Verbraucher : Schwiegermütter wären begeistert

Ursula Weidenfeld

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet Einmachgläser Es gibt keinen vernünftigen Grund, ein Einmachglas zu kaufen. Außer, die Schwiegermutter guckt traurig, weil sie findet, dass ihr armer Junge ein bisschen zu kurz kommt. Vor allem, was hausgemachte Sülzen, handgestopfte Leberwürste, eingelegte Gurken, selbstgerührtes Pflaumenmus, Rumtöpfe, Marmeladen, Gelees oder Most angeht.

Streng warnt die Firma Weck die unerfahrene Städterin, das Einmachen auf die leichte Schulter zu nehmen: „Wir empfehlen Ihnen dringend: Halten Sie sich um des Erfolges Ihrer Arbeit und um Ihrer persönlichen Sicherheit willen an das Weck-Einkochverfahren. Es hat sich seit Jahrzehnten bewährt und erweist sich als einfach, sparsam und sicher.“ Ich hatte gehofft, dass auch beim Einmachen eine technische Revolution stattgefunden hat. Dass man nur noch eine Maschine kauft, in die man ein paar Kilo Obst wirft, und am Ende kommt ein Kompottglas mit einem niedlichen Stoffdeckchen heraus. Niemand hat mich darauf vorbereitet, dass es immer noch Weck-Gläser sind, die mit dicken roten Gummiringen eine rätselhafte Verbindung eingehen.

Also: Obst waschen, schälen und von schadhaften Stellen befreien. Gläser heiß spülen, kopfüber auf leinene Handtücher stellen. Gummiringe sieden. Gläserklammern spülen. Einmachkessel anheizen. Alles nach Vorschrift. Hier endet die ordentliche Geschichte dieses Warentests. Ich habe keinen Einmachkessel. Aber, so sagt die freundliche Verkäuferin bei Manufactum, das macht doch gar nichts: Man kann auch den Backofen anheizen. Die Weck-Web-Site warnt zwar vor „einer sehr hohen Zahl von Misserfolgen" bei der Backofentechnik, aber die Dame bei Manufactum rät, einfach ein bisschen Stoff zu kaufen und ein paar rotkarierte Mützchen für die Gläser zu nähen. Wenn man welche verschenken will. Etwa an Schwiegermütter. Die Dame hat verstanden, worum es geht.

Um es kurz zu machen: Nach drei Stunden waschen, schälen, sieden, sterilisieren, hatte ich acht Gläser Gewürzbirnen mit Zimtstangen und Vanilleschoten, deren Deckel mit Hilfe dicker roter Gummiringe haften. Ich kann die Gläser umdrehen, ohne dass auch nur ein Tropfen Birnensaft herauskommt. Ich habe mitten in der Woche an einem Abend mit Fug und Recht einen halben Liter Riesling dazu getrunken, der übrig blieb bei dem Rezept. Weil er sonst verdorben wäre. Wovor die Einkochwirtschaft „die erfahrene Hausfrau" energisch warnt. Das ist ein wichtiges Argument, mit der Vorratswirtschaft fortzufahren.

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