RECHTS Frage : an Ulrich Schellenberg Rechtsanwalt und Notar

Sicheres Erbe für den Enkel

an Ulrich Schellenberg

Ich beabsichtige, meinen einzigen Enkelsohn zu meinem Alleinerben zu machen, nachdem mein Mann schon bereits seit längerem tot ist. Mein Problem ist aber, dass mein Enkelsohn erst acht Jahre alt ist. Er lebt bei meiner Tochter, die sich nach langer und schwerer Auseinandersetzung vom Vater des Kindes hat scheiden lassen. Da mein Enkelkind bis zu seinem 18. Lebensjahr über das Erbe nicht selber verfügen kann, habe ich die Sorge, dass meine Tochter, die mit Geld nicht so gut umgehen kann, das Erbe nicht gut verwaltet oder für eigene Zwecke einsetzt. Ganz schlimm ist aber die Vorstellung, dass der Vater des Kindes irgend etwas mit der Verwaltung meines Erbes zu tun haben könnte. Jemand Fremden außerhalb der Familie möchte ich mit der Verwaltung des Geldes aber auch nicht betrauen. Was kann ich tun?

In Ihrem Fall ist es sicher das Einfachste und Naheliegendste, wenn Sie eine Person Ihres Vertrauens mit der Testamentsverwaltung beauftragen. In einem Testament können Sie anordnen, wer den Nachlass zugunsten Ihres Enkelkindes verwalten soll und wie lange. Voraussetzung ist aber, dass Sie eine Person benennen, der Sie dieses Vertrauen entgegenbringen. Ordnen Sie nur Testamentsvollstreckung an, ohne den Vollstrecker namentlich zu benennen, so wird dieser durch das Nachlassgericht bestimmt. Dies ist sicher keine gute Lösung.

Die Anordnung der Testamentsvollstreckung führt dazu, dass die Erben an der Verwaltung und an der Auseinandersetzung des Nachlasses gehindert sind, solange die Testamentsvollstreckung andauert. Dies hätte in Ihrem Falle den Vorteil, dass die Eltern des Kindes, denen bei gemeinsamem Sorgerecht auch die gemeinsame Vermögensfürsorge für das Kind obliegt, nicht auf den Nachlass zugreifen können.

Aber auch wenn Sie auf die Anordnung der Testamentsvollstreckung verzichten möchten, können Sie in Ihrem Testament festlegen, dass beide Eltern oder aber ein Elternteil von der Vermögenssorge ausgeschlossen wird. Die Frage stellt sich oft dann, wenn nach erfolgter Scheidung das Sorgerecht weiterhin bei beiden Elternteilen liegt, der Erblasser aber einen der beiden von der Vermögenssorge zumindest hinsichtlich des Nachlasses entbunden wissen will. Wenn beide Elternteile von der Verwaltung des Nachlasses ausgeschlossen werden sollen, kann der Erblasser einen Pfleger bestimmen, der die Verwaltung des Nachlasses für den Minderjährigen übernimmt. Wenn Sie zu dem Ergebnis gelangen sollten, dass Sie Ihrer Tochter gleichwohl die Vermögenssorge belassen und nur den Vater des Kindes ausschließen, so können Sie auch Ihrer Tochter vorschreiben, dass diese die Einkünfte des Nachlasses ausdrücklich nicht für den eigenen Unterhalt verwenden darf. Wenn Sie dies möchten, müssen Sie allerdings eine entsprechende Klausel in Ihr Testament mit aufnehmen, da Ihre Tochter im anderen Fall dazu berechtigt wäre. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

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