Preissenkungen : Bauern protestieren gegen Billig-Milch

Die Bauern gehen weiter gegen billigere Milch auf die Barrikaden - und ziehen mit ihren Kühen vor die Supermärkte. Den Lebensmittel-Ketten werfen sie "Raubtierkapitalismus" vor.

Bauernproteste
Proteste gegen Billig-Milch: Eine Kuh wird zu einem Aldi-Markt in Oberbayern gebracht. -Foto: dpa

Hamburg Am Dienstag protestierten in Bayern mehr als tausend Milchbauern gegen Preissenkungen der Lebensmittel-Ketten bei Milch und Milchprodukten. Zum Teil zogen sie mit Kühen vor die Supermärkte. Niedrige Preise seien für die Verbraucher zwar erfreulich, für die Milchbauern aber existenzbedrohend. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner attackierte vor allem den Discounter Aldi. Er habe zum Schaden der Bauern seine Marktmacht missbraucht, sagte er im ARD-"Morgenmagazin". "Dies hat nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft, mit Verantwortung für Bauern, Gesellschaft und Verbraucher zu tun, sondern dies ist Raubtierkapitalismus". Ähnlich zitierte ihn der "Münchner Merkur".

Für diesen Mittwoch kündigte auch Baden-Württembergs Bauernverband Proteste gegen die Tiefpreise bei Discountern an. Mehr als tausend Teilnehmer werden auf dem Stuttgarter Schlossplatz erwartet. Am Freitag soll es auch in Mecklenburg-Vorpommern Proteste geben. Der dortige Bauernverband will mit einem Traktoren-Corso die Stadt Teterow eine Stunde lang sperren.

Laut Sonnleitner entsteht der deutschen Landwirtschaft durch die Preissenkung bei Milch ein Schaden von 650 Millionen Euro. "Deshalb schlagen wir jetzt hart zurück." Die führenden Discounter Aldi und Lidl sowie die Supermarktkette Rewe hatten den Milchpreis um 12 Cent pro Liter gesenkt. Der führende deutsche Lebensmittelhändler Edeka kündigte Milchpreissenkungen für die kommenden Tage an.

Boykott-Aufrufe wegen "Preis-Diktat"

Es sei zu befürchten, dass die Molkereien die Preissenkungen für den Handel direkt an die Bauern durchreichten, sagte der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes, Peter Voss-Fels, in Frankfurt. "Dann ist die Lage schlechter als im vergangenen Jahr." Die Preissenkung um 12 Cent pro Liter "ist eine historisch nie dagewesene Höhe". Die Bauern seien völlig unvorbereitet getroffen worden. Er rief die Molkereien auf, gemeinsam mit dem Einzelhandel Preisverhandlungen zu führen und zumindest im Verkauf ihre Kräfte zu bündeln. Allein hätten die meist  genossenschaftlich geführten Molkereien den Einzelhandelsgiganten nichts entgegenzusetzen.

Angesichts der Preissenkung hatten Bauern-Vereinigungen sogar zu einem Boykott aufgerufen. In Münster forderte der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) die Verbraucher - vor allem aber Bauernfamilien - auf, bis auf weiteres nicht in Aldi-Läden einzukaufen. Die neuen Preise seien Resultat eines Preisdiktats, mit dem vor allem Marktführer Aldi die Molkereien massiv unter Druck gesetzt habe, so der WLV.

Verbraucher müssen sich auf schwankende Preise einstellen

Nach Angaben des Milchindustrieverbands ist das Angebot derzeit größer als die Nachfrage. Zudem gebe es Exportschwierigkeiten durch eine geringere Preisstützung sowie den starken Euro.

Im vergangenen Jahr hatten die Milchproduzenten erreicht, dass der Literpreis über 40 Cent gestiegen war. Jetzt droht nach Angaben der Bauernverbände ein Preisrückgang auf rund 35 Cent. Nach Einschätzung der Molkereien müssen sich die Verbraucher im Jahresverlauf auf schwankende Preise einstellen. Die neuen Abschlüsse seien zunächst für ein halbes Jahr gültig. Molkereien und  Handelskonzerne hatten in den vergangenen Wochen über Einkaufspreise verhandelt. (jam/dpa)

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