Verbraucher : Rabatt bei der Bank

Wie Kunden vom Wettbewerb profitieren – und wer in Berlin die besten Konditionen bietet

Veronika Csizi

Schnäppchentage im Geldgewerbe: Die Commerzbank zahlt jedem, der bei ihr ein Girokonto neu eröffnet, 50 Euro. Die Berliner Bank lockt Anleger mit Zinsen von vier Prozent für ein Jahr, und die Citibank verlost unter Neukunden einen flotten Dreier-BMW.

Der Wettbewerb unter Deutschlands Banken, so scheint es, nutzt vor allem ihren Kunden. Verbraucherschützer allerdings warnen: Viele Angebote, die auf den ersten Blick so verlockend aussehen, können am Ende richtig teuer werden. „Hier werden viele Nebelkerzen geworfen“, sagt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Es lohnt sich also, genau hinzusehen.

GIROKONTEN

Wie in den sechziger Jahren, den Anfangszeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, verzichten viele Banken inzwischen wieder auf eine monatliche Grundgebühr für das Gehaltskonto. Teilweise legen sie sogar noch einen kleinen Bonus drauf: eine Prämie von 50 Euro, Tankgutscheine, Koffersets, eine kostenlose Kreditkarte für ein Jahr. Die meisten dieser Angebote allerdings sind im Kleingedruckten an bestimmte Bedingungen geknüpft. So verlangen Commerz- und Postbank einen monatlichen Eingang von 1200 beziehungsweise 1250 Euro. Die Citibank fordert für die kostenlose Kontoführung gar ein kontinuierliches Guthaben von 2500 Euro.

Neben den Gebühren und den Zinsen wird ein Kostenfaktor dabei häufig übersehen: die Kosten für das Abheben von Geld an fremden Automaten, die vor allem bei Kunden kleinerer Institute, die viel unterwegs sind, ins Geld gehen können. Das dichteste Netz haben die Sparkassen mit 22 000 kostenlosen Automaten in Deutschland. Die aus den Post-, Spar- und Darlehensvereinen hervorgegangenen PSD-Banken kommen auf 17 000 Automaten, die sogenannte Cash-Group aus Deutscher und Dresdner Bank, Hypo-Vereinsbank, Commerzbank und Postbank immerhin noch auf 7000 Automaten, an denen die Kunden der fünf Banken gebührenfrei Geld abheben können. Bei einem Girokonten-Vergleich der Stiftung Warentest schnitt im Raum Berlin/Brandenburg zuletzt zweimal die PSD-Bank am besten ab. In ähnlichen „Hitlisten“ verschiedener Anlegerzeitschriften lag die DKB Deutsche Kreditbank mehrfach vorne. Sie wirbt, unter anderem, mit kostenlosem Bargeld weltweit mithilfe einer bankeigenen Visa-Kreditkarte.

KLEINKREDITE

Auch bei Kleinkrediten überbieten sich die Banken gegenseitig mit angeblich immer günstigeren Konditionen – trotz gestiegener Leitzinsen. Verbraucherschützer Pauli empfiehlt, vor allem bei sogenannten „ab“-Angeboten skeptisch zu sein. Wenn ein Institut wie die Postbank mit einem Nominalzins „ab 4,44 Prozent“ wirbt, heißt das noch lange nicht, dass auch jeder Kreditkunde in den Genuss dieses Zinssatzes kommt. In der Regel erhalten diese Konditionen nur Kunden mit sehr guter Bonität, entsprechenden Sicherheiten und kurzen Vertragslaufzeiten. Wer sich zum Beispiel 10 000 Euro für drei Jahre leihen will, zahlt auch bei der Postbank effektiv 8,5 Prozent Zinsen. Jeder Kunde, rät Pauli, solle deshalb vor allem eine Zahl im Auge haben: Was habe ich am Ende für den gesamten Kredit samt Zinsen und Gebühren bezahlt?

Wie lukrativ das Geschäft mit Kleinkrediten nach wie vor ist, zeigt die jüngste Entscheidung des Textilkonzerns C&A, der seinen Kunden neben Versicherungen in den nächsten Monaten auch Ratenkredite anbieten will und dazu bereits eine Banklizenz beantragt hat. Eine Million Menschen besuchen jeden Tag die 380 Filialen von C&A in Deutschland. Der „extrem heftige Wettbewerb“, von dem Kerstin Altendorf vom Bundesverband Deutscher Banken spricht, dürfte damit noch heftiger werden und zu immer neuen Skurrilitäten führen. So offeriert die Citibank neuerdings unter dem Slogan „money to go“ einen Online-Kredit für 3,49 Prozent effektiv bei maximal 3000 Euro und zwölf Monaten Laufzeit, der bei Nichtgefallen nach 28 Tagen in ein anderes Darlehen umgetauscht werden kann – wie ein schlecht sitzendes Sakko.

GELDANLAGE

Auch bei der Geldanlage sollten Anleger genau hinsehen – vor allem beim Tagesgeld, bei dem viele Institute ebenfalls mit „ab“-Angeboten wie beim Ratenkredit arbeiten. Drei Prozent und mehr zahlen viele Banken erst von einer bestimmten Anlagesumme an, bei der Postbank zum Bespiel erst ab 25 000 Euro. Viele Internetbanken sind hier deutlich besser, so gibt es die gleichen 3,3 Prozent bei der Comdirect bereits vom ersten Euro an. Die Volkswagen-Bank zahlt Neukunden bis zu einer Anlagesumme von 20 000 Euro sogar ein halbes Jahr lang 3,6 Prozent. Ähnlich rechnet auch die DKB-Bank: Bei ihr bekommen Kunden, die ihr Geld auf dem Kreditkartenkonto parken, bei täglicher Verfügbarkeit 3,3 Prozent. Die Berliner Bank umgarnt Neukunden gegenwärtig sogar mit Zinsen von vier Prozent. Dazu aber muss das Kapital anders als Tagesgeld ein Jahr fest angelegt werden und mindestens 2500 Euro betragen. Nach dem Motto je früher, desto besser hat die jetzt zur Deutschen Bank gehörende Berliner Bank zu Schuljahresbeginn außerdem den Berliner Erstklässlern einen Gutschein über 25 Euro geschenkt, der sich bei der Eröffnung eines Kontos ebenfalls mit vier Prozent verzinst. Eine kleine Investition in die Kunden von morgen.

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