RECHTS Frage : Wann gibt es mehr Rente?

Nachgefragt bei Stefan Braatz, Deutsche Rentenversicherung Bund

an Stefan Braatz

Am 1. Juli haben wir Rentner ja eine kleine Rentenerhöhung bekommen. Ich möchte gern wissen, wie die Renten überhaupt angepasst werden. Hat das mit der Inflation zu tun? Oder mit den Tarifabschlüssen?

Die Anpassung der Renten erfolgt nach einem gesetzlich geregelten Verfahren zum 1. Juli eines Jahres. Technisch gesehen werden hierbei nicht etwa die bislang gezahlten Rentenbeträge um einen bestimmten Prozentsatz erhöht. Vielmehr wird der sogenannte aktuelle Rentenwert, der Bestandteil jeder Rentenberechnung ist, in der Rentenformel „ausgetauscht“. Dieser aktuelle Rentenwert betrug bis zum 30. Juni in den alten Bundesländern 26,27 Euro und in den neuen Bundesländern 23,09 Euro. Seit dem 1. Juli lauten die Werte 26,56 Euro (West) und 23,34 Euro (Ost). Dies entspricht einer Erhöhung um jeweils 1,1 Prozent.

Der grundlegende Gedanke ist, dass Beschäftigte und Rentner vergleichbar behandelt werden sollen. Vorrangig orientiert sich die Rentenanpassung daher daran, wie sich die Löhne und Gehälter entwickeln. Das notwendige Datenmaterial stammt aus den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sowie aus der Versichertenstatistik der Deutschen Rentenversicherung. Gleicht die Lohnentwicklung ein steigendes Preisniveau aus, sind Arbeitnehmer und Rentner gleichermaßen vor „Inflation“ geschützt.

Zwei Überlegungen haben den Gesetzgeber aber dazu veranlasst, die Rentenanpassung nicht nur an der Lohnsteigerung zu orientieren. Zum einen können Arbeitnehmer von einem Lohnanstieg dann nicht voll profitieren, wenn gleichzeitig die Beiträge zur Rentenversicherung steigen oder sie einen größeren Teil ihres Einkommens für die Riester-Rente aufwenden müssen. Für die Riester-Rente hat der Gesetzgeber eine steigende Förderung und damit eine steigende Belastung aller Beschäftigten für die Zukunft festgelegt („Riester-Treppe“). Dies unabhängig davon, in welchem Umfang die Arbeitnehmer Riester tatsächlich nutzen. Zugunsten einer höheren Rentenanpassung wurde der Anstieg der „Riester-Treppe“ jedoch aktuell verschoben.

Zum anderen verschiebt sich durch die demografische und konjunkturelle Entwicklung stetig das Verhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahlern. Diesem Einfluss auf die Rentenfinanzen trägt der Nachhaltigkeitsfaktor Rechnung. Durch die wirtschaftliche Entwicklung wirkte der Nachhaltigkeitsfaktor bei der Rentenanpassung auch in diesem Jahr positiv auf die Höhe der Anpassung. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden dagegen vom Nachhaltigkeitsfaktor längerfristig eher dämpfende Wirkungen ausgehen.

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