Verbraucher : „Schlafen Sie erst eine Nacht, bevor Sie sich beschweren“

-

Frau von Salisch, nehmen wir an, ich bekomme einen Bußgeldbescheid, den ich ungerecht finde. Lohnt es sich, dagegen anzukämpfen?

Es empfiehlt sich jedenfalls, nicht sofort zum Telefon zu greifen und sich zu beschweren. Erstmal sollte man eine Runde joggen gehen oder eine Nacht drüber schlafen. Vielleicht ärgere ich mich nur deshalb so über die Strafe, weil ich einen schlechten Tag hatte.

Und am nächsten Tag? Was mache ich dann?

Wenn die Wut anhält, hat sie wahrscheinlich andere Ursachen, als den Ärger über die verlorenen 30 Euro. Wenn ich das Gefühl habe, hinter der Strafe steckt Willkür oder gar Bösartigkeit. Die Motivation desjenigen, der den Ärger verursacht hat, entscheidet darüber, wie ich mit der Situation umgehe.

Bei einer Behörde weiß ich nicht unbedingt, wem ich den Ärger verdanke.

Richtig. Die Anonymität der Behörde bedeutet, dass ich nicht weiß, an wen ich mich wenden muss. Das damit verbundene Gefühl von Ohnmacht kann den Ärger noch steigern.

Wann sollte man Widerspruch einlegen?

Als rationales Wesen sollte man natürlich die Verhältnismäßigkeit beachten, denn ein Einspruch bedeutet ja zusätzlichen Aufwand und oft Mehrkosten. Für den Gefühlshaushalt kann es aber sinnvoll sein, sich zu wehren. Vor allem, wenn ein moralischer Aspekt hinzukommt. Zum Beispiel, dass man andere davor bewahren will, in die gleiche Situation zu kommen. Etwa indem man erreicht, dass ein Parkverbot besser gekennzeichnet wird. Das Gefühl, nicht klein bei gegeben zu haben, kann befriedigend sein.

Das Gespräch führte Alexander Visser.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben