Verbraucher : Recht auf Entschädigung

Bei überbuchten Flügen müssen Fluglinien zahlen

Gerald Drißner

Gebucht, gepackt, ab zum Flughafen. „Die Maschine ist überbucht. Tut mir Leid“, sagt die Mitarbeiterin am Flugschalter. Jedes Jahr werden in Europa etwa 250 000 Passagiere beim Einchecken abgewiesen, hat die Europäische Kommission herausgefunden. Die Zahl derer, die wegen Verspätung einige Stunden am Flughafen verbringen müssen, dürfte noch höher sein.

Allerdings können sich die Fluggäste gegen den Ärger wehren: „Der Passagier kann in jedem Fall das Geld zurückfordern oder sich einen anderen Flug geben lassen“, sagt Beate Wagner, Reisejuristin der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen. Ist ein Flug überbucht, muss die Fluggesellschaft einen Alternativ-Flug anbieten; macht sie dies nicht, kann man sich selber ein Ticket besorgen, notfalls auch von einer anderen Fluglinie. Die Kosten trägt die ursprüngliche Fluggesellschaft. Das neue Ticket sollte in etwa gleich viel kosten wie das Ursprüngliche.

Zudem muss die Fluggesellschaft, die ihre Maschine überbucht hat, eine Entschädigung zahlen: Bei Strecken bis zu 3500 Kilometern sind das 150 Euro, sonst 300 Euro. Ab dem 1. Januar 2005, wenn eine neue EU-Richtlinie für die Rechte von Flugpassagieren in Kraft tritt, steigen die Summen dann auf 250 bis 600 Euro. Hebt ein Flieger verspätet ab, kann man auf Verpflegung und ein Hotelbett bestehen– vorausgesetzt, die Verspätung ist auch wirklich lang. Auch hier verbessern sich die Rechte für Verbraucher ab Januar 2005. Erreicht ein Passagier wegen eines verzögerten Fluges mehr als fünf Stunden später das Ziel, kann er auf Rückerstattung des Geldes für sein Ticket bestehen.

Für Charterflüge bei Pauschalreisen gelten diese Rechte bisher nicht – Verspätungen wurden als üblich angesehen. Erst ab vier Stunden liegt ein Reisemangel vor – für jede zusätzliche Stunde, die man warten muss, stehen einem fünf Prozent des Tagesreisepreises einer Pauschalreise zu. Stehen aber die Pauschalurlauber bereits reisefertig am Flughafen und der Flieger ist verspätet, kann es in Einzelfällen eine Preisminderung geben. Ab Januar kommenden Jahres gilt aber auch hier das gleiche Recht wie bei Linienflügen. Auf Billigflügen gilt das gleiche Recht wie bei Linienflügen. Übrigens gilt immer: Wenn höhere Gewalt wie schlechtes Wetter Schuld hat, gibt es keine Entschädigung.

Wenn ein Urlauber selbst verspätet am Flughafen ankommt, heißt das nicht direkt, dass er den nächsten Flug oder Umbuchungsgebühren bezahlen muss. Der Veranstalter muss im Flugschein die genaue Zeit angeben, zu der man spätestens am Schalter erscheinen muss. Steht man rechtzeitig in der Warteschlange, kann man auf späteres Einchecken bestehen. Wird man trotzdem auf einen Ersatzflug verlegt, den man selber zahlen muss, kann der Urlauber das Geld zurückfordern. Dazu muss man beweisen, dass bei der Ankunft die Abfertigung noch nicht abgeschlossen war.

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