RECHTS Frage : an Wolfgang Wawro Steuerberater

PKV-Beiträge voll absetzen?

an Wolfgang Wawro

Ich bin privat krankenversichert. Jetzt habe ich gelesen, dass ich meine Beiträge von der Steuer absetzen kann. Stimmt das?

Beiträge zu Krankenversicherungen gehören zu den Vorsorgeaufwendungen und sind steuerlich als Sonderausgaben absetzbar. Allerdings nur im Rahmen bestimmter Höchstbeträge.

Unter die Höchstbeträge fallen beispielsweise auch Beiträge zu Haftpflicht- oder Unfallversicherungen. Deshalb ergibt sich häufig nur ein teilweiser Abzug der Beitragsaufwendungen. Nach Paragraf 10 Absatz 4 Einkommensteuergesetz können solche Aufwendungen nur bis 2400 Euro jährlich abgezogen werden. Bei Anspruch auf Arbeitgeberzuschüsse zur Krankenversicherung oder beispielsweise Beihilfeleistungen reduziert sich der Abzug auf einen Höchstbetrag von 1500 Euro jährlich. Zusammen veranlagte Eheleute erhalten jeder ihren entsprechenden Höchstbetrag.

Für den vollen Abzug von Krankenversicherungsbeiträgen lassen die Höchstbeträge meist keinen Raum. Ein privat versicherter Selbständiger mit sechs Kindern hatte etwa 18 000 Euro im Jahr für Kranken- und Pflegeversicherung für seine Familie aufzuwenden. Der Abzug war durch die Höchstbeträge stark eingeschränkt. Das Bundesverfassungsgericht hielt das nicht für angemessen, denn eine Grundversicherung gegen Krankheit und Pflegebedürftigkeit zählt zum Existenzminimum. Gemäß Beschluss vom 13. Februar 2008 (Aktenzeichen 2 BvL 1/06) muss ab 2010 der Beitrag für eine Grundsicherung uneingeschränkt steuerfrei bleiben. Bis dahin gilt weiterhin das Recht mit der eingeschränkten Abzugsfähigkeit.

Zukünftig aber wird auch nicht jeder Kassenbeitrag steuerlich akzeptiert, sondern nur ein quasi „Sozialbeitrag“ abziehbar. Ein höherer Schutz als das Niveau der Sozialhilfe müsse nicht zum uneingeschränkten Abzug zugelassen werden. Die Beiträge für Kinder, die heute keine besondere Berücksichtigung erfahren, müssen dann aber steuerlich wirksam werden.

Die Steuerbürger müssen also im Interesse des Bundeshaushaltes noch fast drei Jahre warten, bis sie günstigere Abzugsbedingungen erfahren werden. Bis dahin tüfteln erst einmal die Haushaltsexperten, wie die Staatskasse belastet wird; mit etwa neun bis 13 Milliarden Euro ist nach ersten Kalkulationen zu rechnen.Foto: Thilo Rückeis

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