Produktskandal : Rückruf von Baby-Lätzchen auch in Deutschland

Nicht nur in den USA hat der Händler Toys "R" Us Baby-Lätzchen vom Markt genommen. Auch in Deutschland mussten die Produkte aus China wegen eines erhöhten Bleigehalts zurückgerufen werden.

Giftiges Spielzeug
Eine Spielzeugfabrik in Yunhe. -Foto: dpa

KölnDer amerikanische Spielwarenhändler Toys "R" Us hat auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorsorglich Baby-Lätzchen aus den Regalen genommen. Die Waren seien seit vergangenem Freitag aus dem Verkauf entfernt worden, sagte eine Sprecherin der deutschen Unternehmenstochter. Betroffen seien Produkte des Herstellers Hamco sowie weitere Lätzchen anderer Hersteller. In den USA hatte die Handelskette wegen erhöhten Bleigehalts eine Million in China produzierter Lätzchen aus den Regalen genommen. Kunden könnten bereits gekaufte Ware gegen Erstattung des Kaufpreises in den Filialen zurückgeben, hieß es.

Erst vor wenigen Tagen hatte der US-Spielzeugriese Mattel ebenfalls in China hergestellte Spielzeuge zurückgerufen. Der Skandal um gesundheitsgefährdende Produkte droht nun die Handelsbeziehungen zwischen Europa und China zu stören. EU-Handelskommissar Peter Mandelson wies in Brüssel Vorwürfe aus Peking zurück, das Vorgehen europäischer Unternehmen sei politisch motiviert und beruhe auf Vorurteilen gegenüber China. "Ich werde europäische Unternehmen entschieden unterstützen, die Ware zurückweisen müssen, die gefährlich für Verbraucher, darunter Kinder, ist. Das ist nicht eine Frage des Handels, sondern der Gesundheit", sagte der EU-Kommissar.

Tüv Süd warnt vor pauschaler Verurteilung

Die Rückrufe zeigten, dass die Selbstkontrollmechanismen der Hersteller funktionierten, sagte der Pressereferent des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums, Wilhelm Deitermann. Auch für den Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) in Köln belegen die Rückrufe eine funktionierende Selbstkontrolle. Er gehe davon aus, dass aufgrund der Rückrufe auch die Produktqualität der in China hergestellten Spielwaren mittelfristig besser werde, sagte der stellvertretende BVS-Geschäftsführer Steffen Kahnt. "Die Hersteller dort wollen schließlich weiterhin im Geschäft bleiben."

Der Tüv Süd, der jährlich rund 20.000 Konsumgüter auf Mängel prüft, warnte vor einer pauschalen Verurteilung. "Mir gefällt es nicht, dass China immer so schlecht gemacht wird", sagte der Leiter des Produktmanagements beim Tüv Süd Product Service, Andreas Bauer. Auch in Deutschland gebe es schwarze Schafe. Da ein Großteil der Konsumgüter in den Geschäften aber aus China stamme, seien diese Produkte bei den beanstandeten Waren überproportional vertreten. Insgesamt würden heute wesentlich mehr Waren kontrolliert als früher. "Die Produkte sind sicherer denn je." Allerdings habe die "Geiz-ist-Geil-Mentalität" der Verbraucher die Hersteller dazu gebracht, immer günstiger zu produzieren. Von extrem billigen Spielwaren sollten die Kunden die Finger lassen.

Verbraucherministerium kündigt Untersuchung an

Nach Berichten über giftige Chemikalien in Kinderkleidung aus China hat unterdessen das neuseeländische Verbraucherministerium eine sofortige Untersuchung angekündigt. Es würden Stichproben genommen und getestet, teilte das Ministerium mit. Es riet Eltern, alle Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen gründlich zu waschen. Ein neuseeländisches Fernsehmagazin hatte eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die hohe Konzentrationen der Krebs erregenden Chemikalie Formaldehyd in T-Shirts und Schlafanzügen aus China nachwies.

Die meisten Handelskonzerne kontrollieren nach Angaben der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE) vor Ort die Qualität ihrer Lieferanten. So setze die Metro-Gruppe (u.a. Kaufhof, real) auf die Kontrolle örtlicher Hersteller durch Organisationen wie etwa den Tüv, sagte Metro-Sprecher Martin Brüning. Auch bei Karstadt müssen sich nach Angaben von Sprecher Michael Scheibe die Lieferanten aus Asien zur Einhaltung von Qualitätsstandards verpflichten. "Das wird auch kontrolliert", sagte er. Karstadt habe seine Einkaufsbüros nach dem Rückruf von Mattel in Asien angewiesen, die Lieferanten noch intensiver zu überprüfen. Einen Umsatzeinbruch bei Spielwaren habe es bislang nicht gegeben.

Ähnliches gilt für den Modediscounter Takko, der nach eigener Aussage seine Artikel in einem mehrstufigen Prozess intern und extern auf etwaige Belastungen kontrolliert. "Unabhängige, akkreditierte Prüfinstitute begleiteten den gesamten Herstellungsprozess und Handelsweg", sagte eine Unternehmenssprecherin. Der Versandhändler Otto prüft Qualität und Schadstoffbelastung an mehreren Stellen innerhalb der Herstellungs- und Lieferkette. "Die erste Kontrolle ist noch vor Ort. Dann haben wir außerdem noch ein eigenes Institut für die Prüfung", sagte ein Firmensprecher. "Als Handelshaus ist das eine absolute Notwendigkeit", erklärte er. (mit dpa)

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