PREISSCHOCK VOR DEN FERIEN Was Autofahrer dagegen tun können : Sprit sparen

Neuer Rekord: 1,60 Euro kostet ein Liter Super. Wer nächste Woche mit dem Auto verreisen will, sollte sparsam fahren

Henrik Mortsiefer

Hiobsbotschaft vor dem Ferienbeginn: Am Freitag kletterte der Spritpreis auf 1,60 Euro für einen Liter Super. Wer sich in der nächsten Woche zu Beginn der Berliner Sommerferien ins Auto setzen und verreisen will, muss daher tiefer in die Tasche greifen als in den Vorjahren. 1000 Kilometer mit dem eigenen Fahrzeug, das im Schnitt acht Liter Super verbraucht, kosten jetzt fast 130 Euro. Sprit sparen zahlt sich mehr denn je aus. Und es ist einfacher, als viele Autofahrer glauben. Um bis zu 20 Prozent lässt sich der Verbrauch allein durch eine ökonomische Fahrweise senken.

SCHNELLER HOCHSCHALTEN

Den Motor im Stand nicht warm laufen lassen, sondern gleich losfahren. Dabei gilt: Möglichst früh in einen höheren Gang schalten, um im niedrigen Drehzahlbereich zu fahren. Experten raten, den ersten Gang nur zum Anrollen zu nutzen. Denn ein Durchschnittsauto verbraucht bei etwa 10 km/h im ersten Gang mindestens 16 Liter auf 100 Kilometern. Richtig geht das so: kurz im ersten Gang anfahren, im zweiten Gang mit Vollgas bis Tempo 30, im dritten Gang ebenso bis 40 und im vierten weiter bis 50 km/h. Dann wird das Tempo im fünften und – wenn vorhanden – im sechsten Gang mit niedriger Drehzahl gehalten. Berechnungen des Tüv Nord haben ergeben, dass bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h ein Mittelklassewagen durchschnittlich drei Liter weniger auf 100 Kilometern verbraucht, wenn er im vierten statt im zweiten Gang gefahren wird.

DREHZAHL REDUZIEREN

Eine Drehzahl von 1000 bis 2000 reicht. Die Warnung, ein untertourig gefahrener Motor gehe schneller kaputt, ist Unfug. Untertouriges Fahren beginnt bei einer Umdrehung von unter 800. Erst bei etwa 600 beginnt der Wagen zu stottern.

MIT WEITBLICK FAHREN

Hektisches Bremsen und Beschleunigen kostet viel Energie. Deshalb immer ausreichend Platz zum Vordermann lassen und vor roten Ampeln oder Kreuzungen frühzeitig vom Gas gehen. Da die meisten modernen Fahrzeuge eine sogenannte Schubabschaltung haben, die beim Einsatz der Motorbremse die Benzinzufuhr abriegelt, sollte man beim Ausrollen auskuppeln. Vor Bahnschranken, roten Ampeln oder im Stau empfiehlt es sich, das Auto auszumachen, wenn der Stopp länger als 20 Sekunden dauert.

STROM UND GEWICHT SPAREN

Elektrische Komponenten können zu Spritfressern werden, wenn sie laufen, ohne gebraucht zu werden. Das gilt etwa für Klimaanlagen, Sitz- oder Scheibenheizungen, Gebläse, Stereoanlagen oder Nebelscheinwerfer. Eine Klimaanlage unter Volllast kann zu einem Mehrverbrauch von fünf bis zehn Prozent führen. Ähnliches gilt für überflüssigen Ballast, der im Kofferraum oder auf dem Rücksitz transportiert wird. Jedes Kilogramm muss bewegt werden und kostet Geld. 100 Kilogramm Ladung können bis zu 0,8 Liter Mehrverbrauch bedeuten. Außerdem erhöhen Aufbauten wie Gepäckträger oder -boxen den Luftwiderstand und damit den Spritverbrauch. Mit zwei Fahrrädern auf dem Dach schluckt der Motor auf der Autobahn bis zu 3,5 Liter mehr.

DRUCK UND TECHNIK CHECKEN

Der Luftdruck in den Reifen kann etwas höher liegen als vom Hersteller angegeben. Das reduziert den Rollwiderstand und reduziert den Verschleiß. 0,2 bar zusätzlich gelten als Richtwert. Man kann sich aber auch am Herstellerwert für ein vollbeladenes Auto orientieren. Der Luftdruck sollte mindestens einmal im Monat kontrolliert werden. 0,3 bar zu wenig bedeuten bis zu zehn Prozent mehr Spritverbrauch. Luftfilter, Zündkerzen und Motoröl sollten ebenfalls regelmäßig gecheckt und gewechselt werden. Leichtlauföle mit höherer Viskosität (0W-30 oder 5W-30) können den Spritverbrauch um bis zu fünf Prozent senken.

KURZE STRECKEN MEIDEN

Die Hälfte aller Autofahrten ist kürzer als fünf Kilometer. Ein kalter Motor verbraucht dabei auf den ersten ein bis zwei Kilometern bis zu 30 Liter auf 100 Kilometern. Wer nur um die Ecke muss, sollte also das Fahrrad nehmen oder zu Fuß gehen.

Verbände wie der ADAC, der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, der Tüv Nord oder verschiedene Hersteller bieten Kurse für eine ökonomische Fahrweise an. Das ADAC-Sprit-Spar-Training etwa kostet für sechs Teilnehmer 540 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer und Spesen).

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