Verbraucher : Profitable Familienbande

Eigentümergeführte Unternehmen können langfristiger planen. Das ist auch gut für Anleger

Bernd Hops

Als der US-Autokonzern Ford zuletzt in die Krise schlidderte, da wurde medienwirksam daran erinnert, dass die Gründerfamilie Ford immer noch einiges mitzureden hat. Schnell war die angestellte Konzernspitze gefeuert, das Ruder übernahm Bill Ford junior, ein Urenkel des Firmengründers Henry Ford.

In Deutschland gibt es solch spektakuläre Aktionen bei großen Konzernen nicht. Trotzdem stehen selbst hinter einer Reihe von großen Dax-Unternehmen noch die Gründerclans oder andere Familien als Großaktionäre – etwa bei BMW und Henkel. Die haben zwar in der Regel kein Interesse mehr, Unternehmen selber zu führen – aber ein großes Interesse daran, dass sich ihr Familienvermögen gut entwickelt. So war auch der Druck der Quandts ausschlaggebend dafür, dass BMW sein teures Abenteuer beim britischen Autobauer Rover wieder aufgab. Bei vielen mittleren und kleineren börsennotierten Firmen sind die Eigentümer ebenfalls direkt im Management oder indirekt engagiert. Erfolgreiche Unternehmen wie die Optikerkette Fielmann, die Pharmaunternehmen Merck und Schwarz Pharma, die Finanzdienstleister AWD und MLP oder auch der Maschinenbauer Krones fallen in diese Kategorie.

Von dem Engagement profitieren auch Anleger. „Die Aktienkurse entwickeln sich in der Regel überdurchschnittlich gut“, sagt Rolf Drees, Sprecher von Union Investment, einer Tochter der Volks- und Raiffeisenbanken. In einer Studie hat die Hypo-Vereinsbank herausgefunden, dass sich die Aktienkurse der 50 größen familiengeführten Unternehmen in Deutschland seit 1990 im Schnitt besser entwickelt haben als Dax, M-Dax oder S-Dax.

Ein weiterer Indikator für die gute Entwicklung ist der im Januar von der Deutschen Börse eingeführte Index Gex, der die Entwicklung der Aktien von familien- und eigentümergeführten Unternehmen abbilden soll (siehe Kasten). Der Gex hat den Dax in diesem Jahr bisher deutlich geschlagen.

Die Präsenz einer Eigentümerfamilie sei ein „positiver Faktor“, sagt Drees von Union Investment. Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagt wiederum: „Familienaktionäre haben ein anderes Verhältnis zum Unternehmen.“ Während sich das Management bei börsennotierten Firmen mit einer breiten Streuung Aktien bei jedem Quartalsbericht erneut beweisen muss, ist bei Familienunternehmen eine langfristigere Planung möglich, sagen die Experten.

So konnte sich zum Beispiel Wendelin Wiedeking, Chef des Autobauers Porsche und mit einer erfolgreichen Geschäftsentwicklung und den Familien Porsche und Piëch im Rücken, leisten, dass die Aktie aus allen Indizes der Deutschen Börse flog. Denn Wiedeking weigerte sich neben Halbjahreszahlen auch noch Quartalsberichte zu veröffentlichen – mit der Begründung, dass dies dem langfristigen Charakter des Geschäfts nicht entspräche.

Außerdem verhalten sich die angestellten Manager in der Regel anders, wenn sie nicht nur für eine anonyme breite Masse von Kleinaktionären arbeiten. „Managerexzesse, die nur der persönlichen Eitelkeit dienen, sind dann weniger durchsetzbar“, sagt Drees. Bei einer Eigentümerfamilie würde es dann einfach heißen: „Da stimme ich nicht zu, weil es mein Geld ist.“ Die Einflussnahme der Familie müsse noch nicht einmal direkt sein. „Es ist einfach klar, was passiert, wenn ein Manager mein und dein verwechselt“, sagt Drees. „Ein Aktienprogramm, wie es Daimler-Chrysler für sein Management aufgelegt hat, wäre bei BMW unmöglich.“

Auch wenn die Gründerfamilie noch direkt im Vorstand oder Aufsichtsrat vertreten ist, kann das sehr positiv wirken. Die Hypo-Vereinsbank schreibt in ihrer Studie: „Grundsätzlich existiert eine ausgeprägte Übereinkunft zwischen den persönlichen Zielen des Eigentümers wie der Steigerung des persönlichen Vermögens und den unternehmerischen Zielen wie der Erhöhung der Profitabilität oder der Verbesserung des Marktanteils.“ Sprich: Was dem Unternehmen nützt, nützt auch dem Eigentümer – und wird deshalb auch gemacht. Daneben sei die Loyalität des Eigner-Managers zum Unternehmen ausgeprägt. Negativ könne sich aber die Führung durch den Eigentümer auswirken, wenn er sich als beratungresistent erweist und als unfähig, sich neuen Marktbedingungen anzupassen.

Außerdem weist DSW-Sprecher Kurz darauf hin, dass Aktionäre oft für das Engagement der Familien auch einen nicht geringen Preis zahlen. Häufig können sie selber kaum Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen. Beim Rüstungskonzern Rheinmetall befehdeten sich die Mitglieder der Familie Röchling jahrelang und lähmten so auch das Unternehmen. Beim Autovermieter Sixt habe sich Vorstandschef und Unternehmensgründer Erich Sixt schon mal selber mitgenehmigt, dass er sein Gehalt auch in Zukunft nicht individualisiert ausweisen muss, sagt Kurz. Dass es auch anders gehe, zeige der Pharmakonzern Altana, an dem die Großaktionärin Susanne Klatten nicht nur mehr als 50 Prozent hält, sondern auch im Aufsichtsrat sitzt. Dabei sei Altana ein guter Vorreiter bei der Veröffentlichungspolitik, lobt Kurz.

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