Verbraucher : Reiner Zufall

Dagny Lüdemann

DAS TESTURTEIL 3 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Ich bekleckere mich im Schnitt einmal am Tag. Mal drei Tage gar nicht, mal dreimal am Tag – je nachdem. Meistens ist es Kaffee, den ich mir übers Hemd schütte, gerne auch Olivenöl oder Tomatensauce und jetzt im Sommer kleckere ich auch häufiger beim Eisessen.

Woher ich meine Kleckergewohnheiten so genau kenne? Ich habe einen Monat lang den Ariel Pocket getestet, einen Anti-Flecken-Stift für unterwegs. Ariel Pocket sieht aus wie ein dicker Tinten- Killer und kostet 3,99 Euro. Mit ihm soll man einfach und schnell frische Speiseflecken entfernen können, heißt es in der Werbung, so dass man nie wieder bekleckert zum Date oder zum Bewerbungsgespräch gehen muss. Einfach auf dem Fleck herummalen, ein bisschen drücken und reiben, mit einem Tuch nachwischen und schon ist alles wieder sauber. „Der perfekte Partner für das moderne chaotische Leben“, schreibt Hersteller Procter & Gamble.

Der Haken an der Sache ist nur, dass dieser Partner häufig nicht für einen da ist, wenn es drauf ankommt: Ich hatte meinen Fleckenstift jedenfalls in der Hälfte aller Kleckerfälle nicht dabei: Dann lag Ariel Pocket nutzlos zu Hause rum – in der Sporttasche mit dem Schwimmzeug, im Auto auf der Mittelkonsole oder am Grund der Handtasche, die ich am Vorabend zum Ausgehen mitgenommen hatte.

Hatte ich das Glück den Fleckenstift dabeizuhaben, gab es das nächste Problem: Ariel Pocket ist „nicht geeignet für Seide und chemisch zu reinigende Textilien“, wird auf der Verpackung gewarnt. Von den 50 Prozent der Fälle, in denen ich mich bekleckert und den Zauberstift dabei hatte, konnte ich ihn also etwa jedes dritte Mal gar nicht einsetzen – aus Angst vor verätzten oder entfärbten Stoffen. Wollte der Zufall es nun, dass ich mich bekleckert, den Stift dabei und ein Baumwollhemd an hatte – stand ich vor dem nächsten Problem: „Ariel Pocket funktioniert weniger gut bei Fettflecken.“ Das steht auf der Packung und stimmt auch. Olivenöl? Tomatensauce? Eiscreme? Ging alles nicht raus.

Am Ende gab es in dem Monat, den ich mit dem perfekten Partner verbrachte, drei Situationen, in denen er mir geholfen hat. Jedes Mal waren es Kaffeeflecken, die sich mit Hilfe von Ariel Pocket so gut in den Fasern der Baumwolle verteilen ließen, dass sie unsichtbar wurden. Auf weißer Baumwolle blieb allerdings ein bräunlicher Schatten zurück. Ob ich mit oder ohne Fleck unterwegs war, blieb also auch mit Ariel Pocket reiner Zufall.

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