Verbraucher : Schenken statt Vererben kann sich lohnen

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FREIBETRAG MEHRFACH NUTZEN

Wer möchte, dass seine Erben Steuerfreibeträge optimal nutzen können, sollte sie nicht erst im Testament bedenken. Zwar sind Erbschaft- und Schenkungsteuersätze gleich hoch. „Bei Schenkungen kann der Steuerfreibetrag aber alle zehn Jahre neu beansprucht werden“, sagt Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg. Wer sein Vermögen frühzeitig und über mehrere Dekaden verteilt überträgt, nutzt die Freibeträge mehrfach. Das spielt nicht so sehr für die – im europäischen Vergleich hohen – Freibeträge von Ehepartnern und Kindern eine Rolle. Wer aber beispielsweise dem Lebensgefährten oder dessen Kind größere Werte zukommen lassen möchte, reizt deren Freibetrag schnell aus.

Nicht möglich sind so genannte Kettenschenkungen, um die Steuer zu umgehen. Hat also ein Partner den Freibetrag seiner Lebensgefährtin von 5200 Euro schon ausgeschöpft und schenkt deshalb deren Tochter 20000 Euro, die sie gleich an die Mutter weiterreichen soll, ist Schenkungsteuer fällig.

GELEGENHEITSGESCHENK

Völlig steuerfrei sind so genannte Gelegenheitsgeschenke, wie sie zur Hochzeit, zu Weihnachten oder zum Geburtstag gemacht werden. Wer aber ein solches Fest zum Anlass nimmt, etwa ein Aktienpaket im Wert von 100 000 Euro zu verschenken, kann Probleme mit dem Fiskus bekommen. Denn die Zuwendung muss im üblichen Rahmen liegen.

Wertvolle Geschenke können zudem nach dem Tod des Erblassers für Konflikte sorgen. Bekommt zum Beispiel die Tochter von ihrer sehr gut situierten Mutter zur Hochzeit Schmuck im Wert von 50 000 Euro, könnten ihre Geschwister später versuchen, dieses Geschenk auf den Erbteil anzurechnen. „Macht die Mutter die Zuwendung tatsächlich nur aus steuerlichen Gründen, sollten sie und ihre Tochter schriftlich festhalten, dass diese später auf den Erbteil angerechnet werden muss“, rät Erbrechtsanwalt Ulrich Schellenberg.

STEUERPRIVILEGIEN

Erben, die ein Unternehmen, eine Immobilie oder land- und forstwirtschaftlichen Besitz übernehmen, sind steuerlich besser gestellt. Für ein Haus zum Beispiel besteuert das Finanzamt nur etwa 60 Prozent des Verkehrswerts.

Dieses Privileg könnte bald fallen. Denn das Bundesverfassungsgericht wird

voraussichtlich Anfang 2006 entscheiden, ob diese Bevorzugung gegenüber Barguthaben oder Aktienvermögen rechtmäßig ist. „Wir rechnen damit, dass das Gericht die Begünstigungen einschränkt“, erklärt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband. 1995 hatte das Bundesverfassungsgericht schon in Zusammenhang mit der Vermögensteuer entschieden, dass die unterschiedliche Bewertung von Immobilien- und Geldvermögen gegen das Grundgesetz verstößt. Für Hauseigentümer oder Selbstständige kann es sich deshalb lohnen, Teile ihres Vermögens bald zu übertragen und die Schenkungsteuererklärung möglichst schnell beim Finanzamt einzureichen. eb

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