Verbraucher : Schlechte Karten

Verbraucher und Banken streiten über Sicherheit am Geldautomaten

André Görke,Anselm Waldermann

Berlin - Ein Bankkunde steht am Geldautomaten und tippt seine Geheimnummer (PIN) ein. Dabei wird er beobachtet. Kurze Zeit später wird seine EC-Karte geklaut und das Konto geplündert. Geht es nach dem Bundesgerichtshof (BGH), hat der Bankkunde dann künftig ein Problem. Denn die Richter des BGH haben jetzt entschieden, dass Banken ihren Kunden Geldbeträge, die mit gestohlenen EC-Karten abgehoben wurden, in der Regel nicht zurückzahlen müssen. Im Falle einer Abbuchung muss der Kunde erst nachweisen, dass er mit seiner PIN sorgfältig umgegangen ist und der Sicherheitsfehler beim System der Bank liegt.

Bei Verbraucherschützern stößt die BGH-Entscheidung auf Kritik. Für Kunden bedeute der Besitz einer EC-Karte mittlerweile ein „unkalkulierbares Risiko“, sagte Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen dem Tagesspiegel. „Man muss sich wirklich überlegen, ob man seine Karte nicht lieber zu Hause lässt.“ Zumindest sei Bankkunden zu empfehlen, ihre EC-Karte nur dann dabeizuhaben, wenn sie diese tatsächlich brauchen. Er könne Bankkunden außerdem nur raten, mit ihrem Kreditinstitut schriftlich ein möglichst niedriges Tageslimit für Bargeldabhebungen zu vereinbaren. So könne der Schaden im Fall eines Betrugs zumindest minimiert werden. Vorbildlich seien hier die Sparkassen, die das Problem in der Regel mit einem Limit von 500 Euro begrenzt hätten.

Strube wirft dem BGH vor, das Ausmaß des Problems nicht erkannt zu haben. Bundesweit spricht das Bundeskriminalamt von mehr als 120 000 Betrugsfällen mit Plastikkarten. Allein bei den Verbraucherzentralen in NordrheinWestfalen haben sich 1000 Betroffene gemeldet. „Entweder sind das alles Betrüger“, sagt Strube. „Oder das System der Banken ist doch nicht so sicher, wie sie immer sagen.“

Die Bankenbranche wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Die Systeme seien sicher, viele Kunden würden einfach unvorsichtig mit ihren Geheimdaten umgehen. Andreas Bartels, Sprecher der Deutschen Bank, sagt: Generell sei der Missbrauch von EC-Karten „kein Massenphänomen“, wenn man bedenke, wie viele Menschen in Deutschland eine Karte hätten. „Und die paar Fälle, die es gibt, klären sich meistens sehr schnell.“ Oft zeige der Kamerabeweis, dass es die Kunden selbst gewesen seien, die mit ihrer angeblich gestohlenen EC-Karte Geld abgehoben hätten. Wenn die Karte aber offensichtlich gestohlen wurde, zeige man sich kulant. Wie auch bei der Dresdner Bank komme es dann „auf den Einzelfall an“. Die Bankinstitute überprüfen dabei den Zahlungsverkehr des Kunden in den vergangenen Monaten. Ungewohnt hohe Abbuchungen seien ein Indiz für Missbrauch der Karte, heißt es bei der Dresdner Bank. Für solche Fälle gebe es einen Ombudsmann. Wann und wie die Banken den Kunden finanziell entgegenkommen, wollen sie aber nicht verraten. „Das wäre die optimale Steilvorlage für Betrugsfälle.“

Verbraucherschützer Strube kritisiert allerdings, dass sich die meisten Banken keineswegs kundenfreundlich gezeigt hätten. „Die bewegen sich oft keinen Millimeter“, beschwert er sich.

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