Verbraucher : Rollendes Grillgut

Henrik Mortsiefer

Das Testurteil: 8 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet einen Einweg-Grill

Grillen ist nicht lustig. Grillen ist Stress. Wenn man heutzutage grillt, setzt man sich gleich einem Hochleistungswettbewerb aus. Man steht unter Beobachtung und unter Erwartungsdruck. Der Grund: Die Zubereitung von Fleischwaren, Fisch oder Gemüse über glühenden Kohlen ist keine Privatsache mehr. Auf Wiesen, in Parks oder an Flussufern – kaum eine Freifläche dieser Stadt, auf der Grillende nicht an Sommerabenden ihre öffentliche Materialschlacht austragen. Ob Kugel-, Rund-, Stand- oder Bodengrill – die Modellvielfalt vergrößert sich mit jedem warmen Wochenende und heizt den Konkurrenzkampf buchstäblich an. Und über den Schlachtfeldern liegt beißender Rauch…

Da machen wir nicht mit, dachten wir uns. Wir wollen es einfacher haben. Sauberer. Schneller. Im Supermarkt wurden wir fündig: Kaum größer als ein Telefonbuch, kohlenstaubfrei verpackt und sagenhaft preiswert (1,99 Euro) bot uns ein Einweg-Grill die perfekte Alternative zum Edelstahlwahnsinn der Hochleistungsfraktion. Okay, für uns halbwegs umweltbewusste Menschen würde der anfallende Alu-Müll (bei der Herstellung von Aluminium wird drei Mal so viel Energie benötigt wie bei Stahl) eine Zumutung sein. Aber erst kommt die Bratwurst – und dann die Moral…

Zu Testzwecken begleiteten uns das handliche Wegwerfprodukt und eine Zehnerpackung Thüringer auf eine Party. Auf dem Balkon des Gastgebers fand der kleine Grill problemlos Platz. Die flache Aluschale, die von einem Grillrost verschlossen wird, ist mit Kohle und Anzünder bereits gefüllt. Ein mit Brennstoff getränkter Bogen Papier, der den Kohlen beiliegt, muss nur angezündet werden. In Kürze steht alles in Flammen und nach einer guten Viertelstunde glühen die Kohlen. Perfekt.

Beim Auflegen des Grillgutes allerdings zeigt das Produkt eine Schwäche. Da sich der eingelassene Rost über der Glut nach außen wölbt und die Schale keinen Rand hat, drohen die Würste vom Grill zu rollen. Und: Lange Würste sind nichts für den schmalen Rost, weil deren Enden keine Glut abbekommen. Halbiert und unter ständiger Aufsicht machten die Thüringer dann aber doch bald eine gute – sprich: knusprig-braune – Figur.

Großer Pluspunkt des Einweggrillens: Die Partygäste reagieren entzückt auf die plötzlich verströmten Düfte und Wildfremde kommen sich bei der Kontrolle des rollenden Grillgutes wie von selbst näher. Singles sollten wenigstens ein Exemplar im Küchenschrank vorrätig haben, um bei Bedarf spontan gesellig werden zu können. Aber Vorsicht: Der Einmal-Grill wird höllisch heiß! Mahlzeit!

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