Verbraucher : Radtour zu Hause

Henrik Mortsiefer

DAS TESTURTEIL: 9 von 10 Punkten
(0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

Sport ist mir fremd. Ich bewege mich maximal drei Stockwerke hinauf, um meine Wohnung zu erreichen. Und drei wieder hinunter, um zu meinem Auto zu gelangen. Neulich aber schreckte mich mein Hausarzt auf: „Ihre Rückenmuskulatur könnte ein bisschen straffer sein“, sagte er. Sein ironischer Unterton war nicht zu überhören. Er meinte wohl nicht nur meinen Rücken. Als er feststellte, dass auch mein Puls zu hoch ist und mein Herzschlag zu holprig, war mir klar: Ich sollte mich mit dem Thema Sport beschäftigen. Er verbesserte: „Sie sollten sich nicht damit beschäftigen, Sie sollten endlich aus dem Quark kommen.“ Okay, Doktor!

In Erwartung schwerer Folgeschäden kaufte ich – Hypochonder von Haus aus – ein schnelles Fahrrad. Passende Kleidung dazu, ein Tacho, eine Pulsuhr, das komplette Programm. Dummerweise fing es bald zu schneien an. Und es wurde kalt und spiegelglatt auf den Straßen. Die Fahrradsaison war vorbei, noch ehe ich mich sportlich betätigen konnte. Hoffte ich.

Da die echten Fahrradprofis aber auch im Winter trainieren müssen, hat die italienische Firma Elite ein Gerät für den Hausgebrauch erfunden: den Rollentrainer. Statt sich eine klobige Fitnessmaschine in die Wohnung zu stellen, spannt man das eigene Rad mit der Hinterachse in einen niedrigen Rahmen, in dem das Hinterrad auf einer kleinen Rolle laufen kann. Das Tempo wird über die Gangschaltung des Fahrrads bestimmt. Der Tretwiderstand reguliert sich durch eine in Spezialöl getauchte Turbine, die wie ein kleiner Motor aussieht (aber leider nur durch Muskelkraft betrieben wird). Bewohnern von Räumen mit Dielenboden sei empfohlen, die Nachbarn zu informieren. Denn die kleine Turbine kann bei sportlichen Geschwindigkeiten recht laut werden. Besonderheit des „Crono Fluid“-Rahmens: Er ist flexibel konstruiert, so dass das Gewicht des Radsportlers (!) je nach Sitzposition variabel auf die Laufrolle gebracht wird – die sich entsprechend leichter oder schwerer dreht. Nach dem Training lässt sich der Heimtrainer leicht zusammenklappen und verstauen.

Bei mir wird das Rad zur täglichen Mahnung in diesem Winter in der Wohnung stehen bleiben. Die Investition von knapp 230 Euro (gesehen bei www.fahrrad.de) steigert meinen Ehrgeiz, meinen Hausarzt bald mit straffen Rückenmuskeln zu überraschen – spätestens im Frühjahr. Dann will ich wieder Fahrtwind und Rahmenprogramm. Denn auf die Dauer tritt man beim Radeln im Fahrradständer doch ziemlich auf der Stelle.

0 Kommentare

Neuester Kommentar