Roaming : Preiswert verbunden

Mit dem Handy im Ausland telefonieren ist in vielen Ländern deutlich günstiger geworden.

Corinna Visser

Im Ausland mobil telefonieren kostet nicht mehr die Welt. Nach der Intervention der EU im vergangenen Jahr sind die Preise drastisch gesunken – jedenfalls wenn man seinen Urlaub in einem Mitgliedsland der Europäischen Union verbringt. Den Politikern waren die hohen Preise für das Roaming ein Ärgernis, weswegen sie einfach Preisobergrenzen für das Telefonieren innerhalb der EU festlegten: 58 Cent pro Minute für abgehende Gespräche und 28 Cent für ankommende. Ende August dieses Jahres sollen die Preise erneut um einige Cent sinken.

Roaming – Herumwandern – ist der Fachbegriff für die Möglichkeit, sich im Ausland in ein fremdes Netz einwählen zu können. Abgerechnet werden die Gespräche über den eigenen Mobilfunkanbieter. Grundsätzlich gilt, dass man im Ausland auch für ankommende Gespräche etwas bezahlen muss. Denn der Anrufer kann ja nicht wissen, wo man sich gerade aufhält. Daher zahlt er immer nur den Preis innerhalb der deutschen Grenzen. Die Weiterleitung ins Ausland zahlt der Angerufene. Das gilt auch, wenn ein Anruf auf der Mailbox landet. Deswegen raten Verbraucherschützer, die Mailbox vor Reiseantritt auszuschalten, um unnötige Kosten zu vermeiden.

Für Telefonate in den EU-Ländern gelten zwar nun die Preisobergrenzen. Für Telefonate in den übrigen Ländern hat sich die Tarifvielfalt aber kaum reduziert. Bei Vodafone gibt es neben dem Tarif für die EU-Länder noch vier weitere Tarifzonen, die übrigen Netzbetreiber teilen die Welt in immerhin drei Tarifzonen auf. In der Tabelle unten finden Sie die Tarife für einige ausgewählte Urlaubsländer. Die Preise gelten jeweils für Vertragskunden.

„Welcher der günstigste Handytarif für den Auslandsurlaub ist, hängt vom persönlichen Telefonierverhalten und dem Reiseland ab“, sagt Björn Brodersen vom Internetportal Teltarif. „Urlauber sollten sich deshalb vor der Reise informieren, welche Preise im Ausland gelten und ob diese durch die Buchung einer Tarifoption gesenkt werden können.“ Neben den Standardtarifen bieten die Netzbetreiber nämlich auch andere Tarife an, die auf Wunsch hinzugebucht werden können. Mit diesen Optionstarifen (siehe Kasten) kann man die Kosten für eingehende und abgehende Telefonate in einigen Ländern senken – das muss aber nicht in jedem Fall gelten.

„Bei den Auslandsoptionen fallen teilweise zusätzlich zum Minutenpreis einmalige Verbindungsentgelte oder Grundgebühren an“, sagt Brodersen. „Günstigere Minutenpreise schlagen deshalb oft erst ab einer gewissen Gesprächslänge oder -anzahl zu Buche.“ Beim grundgebührfreien „Reiseversprechen“ von Vodafone etwa zahlen Kunden, wenn sie im Ausland angerufen werden, für eine Stunde nur 75 Cent. Erst danach entstehen zusätzliche Kosten. Die Option „My- Europe-Top“ von O2 bietet für einen Preis von acht Euro 100 Minuten für eingehende Gespräche inklusive – das ist bei voller Ausschöpfung ein rechnerischer Minutenpreis von acht Cent. Allerdings: Wer nur kurze Gespräche führt oder wenig telefoniert, kann sogar draufzahlen.

Richtig teuer kann es werden, wenn man im Ausland unerlaubt beim Autofahren telefoniert. Bis zu 594 Euro Strafe sind etwa in Italien möglich. Das Urlaubsland hat die maximale Geldbuße vergangenes Jahr drastisch erhöht – und ist damit Spitzenreiter in Europa, berichtet der Hightech-Verband Bitkom. In Deutschland fällt die Strafe mit 40 Euro vergleichsweise gering aus. Weniger streng wird die Handy-Nutzung am Steuer nur in Frankreich (ab 35 Euro) und einzelnen osteuropäischen Ländern geahndet. In den Niederlanden dagegen werden laut Bitkom 150 Euro fällig, in der Schweiz 62 und in Österreich immerhin noch 50 Euro. Mit dem Einbau einer Freisprecheinrichtung kann man diese Strafen nicht nur vermeiden, sondern auch sicherer ans Ziel kommen. Ansonsten gilt: Wenn das Handy während der Fahrt klingelt, lieber den Beifahrer antworten lassen.

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