Verbraucher : Schöne Rendite

Wer mit Gemälden, Münzen oder Antiquitäten Geld verdienen will, muss die Trends der Zukunft kennen

Corinna Visser

Verzweifelten Großeltern, Patenonkeln und Erbtanten bleibt oft nichts anderes: Sie legen einen Umschlag mit Geldscheinen unter den Weihnachtsbaum, weil sie nicht wissen, womit sie Kindern und Enkeln eine Freude machen können. Tatsächlich gibt es alternative Geschenkideen – vor allem, wenn man etwas schenken will, das als Geldanlage dienen und im Wert steigen soll. Mit Münzen, Antiquitäten und Kunst kann man ganz erhebliche Gewinne erzielen – wenn man bestimmte Regeln beachtet. Hinzukommt, dass Bilder, Schmuck oder schöne Möbel auch eine emotionale Rendite abwerfen und das Sammeln einfach Freude machen kann.

„Kunst wirft im Durchschnitt die beste Rendite ab“, sagt Wolfgang Wilke, Finanzexperte der Dresdner Bank und Kunstliebhaber, der seit mehr als 20 Jahren den Kunstmarkt analysiert. Das höhere Gewinnpotenzial ist jedoch zugleich mit einem erheblich größeren Risiko verbunden: „Die Preisschwankungen am Kunstmarkt sind wesentlich größer als bei anderen Vermögensanlagen“, sagt Wilke. Der Preis eines Gemäldes etwa kann sich in kurzer Zeit verdoppeln, aber eben auch halbieren. Daher sei es in dem Markt nicht sinnvoll, auf kurze Frist zu spekulieren. „Bei erstklassiger Qualität geht der Preis letztlich immer nach oben – das heißt aber auch, dass man das Kunstwerk im Notfall vererben muss.“

Im Gegensatz zum Aktienmarkt ist der Kunstmarkt sehr eng, wenig transparent und die Preise schwanken nicht nur im Zeitverlauf sehr stark, sondern sie können auch von Ort zu Ort sehr verschieden sein. Der Reiz des Marktes liegt jedoch im Jagen und Sammeln, daher sollte man nicht in Bilder, Münzen oder Antiquitäten investieren, ohne zugleich auch ein Liebhaber zu sein, der sich intensiv mit dem Markt beschäftigt. Das Auge schulen und sich umfangreich informieren – das raten alle Experten.

GEMÄLDE

Im Prinzip gibt es zwei Strategien ähnlich wie im Aktienhandel: Entweder man investiert in Blue Chips – also altbekannte Werte. Die sind zwar teuer, versprechen dafür aber auch eine höhere Wertstabilität. Oder man investiert in neue Märkte, sprich in junge Künstler. Die kann man relativ preiswert erwerben. Das setzt jedoch voraus, dass man sich eingehend mit dem Markt beschäftigt und sich in den Galerien informiert. „Hier geht es darum, gesellschaftliche Vorlieben vorauszusehen und abzuschätzen, wohin sich Zeitgeist und Sammelleidenschaft in Zukunft entwickeln“, sagt Kunstexperte Wilke. Beispiel Gerhard Richter: 1970 konnte man die Gemälde des teuersten deutschen Malers günstig kaufen. Inzwischen steht Richter im von der Zeitschrift „Capital“ erstellten Kunstkompass der weltweit bedeutendsten Künstler auf Rang eins. Seine Werke bringen Höchstpreise auf Auktionen. Sogar Richter selbst sieht das kritisch. Die überhöhten Preise seien ein Zeichen, dass manche Käufer nichts von Kunst verstünden und zu viel bezahlten. „Die Kunst besteht darin, das zu kaufen, was im Moment keiner haben will“, sagt Wilke.

MÜNZEN

Im Vergleich zu Gemälden mit rein ideellem Wert haben Münzen einen Vorteil: Ihr Preis sinkt niemals unter den Materialwert. Matthias Senger vom Tempelhofer Münzhaus empfiehlt Neueinsteigern daher Münzen mit „hohem inneren Materialwert zu verschenken, weil der Beschenkte diese wieder zu Geld machen kann“. Der Wert etwa eines Krügerrand aus Südafrika schwankt zwar mit dem Goldpreis, aber er lässt sich immer wieder zu Geld machen. Anders sieht es etwa bei reinen Sammlermünzen aus, die Versandhändler anbieten. „Die kaufen niemals Münzen zurück“, sagt Senger. Auch Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin warnt: „Finger weg von Gedenkmünzen, wie sie etwa zur Euro-Einführung oder jetzt aktuell zur Fußballweltmeisterschaft angepriesen werden. Das sind keine werthaltigen Geschenke.“ Das liege auch daran, dass sie in viel zu hohen Stückzahlen geprägt werden. „Eine limitierte Auflage von 10 000 Stück klingt zwar nicht viel“, sagt Lischke. „Doch so viele Interessenten gibt es häufig gar nicht.“ Hinzukommt, dass der Kunde oft nicht nur die eine Münze kauft, sondern unbemerkt ein Abonnement ersteht. „Die erste Münze ist ein Lockangebot für 4,95 Euro, die folgenden Münzen kosten dann richtig Geld.“ Grundsätzlich sollte man bedenken, dass der Kreis derer, die Münzen sammeln, immer kleiner wird, was die Münze als Geldanlage immer unattraktiver macht.

ANTIQUITÄTEN

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten fliehen Kunden in Sachwerte. Das lasse sich derzeit im Antiquitätenhandel beobachten, sagt Ingrid Wildtraut, Sachverständige für europäisches Kunstgewerbe beim Kunsthaus Lempertz (Köln und Berlin). Auch sie rät, sich vor dem Einkauf gründlich im Fachhandel zu informieren und nicht das zu kaufen, was aktuell gerade boomt. Beispiel Biedermeier: Weil die Nachfrage nach den Möbeln aus dieser Zeit lange sehr hoch war, gibt es viele Fälschungen auf dem Markt. Das führt zu fallenden Preisen. Als Einstieg in das Sammeln von Antiquitäten eignen sich zum Beispiel Porzellan, Silber und Glas. Der Vorteil dieser Stücke sei auch, dass sie im Gegensatz zu Möbeln eine ganz andere Haltbarkeit haben. „Sie weisen fast keine Alterungserscheinungen auf“, sagt Wildtraut. Und noch eine Empfehlung hat die Sachverständige: alten Diamantschmuck. Das könnten bald umkämpfte Sammlerstücke werden, denn das Angebot an Rohdiamanten wird immer knapper.

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