Verbraucher : Saftige Täuschung

Fast immer wurden Keime festgestellt – die Haltbarkeitsdauer ist kürzer als angegeben

Caroline von La Rosée

Die Bezeichnung „Delikatess Kochhinterschinken“ klingt verheißungsvoll. Ähnlich Gutes lassen die häufig verwendeten Zusatzbezeichnungen „Premium“ oder „Spitzenqualität“ vermuten.

Doch wie gut die Qualität von Kochschinken, der klassischerweise aus der muskulösen Hinterkeule von Schweinen hergestellt wird, tatsächlich ist, hat die Stiftung Warentest jetzt geprüft. Dafür hat sie 25 abgepackte Kochschinken untersucht und verglichen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur ein Schinken, der „Delikatess Kochhinterschinken“ von Plus, wurde mit einem „Gut“ ausgezeichnet. Die drei Anbieter Schröder’s Bioland, Weight Watchers und Netto hatten sogar mangelhafte Produkte in ihrem Sortiment. Die restlichen Kochschinken wurden von den Testern lediglich als „mittelmäßig“ beurteilt.

Hauptkritikpunkt der Stiftung Warentest war die hohe Keimzahl in den Schinken. Grund für die Entstehung der Keime sei nicht nur eine falsche Lagerung oder eine mangelhafte Kühlung, sondern vor allem auch eine zu lange Aufbewahrungsdauer. Dabei sei Kochschinken kein Vorratsprodukt, betonen die Tester. Mindesthaltbarkeitsdaten von bis zu 33 Tagen, wie sie auf den Packungen versprochen werden, seien faktisch kaum zu garantieren. Doch die Branche halte weiter an dieser Angabe fest. Die Folge sei, dass vor allem gegen Ende des festgestellten Haltbarkeitszeitraums verstärkt Verderbniskeime wie Milchsäurebakterien auftreten. Das gelte sogar für den Testsieger- Schinken von Plus.

Beim Schinken von Netto wurden darüber hinaus auch noch Listerien gefunden, eine Bakterienart, die bei Babys, Schwangeren und alten Menschen Erkrankungen auslösen kann. Diese gelangen bei schlechter Hygiene während der Verarbeitung in das Fleisch. Damit sei der Schinken von Netto klarer Testverlierer.

Ob das tatsächliche Haltbarkeitsdatum überschritten sei, könne man aber schon beim Öffnen der Packung erkennen, sagen die Tester. Rieche der Schinken sauer und dumpf, sei das kein gutes Zeichen. Genau das war allerdings in sieben Testfällen festgestellt worden.

Dagegen sei die Fleischqualität bei vielen der Testschinken besonders gut. Unter den untersuchten Schinken fanden die Tester auch kein Formfleisch, das aus ganz kleinen Stücken zusammengepresst wird. Die Hersteller verwendeten heute zwar nicht mehr den ganzen Hinterschinken am Stück, dafür aber immerhin faustgroße Einzelteile.

In einem zweiten Test hat sich die Stiftung Warentest mit der sozialen und ökologischen Verantwortung, der Corporate Social Responsibility (CSR) von den 18 Kochschinken-Anbietern auseinandergesetzt. Die Untersuchung ergab, dass sich lediglich die Bioanbieter und Edeka stark für Tiere und Umwelt engagieren.

Insgesamt könne nur bei den wenigsten Schinkenanbietern und -herstellern die gesamte Lieferkette zurückverfolgt werden. So nähmen beispielsweise nur die Bioanbieter bis hin zur tiergerechten Aufzucht der Schweine Einfluss auf die Lieferkette. Der Großteil der Anbieter halte sich bei seinem Engagement lediglich an die gesetzlichen Vorgaben. Das gelte auch für das soziale Engagement – die Verantwortung für andere Beteiligte in der Herstellung.

Laut Testergebnis ist Edeka der einzige konventionelle Anbieter von Kochschinken, der in diesem Bereich hohes Engagement zeigt. Das liege allerdings vor allem an seinem Hersteller Bauerngut, der seine Produktion sehr streng kontrolliere.

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