Verbraucher : Schön gerechnet

Seit gut einer Woche werden die neuen Renteninformationen verschickt. Die Sozialverbände halten sie für zu optimistisch

Heike Jahberg

Die ersten Briefe sind schon da. Seit gut einer Woche verschicken die Rentenversicherungsträger wieder ihre Renteninformationen. „70 000 Schreiben gehen jeden Tag raus“, sagt Walter Glanz von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Bis zum Jahresende soll jeder Versicherte, der mindestens 27 Jahre alt ist und fünf Jahre lang Beiträge gezahlt hat, erfahren, wie hoch seine Rente später sein wird. Begonnen wird mit den Jüngsten, dann werden peu à peu die älteren Jahrgänge bedient. Künftig wird es jedes Jahr eine solche Information geben.

Darin können Sie nachlesen, wie hoch Ihre Rente wäre, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen jetzt nicht mehr arbeiten könnten. Zudem wird hochgerechnet, mit welcher Rente Sie im Alter von 65 Jahren rechnen können. Dabei werden verschiedene Szenarien durchgespielt: Nullrunden bis zum 65. Lebensjahr, Rentensteigerungen von 1,5 Prozent und von 2,5 Prozent jährlich. Erhöhungen von 2,5 Prozent halten die Sozialverbände jedoch für unrealistisch und irreführend. Sie fordern, diese Variante zu streichen. Vergeblich (siehe Interview) .

Als die BfA, die Landesversicherungsanstalten (LVA) und die Bundesknappschaft 2002 erstmals ihre Renteninfos verschickt hatten, hatten sie noch sehr viel optimistischer gerechnet – und dafür prompt Prügel bezogen. Damals hatten sie sogar mit möglichen Rentensteigerungen von 3,5 Prozent im Jahr kalkuliert. Diese Variante taucht jetzt nicht mehr auf. Auch einen weiteren Kritikpunkt haben sich BfA und Co. zu Herzen genommen. Jetzt berücksichtigen sie, dass die Rente in 20 oder 30 Jahren inflationsbedingt weniger wert sein wird als heute. In den Renteninfos wird daher ausgerechnet, was von 100 Euro Rente übrig bleibt, wenn man mit 65 Jahren in Rente geht und die Preissteigerung bis dahin jährlich 1,5 Prozent beträgt.

Die diesjährigen Renteninformationen sind die letzten, die noch von den bisherigen Trägern versendet werden. Denn die deutsche Rentenversicherung wird in diesem Jahr umstrukturiert. Aus den Landesversicherungsanstalten wird die „Deutsche Rentenversicherung regional“, BfA und der Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VdR) bilden zusammen die „Deutsche Rentenversicherung Bund“, Bundesknappschaft, See- und Bahnkasse schließen sich zu einem zweiten Bundesträger zusammen. Für die meisten Versicherten ändert sich nichts. „Nur 20 000 müssen wechseln“, sagt BfA-Mann Glanz. Wer neu ins Berufsleben eintritt, wird auf einen der neuen Träger verteilt – nach welchem Verfahren, wird derzeit noch verhandelt.

Einen Renteninformations-Rechner finden Sie im Internet unter www.bfa.de. Fragen beantwortet die BfA kostenlos unter der Servicenummer 0800/333 19 19, die LVA Berlin erreichen Sie unter der Rufnummer 0800/463 65 82.

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