Verbraucher : Rendite mit Riester

Versicherer erleben eine rege Nachfrage nach der privaten Zusatzrente. Für Männer wird es 2006 teurer

Heike Jahberg

Eines ist klar: Eine Pflicht zur Riester-Rente wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Das haben die Koalitionäre von Union und SPD beschlossen. Erst 2007 soll die Frage, ob jeder Mensch einen Riester-Vertrag abschließen muss, wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden. Statt der Peitsche gibt es Zuckerbrot: Riester-Sparer, die im Jahr 2008 oder später Nachwuchs in die Welt setzen, sollen mit einem Kinderzuschuss von 300 Euro belohnt werden. Eltern mit älteren Kindern müssen dagegen mit 185 Euro vorlieb nehmen.

Ob 300 Euro oder 185 Euro, „ein Riester-Vertrag ist unverzichtbar“, sagt Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv). Die staatlichen Zulagen und die Steuererleichterungen machen das „Riestern“ unschlagbar attraktiv. Allein die Steuerfreiheit der eingezahlten Beiträge bringt einem Single, der im Jahr 52500 Euro brutto verdient und erst mit 50 einen Riester-Vertrag schließt, sechs Prozent Rendite – selbst wenn die eigentliche Anlage überhaupt keinen Gewinn abwirft. Dabei ist gesetzlich garantiert, dass man am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge wieder herausbekommt.

Die Versicherer haben dieses Jahr zum Riester-Jahr erklärt – mit Erfolg. 90000 neue Verträge hat die Allianz Lebensversicherung bis Ende Oktober bereits abgeschlossen, sieben Mal so viel wie im Vorjahr, berichtet Allianz-Sprecher Timo Scheil. Von der Konkurrenz kommen ähnliche Erfolgsmeldungen. Der Grund: Vom kommenden Jahr an sind die Versicherer verpflichtet, bei neuen Verträgen Unisex-Tarife – gleiche Prämien für Männer und Frauen – anzubieten. Bisher zahlen Männer rund zehn bis 15 Prozent niedrigere Beiträge, weil sie statistisch gesehen eine kürzere Lebenserwartung haben als Frauen. Ob im kommenden Jahr die Beiträge für Männer steigen oder für Frauen sinken, ist noch unklar.

Die meisten Menschen, die sich für eine Riester-Anlage entscheiden, greifen zu einer Rentenversicherung – zu Unrecht, wie Verbraucherschützer warnen. Die Stiftung Warentest hat jetzt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ die verschiedenen Durchführungswege getestet und die besten Angebote ermittelt. Ihr Fazit: Jüngere Sparer sollten wegen der höheren Renditechancen bevorzugt ihr Geld in einen Investmentfonds stecken (Fondssparplan). Ältere sind bei einem Banksparplan besser aufgehoben, weil die Kosten geringer sind.

BANKSPARPLAN

Riester-Banksparpläne sind verlässlich, flexibel und eignen sich vor allem für ältere Sparer. Aber: Berliner und Brandenburger finden vor Ort keinen einzigen Anbieter. Sie müssen sich an ortsfremde Institute wenden. Banksparpläne gibt es ausschließlich bei Sparkassen und Volksbanken. Dabei ist das Angebot der Volksbanken für die Kunden transparenter, weil sie die Verzinsung an die Umlaufrendite koppeln. Diese bildet das Zinsniveau öffentlicher Anleihen ab. Sparkassen arbeiten dagegen oft mit Zinstreppen und Bonussystemen, die langjährige Sparer belohnen. Für Privatleute ist die Rendite kaum kalkulierbar.

Die besten Angebote: Jüngeren Sparern empfiehlt die Stiftung Warentest die Sparpläne der Sparkasse Gelsenkirchen (Renditeerwartung nach 15 Jahren: 3,95 Prozent) und Günzburg-Krumbach, ältere Anleger sind bei der Landsparkasse Schenefeld (Renditeerwartung nach 15 Jahren: 3,86 Prozent) und der Mainzer Volksbank (Kopplung an die Umlaufrendite, aktueller Zins: 2,55 Prozent) gut aufgehoben.

FONDSSPARPLÄNE

Die besten Fondssparpläne bringen zweistellige Jahresrenditen, doppelt so viel wie Banksparpläne oder Rentenpolicen. Allerdings gibt es Riesenunterschiede zwischen den verschiedenen Gesellschaften. Die Stiftung Warentest empfiehlt die Investmentfonds von Union (Uni-Profirente), DWS (DWS-Toprente Dynamik) und Hansainvest .

RENTENVERSICHERUNGEN

Eine klassische Rentenversicherung ist nach Meinung der Tester nur sinnvoll, wenn man mindestens 30, eher 40 Jahre alt ist. Sechs Anbieter seien empfehlenswert: Concordia, Cosmos-Direkt, DBV-Winterthur, Oeco Capital, Debeka und Huk-Coburg .

Eine ausführliche Übersicht finden Sie in „Finanztest“ 12/2005

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