RECHTS Frage : an Ulrich Schellenberg Rechtsanwalt und Notar

Wie kann ich das Erbe schützen?

an Ulrich Schellenberg

Mein Sohn und ich liegen über Kreuz. Statt zu studieren, gammelt er nur herum. Seine Freunde wollen nur Geld von ihm. Ich habe Angst, dass er das Erbe, wenn ich eines Tages sterbe, schnell durchbringt. Was kann ich tun, um ihn vor sich selbst zu schützen?

Falls Ihr Sohn Sie im Falle Ihres Todes beerbt und keine anderweitigen Anordnungen bestehen, kann Ihr Sohn – und ich unterstelle einmal, er ist Alleinerbe – unbegrenzt über das Erbe verfügen. Ihre Sorge, dass er das Geld schnell durchbringt, könnte also begründet sein. Wollen Sie dagegen etwas unternehmen, dann müssen Sie zu allererst Ihren letzten Willen in Form eines Testaments niederlegen. Da Sie Ihrem Sohn das Erbe zuwenden wollen, ihn aber vor sich selbst – und insbesondere vor seinen jetzigen oder zukünftigen Gläubigern – schützen wollen, können Sie die Verfügungsmacht Ihres Sohnes durch die Anordnung einer Testamentsvollstreckung beschränken.

Dieser Testamentsvollstrecker – das kann eine Ihnen vertraute Person sein oder auch ein Rechtsanwalt oder Steuerberater – verwaltet dann anstelle Ihres Sohnes den Nachlass. In einem solchen Testament können Sie regeln, dass Ihr Sohn die Erträge aus dem Nachlass entweder nur für bestimmte Zwecke verwenden darf oder die Erträge nur in einer bestimmten Höhe an ihn ausgezahlt werden dürfen. Der Vollstrecker hat die Aufgabe, diese Beschränkungen zu beachten, und wickelt also damit Ihren letzten Willen ab.

Ist der Nachlass durch die Anordnung der Testamentsvollstreckung beschränkt, dann können Gläubiger Ihres Sohnes auf einzelne Vermögensgegenstände, die in den Nachlass fallen, nicht zugreifen. Der Nachlass steht allerdings zur Befriedigung der Nachlassgläubiger, das sind diejenigen, die noch zu Ihren Lebzeiten Ansprüche gegen Sie erworben haben, zur Verfügung, aber eben nicht für die Gläubiger Ihres Sohnes. Möglich ist in diesem Fall aber immer noch, dass die Gläubiger Ihres Sohnes den Erbteil als Ganzes pfänden. In diesem Falle erlangen die Gläubiger aber nicht mehr Rechte als diejenigen, die Sie Ihrem Sohn als Erben eingeräumt haben.

Daher ist es wichtig, die Testamentsvollstreckung ausdrücklich als Dauertestamentsvollstreckung anzuordnen. Dies bedeutet, dass die Testamentsvollstreckung nicht mit Auseinandersetzung des Nachlasses endet, sondern auf eine bestimmte Dauer angeordnet wird. Das können auch 30 Jahre sein.

Um sicherzustellen, dass Ihr Sohn während der Dauer der Testamentsvollstreckung nur diejenigen Mittel erhält, die Sie ihm auch tatsächlich zuwenden wollen, müssen Sie den Testamentsvollstrecker in Ihrem Testament genau anweisen. Ich empfehle Ihnen, die Person des Vollstreckers bereits namentlich im Testament zu benennen und dies nicht dem Nachlassgericht zu überlassen. Da die Regelungen in Ihrem Fall sehr genau sein müssen, rate ich Ihnen, einen Anwalt oder Notar mit der Aufsetzung des Testaments zu beauftragen. Foto: K. Kleist-Heinrich

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