Risiko im Kinderzimmer : In vielen Spielzeugen lauern Gefahren

In einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung der Stiftung Warentest erhielt jedes sechste Spielzeug die Note mangelhaft. Denn trotz einer neuen EU-Richtlinie enthalten viele Spielzeuge immer noch schädliche Substanzen.

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Hoher Kuschelfaktor. Doch Vorsicht: Auch bei sehr flauschigen Tierchen sollten Eltern und Kinder auf der Hut sein.
Hoher Kuschelfaktor. Doch Vorsicht: Auch bei sehr flauschigen Tierchen sollten Eltern und Kinder auf der Hut sein.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Freude der Kleinen ist riesig, wenn es zu Weihnachten die süße Puppe gibt oder die lang ersehnte Modelleisenbahn. Wer denkt da schon an Gefahren? Tatsächlich aber ist es für Eltern schwer, das richtige Geschenk auszusuchen, verstecken sich doch selbst hinter Markenprodukten oft Risiken. In einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung der Stiftung Warentest erhielt jedes sechste Spielzeug die Note mangelhaft. Neben den unmittelbaren Sicherheitsproblemen wie verschluckbaren Kleinteilen oder der Strangulationsgefahr fielen bei dem Test insbesondere gesundheitsgefährdende Schadstoffe auf. Aromatische Kohlenwasser-, allergene Duftstoffe, Schwermetalle und noch einiges mehr fanden die Tester.

Ergebnisse, die Andreas Luch kaum noch verblüffen. Der Abteilungsleiter für Produktsicherheit beim Bundesinstitut für Risikobewertung weiß um die Probleme im Spielwarenbetrieb. „Es handelt sich um einen Bereich, der durch einen extrem großen Anteil an Importware geprägt ist. Daher muss man damit rechnen, dass bestimmte Grenzwerte nicht immer eingehalten sind“, sagt er. Gut 60 Prozent der in Deutschland verkauften Spielzeuge stammen aus China, wo sie günstig produziert und eben auch mit billigen und schädlichen Inhaltsstoffen versehen werden. Aber auch bei deutscher Ware hat die Stiftung Warentest Mängel ausgemacht – etwa bei einem Traktor mit Pferdeanhänger der Firma Ostheimer, die sonst bei Spielzeugtests eher gut abschneidet. Dass es nun Beanstandungen gab, empfindet Geschäftsführer Wolfgang Schühle als „peinlich“. Sofort hat er sich an die Händler gewandt und entsprechende Warnhinweise auf seiner Homepage veröffentlicht.

Eigentlich sollte Schühles Firma ein solcher Fauxpas nicht passieren. Seit die neue EU-Spielzeugrichtlinie gilt, beobachtet sein Unternehmen die einzelnen Prozesse bei der Herstellung noch genauer. Dazu gehört eine umfassende Dokumentation, „von der ersten Idee bis ins Kinderzimmer“ soll alles nachvollziehbar sein, sagt Schühle.

Im Juli ist das 130 Seiten umfassende Papier der Europäischen Union in Kraft getreten – es regelt, wie Spielzeuge beschaffen sein dürfen. Vor allem die Grenzwerte für bestimmte Inhaltsstoffe sind im Vergleich zur vorherigen Vorschrift gesenkt worden. Für Erik Schweickert, den verbraucherpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagfraktion, war das „ein Schritt in die richtige Richtung, aber das reicht uns noch nicht.“ Schweickert fordert wie das Wirtschaftsministerium unabhängige Prüfungen, eine Art Tüv für Spielwaren, sowie eine drastische Reduzierung beziehungsweise das Verbot gesundheitsgefährdender Substanzen.

Schon Ende 2010 war die Entrüstung in der Politik und bei Eltern groß, nachdem die Stiftung Warentest bei zwei Dritteln der von ihr geprüften Produkte erhebliche Belastungen mit Schadstoffen festgestellt hatte. Nun, ein Jahr später, gibt es noch immer Stoffe, bei denen die Grenzwerte für Autoreifen oder Lebensmittelverpackungen strenger sind als bei der Verarbeitung im Spielzeug. Und was auch zu denken gibt: Im Jahr 2010 machten Spielwaren ein Viertel aller Rückrufe in Deutschland aus.

Das ist beunruhigend. Denn der Verkauf von Spielwaren ist ein Massengeschäft. Nach einer Prognose des Spielwareneinzelhandels wird der Umsatz mit Spielzeugen in diesem Jahr bundesweit auf 2,6 Milliarden Euro steigen – damit wird er drei Prozent über dem Vorjahr liegen. Darüber hinaus bereiten Puppen, Autos, Bauklötze und Modelleisenbahnen nicht nur Spaß, sondern haben ebenso einen pädagogischen Nutzen. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Jochen Homann, sagte bei einem Fachgespräch im Wirtschaftsministerium in der zurückliegenden Woche: „Für die Entwicklung unserer Kinder ist der Umgang mit Spielzeug besonders wichtig, weil er entscheidend die Persönlichkeit prägt.“

Problematisch für Kinder sind vor allem krebserregende Stoffe, allergene Duftstoffe und Schwermetalle. Eine akute Gefahr stellen die Substanzen zwar nicht dar, jedoch können sie langfristig zum Risiko werden. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (Pak) beispielsweise: Einige von ihnen haben in Tierversuchen Krebs ausgelöst. In den jetzt überprüften Spielwaren wurden sie dennoch nachgewiesen. In Panik müssen Eltern deswegen nicht verfallen, sie müssten die Lieblinge ihrer Kinder nicht allesamt in die Mülltonne werfen, sagt Andreas Luch vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Ein bisschen Vorsicht beim Kauf von Weihnachtsgeschenken für die Kleinsten sei aber angebracht.

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