Verbraucher : Rakete mit Zischknopf

Dagmar Rosenfeld

DAS TESTURTEIL: 9 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet einen Trinkwassersprudler

Der Mann ist immer gegen ein automatisches Wasser-Aufsprudel-Gerät gewesen. Weil das das Ende der Pfandflaschen in unserem Haushalt bedeuten würde. Bei uns zu Hause gibt es viele Pfandflaschen, der Mann hortet sie. So wie er es auch schon gemacht hat, als er noch alleine lebte. Als ich dann zu ihm gezogen bin, habe ich tütenweise Pfandflaschen aus seiner Küche getragen. Der Mann war danach sehr wütend auf mich. Es sei ja mal wieder typisch, kaum ziehe man mit einer Frau zusammen, da wolle die gleich sein ganzes Leben umkrempeln, hat er geschimpft. Ich war mir bis dahin nicht bewusst, dass Pfandflaschen sein ganzes Leben sind. Der Mann jedenfalls hat das Flaschensammeln nicht aufgegeben. Ich glaube, aus Trotz, und vielleicht, weil er findet, dass die Pfandflaschen das letzte bisschen Junggesellenfreiheit sind, die er in die Ehe gerettet hat.

Jetzt aber habe ich den Sodastream Penguin in unsere Küche gestellt – das ist die neueste, futuristische Variante des Wassersprudlers („in topaktuellem Edelstahl-Look“, wie der Hersteller Soda- Club sagt, für 149,90 Euro). Der Sodastream Penguin sieht aus wie eine Rakete, silber glänzend. Und wenn man den oberen Schalter drückt, um die Kohlensäure ins Wasser zu leiten, dann zischt es – so als ob die Penguin-Rakete jeden Moment abheben würde. Ich habe gedacht, etwas, das nach Weltraum aussieht und dazu noch Geräusche macht, gefällt dem Mann bestimmt. „Was ist das“, hat er gefragt, als er den Sodastream gesehen hat. „Die Enterprise“, habe ich gesagt. „Jedes Mal, wenn sie abhebt, verwandelt sie Leitungs- in Sprudelwasser.“ Dann habe ich den Zischknopf gedrückt. Der Mann hat sich mit dem Finger an die Stirn getippt. „Die Pfandflaschen bleiben“, hat er noch gesagt.

Ich jedenfalls finde den Sodastreamer klasse. Er ist sehr umgänglich: In die mitgelieferten verschließbaren Glasflaschen – „drei formschöne Flaschen, in denen sich das Wasser stilgerecht servieren lässt“, sagt der Hersteller – einfach Leitungswasser einfüllen, sie in den unteren Teil des Sprudlers stellen, den oberen Teil runterfahren, verschließen, den Zischknopf drücken und fertig. Einziger Nachteil: Die drei mitgelieferten formschönen Flaschen sind nicht sonderlich groß. Aber der Mann hatte jetzt eine tolle Idee: Wir könnten ja das aufgesprudelte Wasser in seine leeren 1,5-Liter-Pfandflaschen umfüllen, hat er vorgeschlagen. Manchmal führen wir eine wirklich sehr harmonische Ehe.

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