Preissteigerung : Milch und Butter kosten wieder mehr

Der Druck der Landwirte wirkt sich aus: Milch ist in vielen Geschäften zu Beginn der Woche wieder deutlich teurer geworden - gleich mehrere Handelsriesen haben ihre Preise kräftig angehoben. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer will derweil möglichst schnell alle Beteiligten zum "Milchgipfel" an einen Tisch holen.

Düsseldorf Die Milchpreiese steigen wieder: Bei Milch ist zu Wochenbeginn zum Teil das Preisniveau von Mitte April fast wieder erreicht worden - damals hatte der Handel kräftige Preissenkungen vorgenommen. Auch für Butter müssen Verbraucher nun vielerorts wieder erheblich mehr bezahlen. Andere Produkte wie Kondensmilch und Speisequark waren bisher von Preiserhöhungen nicht betroffen. Unterdessen verhandelten Lebensmittelhändler und Molkereien über höhere Preise. Erste Vertragsabschlüsse hat es bei den Neuverhandlungen nach Informationen aus Branchenkreisen aber noch nicht gegeben.

Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe drehte zu Wochenanfang an der Preisschraube. Der Preis für frische Vollmilch sei um 10 Cent je Liter und der Preis für Butter um 20 Cent pro Packung angehoben worden, sagte ein Sprecher des Kölner Konzerns. Als Grund für die Anhebungen in den Rewe-Filialmärkten nannte er steigende Preise im Milchmarkt. Die Verhandlungen mit Molkereien seien angelaufen.

Butterpreis steigt um 20 Prozent

Der zweitgrößte deutsche Discounter Lidl hat die Preise für Frischmilch und H-Milch nach eigenen Angaben ebenfalls um 10 Cent je Liter angehoben. Deutsche Markenbutter (250 Gramm) wurde auch bei Lidl um 20 Cent teurer. Lidl hatte als erster Handelskonzern auf die Bauernproteste mit der Ankündigung reagiert, den Milchpreis anheben zu wollen.

Kaufland, das wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, gab ebenfalls Preiserhöhungen für Molkereiprodukte bekannt. Auch der Lebensmittelkonzern Edeka hat den Preis für frische Vollmilch um zehn Cent je Liter angehoben. "Wir werden beobachten, ob sich der höhere Preis am Markt durchsetzen lässt", sagte ein Sprecher. Andere Milchprodukte wurden nicht teurer. "Edeka wird sich marktkonform verhalten", sagte der Sprecher angesichts des harten Wettbewerbs im Markt.

Seehofer will Milchgipfel

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will angesichts der Drohung der Milchbauern mit einem neuen Lieferstopp alle Beteiligten möglichst bald an einen Tisch holen. In der kommenden Woche sei ein erstes Treffen geplant, hieß es am Montag aus Regierungskreisen. Daran sollen Vertreter von Milchbauern, Molkereien, Handel und Bauernverband teilnehmen. Der Bund Deutscher Milchviehhalter hatte wegen einer fehlenden Dauerlösung für höhere Erzeugerpreise mit einem neuen Lieferstopp gedroht. Verbandschef Romuald Schaber rief Seehofer dazu auf, den geplanten Milchgipfel noch im Juni zu veranstalten. In den Molkereien lief nach Verbandsangaben der Betrieb inzwischen wieder normal.

Zugleich gingen die Gespräche auf Verbandsebene weiter. "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden ständig Gespräche geführt", erklärte Franz Grosse für den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. "Die Milchbauern haben alles auf den Tisch gelegt. Nun müssen sich die Molkereien bewegen". Auch der Milchindustrie-Verband bestätigte enge Kontakte mit Vertretern der Milchbauern. Er forderte allerdings eine Lösung in größeren Dimensionen. "Deutschland ist keine Insel. Wir brauchen eine Lösung auf europäischer Ebene mit einer nachhaltigen Veränderung der Situation", betonte Verbands-Geschäftsführer Michael Brandl. Dazu müsse abgeklopft werden, was auf politischer Ebene erreicht werden könne. "Wir leben direkt von Angebot und Nachfrage und derzeit ist dass Angebot sehr groß."

Der stellvertretende Kabinettschef der EU-Agrarkommission, Klaus-Dieter Borchardt, kritisierte unterdessen den inzwischen beendeten Lieferboykott der deutschen Milchbauern scharf. Er nannte ihr Vorgehen "ein abschreckendes Beispiel" und eine "gefährliche Aktion, weil es am Ende der Verbraucher sein wird, der diese zehn Cents bei Lidl und anderen bezahlen muss." Der Steuerzahler werde sich fragen, warum er zusätzlich noch die Direktzahlungen an die Landwirte mitfinanziere, sagte Borchardt bei einer Agrarkonferenz in Berlin. (jam/dpa)

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