Preisentwicklung : Energie raubt Verbrauchern die Kaufkraft

Rekordpreise an den Tankstellen, steigende Kosten für Strom und Gas. Wen interessiert da noch, dass die Wirtschaft insgesamt "schwungvoll in das neue Jahr gestartet ist“, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

BerlinImmerhin stieg das Bruttoinlandsprodukt – jetzt offiziell – im ersten Quartal um alle Sonderfaktoren bereinigt um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber jetzt, mitten im zweiten Quartal, fürchten die Verbraucher um ihre Kaufkraft, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg mitteilte.

Ihr GfK-Konsumklimaindex ging deutlich von revidierten 5,6 Punkten im Mai auf 4,7 Punkte für Juni zurück. Die Konjunkturerwartung sank unter den 2000 Befragten binnen eines Monats um zehn Zähler auf 13,4 Punkte. Der Indikator für die Einkommenerwartung büßte nach einer dreimonatigen Serie von Zuwächsen um 14,8 auf minus 4,3 Zähler ein. Als Folge der Inflationsängste ging auch die Anschaffungsneigung um 15,7 auf minus 20,4 Punkte zurück.

Der Trend könnte anhalten: Der Chef der größten deutschen Ferngasgesellschaft Eon Ruhrgas, sagte, dass sich die Kunden auf weitere Preisrunden einstellen sollten. „Ich glaube nicht, dass wir langfristig zu dem Preisniveau vergangenen Jahre zurückkehren“, sagte Bernhard Reutersberg in Essen. Auch die unabhängigen Verbraucherportale Verivox und TopTarif rechnen in den nächsten Wochen mit Preisanhebungen vieler Gasanbieter. Verivox zufolge muss ein Durchschnittshaushalt mit Mehrkosten von 102 Euro pro Jahr rechnen. Seit dem Jahr 2000 stiegen die Preise für Gas inflationsbereinigt um 8,29 Prozent, so das Statistische Bundesamt. Strom verteuerte sich gar um gut 23 Prozent im Schnitt.

Die Antworten der Politik: In der SPD diskutiert man Sozialtarifmodelle für einkommensschwache Familien. Die FDP forderte den Mehrwertsteuersatz auf Energie von 19 auf sieben Prozent zu senken. Einen ähnlichen Weg verfolgt Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Land ab Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt. Er regte eine europaweite Aussetzung der Mehrwertsteuer „ab einem bestimmten Niveau“ an. Die EU-Kommission lehnte die Idee umgehend als „falsches Signal“ an die Erdölförderländer ab. kph

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