von den Bewohnern direkt am Zähler abgelesen werden. Insgesamt 1400 Haushalte haben die Premiumversion – bei ihnen werden die Daten per Computer oder TV-Gerät direkt in die Wohnungen gespielt. Seit klar ist, dass in neuen Häusern und bei der Modernisierung von Altbauten die neuen Zähler eingebaut werden müssen, fühlt Vattenfall schon mal vor. „Wir wollen in erster Linie Erfahrungen mit dieser jungen Technik sammeln und den Kunden Anreize geben, sich mit dem Thema Energiesparen zu beschäftigen“, sagt Jens Berding, Vattenfall-Chef des Projektes. Und: „Das Kundenfeedback aus dem Projekt wird Einfluss auf die Gestaltung späterer Smart-Meter-Produkte nehmen“. Für die Krupsacks waren der Einbau und das neue Gerät kostenlos. In Zukunft sollen die Zähler und der Einbau allerdings Geld kosten – wie viel das bei Vattenfall genau sein wird, ist noch unklar.

Noch sei es zu früh, ein Gesamtfazit des Projektes zu ziehen, sagt Jens Berding von Vattenfall. Nur so viel ist klar: Erste Erfahrungen zeigten, dass die Technik zuverlässig funktioniere und die Bewohner des Märkischen Viertels gut mit der Bedienung der verschiedenen Lösungen zurechtkommen würden. „Die Handhabung des Gerätes ist keine große Kunst“, winkt auch der gelernte Schlossermeister Krupsack ab. Mindestens zweimal am Tag verfolgt er die Stromdaten auf seinem Fernsehbildschirm, auf dem sonst die „Tagesschau“ läuft. Orangefarbene Balken zeigen ihm den Verbrauch an. Wenn etwa die Lampe im Wohnzimmer angeknipst wird, springt der Balken direkt ein paar Zentimeter nach oben. Auf einmal konnten die Krupsacks überall in ihrer Wohnung Stromfresser identifizieren. Ein besonders stromintensives Gerät in der Wohnung ist der Trockner.

Übrigens: Ausgerechnet das Gerät, das die Auskunft zum Stromsparen erteilen soll, verschluckt mit 145 Watt pro Stunde ebenfalls besonders viel Strom – der Fernseher.

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