RECHTS Frage : an Ulrich Schellenberg Rechtsanwalt und Notar

Beerbe ich meine Stiefmutter?

an Ulrich Schellenberg

Kürzlich ist meine Stiefmutter gestorben. Wir standen uns nicht sehr nahe. Sie hat drei eigene Kinder aus der Ehe mit meinem Vater. Ich stamme aus der ersten Ehe meines Vaters, der bereits früher verstorben ist. Die drei Kinder aus der zweiten Ehe meines Vaters haben das Haus, in dem meine Stiefmutter vor Unterbringung im Heim gelebt hat, in der Zwischenzeit verkauft und das Geld auf ein gemeinsames Konto gelegt. Ich traue den dreien nicht über den Weg und habe jetzt Sorge, dass das Erbe meiner Stiefmutter nur noch aus Schulden besteht, für die ich nicht mithaften möchte.

Zunächst ist zu klären, ob Sie tatsächlich nach dem Tod Ihrer Stiefmutter als Erbe berufen sind. Dies wäre nur dann der Fall, wenn entweder zu Lebzeiten Ihres Vaters ein gemeinschaftliches Ehegattentestament errichtet worden wäre, das Sie auch als Schlusserbe nach Ihrer Stiefmutter vorgesehen hat oder aber Ihre Stiefmutter ein eigenes Testament auch zu Ihren Gunsten errichtet hat. Fehlt es an einem solchen Testament, dann richtet sich die Erbfolge nach den gesetzlichen Regelungen. Danach wird ein Verstorbener durch seine Abkömmlinge beerbt. Dies bedeutet, dass – ohne Testament – nur die drei leiblichen Kinder als Erben nach ihrer Mutter berufen sind und Ihnen kein eigenes gesetzliches Erbrecht nach Ihrer Stiefmutter zusteht. Anders wäre dies nur dann, wenn Sie an Kindes statt angenommen worden wären.

Über die Verbindlichkeiten müssen Sie sich also nur dann Sorgen machen, wenn Sie tatsächlich auch als Erbe berufen sind. In diesem Fall stehen Ihnen Auskunftsansprüche gegen diejenigen zu, die die Erbschaft nach Ihrer Stiefmutter in Besitz genommen haben. Aufgrund dieser Auskunftsansprüche können Sie den Wert des Nachlasses ermitteln. Sollten Sie den Nachlass nicht innerhalb einer Frist von sechs Wochen nach Kenntnis über den Erbfall ausgeschlagen haben, so verbleibt Ihnen im Falle der Überschuldung des Nachlasses noch die Möglichkeit eines Nachlasskonkurses und der Einrede der Dürftigkeit des Nachlasses. In diesen Fällen sollten Sie aber, um Rechtsnachteile zu vermeiden, einen Rechtsanwalt befragen. Foto: Mike Wolff

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben