Service : Die Suche nach dem richtigen Pflegeheim

Die Benotung von Pflegeheimen verschiebt sich, auch Zertifikate sagen nicht viel aus – wie findet man trotzdem eine gute Adresse?

Hannes Heine
Pflege
Neues Zuhause. Es ist nicht immer einfach zu erkennen, welche Einrichtung tatsächliche etwas taugt. -Foto: dpa

In diesem Jahr werden fast 100.000 Berliner auf Pflege angewiesen sein. Knapp die Hälfte wird von Angehörigen versorgt, viele bekommen Hilfe von ambulanten Diensten. Etwa 27.000 Pflegebedürftige aber sind in den 300 Berliner Heimen untergebracht. Auf der Suche nach einem guten Pflegeheim waren die meisten Menschen bisher auf den Rat von Freunden, Bekannten, Angehörigen oder des Hausarztes angewiesen. Mit der Geheimniskrämerei sollte jetzt aber eigentlich Schluss sein. Seit diesem Jahr sind die Kontrolldienste der Pflegekassen verpflichtet, die Heime zu benoten und vergleichbar zu machen. Doch leider klappt das nicht.

Was will der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bewerten?

Insgesamt 83 Punkte, etwa Hygiene, Umgang mit Demenzkranken und die medizinische Versorgung, fließen in eine Gesamtbewertung ein, die von "sehr gut" bis "mangelhaft" reichen soll. Doch frühestens ab Sommer werden für die ersten Heime solche Qualitätszeugnisse veröffentlicht. Denn die Pflegekassen und Heimbetreiber haben sich nach langwierigen Verhandlungen erst Ende 2008 auf die Kriterien geeinigt, die der Benotung zugrunde liegen. Laut Gesetz müssen alle Pflegeeinrichtungen bis Ende 2010 mindestens einmal vom MDK kontrolliert worden sein - bevor sich dann jährliche unangemeldete Kontrollen anschließen. Doch selbst wenn es die Bewertungen durch den MDK gibt, sind nicht alle Probleme gelöst. Kritiker sagen, dass sich schlechte Häuser gute Noten zurechtbiegen könnten, weil für die Bewertung die Durchschnittsnote zähle. So könne etwa ein falscher Umgang mit Medikamenten durch Erste-Hilfe-Schulungen für die Mitarbeiter ausgeglichen werden. Doch aus der Branche kommt Widerspruch: Gesundheitsrelevante Kriterien flössen stärker in die Endnote ein.

Wie aussagekräftig sind Zertifikate?

Heime werben derzeit mit sogenannten Zertifikaten, um Kunden für sich zu gewinnen. Derzeit bekannte Siegel sind etwa KTQ, EFQM und das Zertifikat vom TÜV. Experten warnen aber davor, diese Auszeichnungen zu überschätzen. Von den Pflegekassen anerkannt ist nämlich noch kein einziges Zertifikat. Erst seit kurzem können sich Institute bei den Kassen registrieren lassen, die für Heime Zertifikate ausstellen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen will bis Ende März festlegen, unter welchen Bedingungen externe Sachverständige die Heime prüfen dürfen, um selbst ein Zertifikat zu vergeben. Im Sommer könne man mit den ersten von den Kassen anerkannten Zertifikaten rechnen.

Was kann man tun?

Zunächst sollte man eine Vorauswahl von Heimen treffen, die man genauer unter die Lupe nehmen möchte. Die meisten Menschen suchen zunächst im eigenen Kiez, um Freunde und Nachbarn nicht zu verlieren, oder um Verwandten Besuche zu erleichtern. Dann sollte man die ausgewählten Pflegeheime besuchen, sagt Martina Wilcke-Kros vom Berliner MDK. Wichtig sind vor allem sinnliche Eindrücke, etwa der Geruch. Zudem sollte man mit der Heimleitung ein Beratungsgespräch führen: "Haben Sie keine Hemmung, solche Gespräche zu fordern", sagt Wilcke-Kros. "Es gibt in Berlin mehr Plätze als Pflegebedürftige."

Worauf sollte man beim Besuch achten?

Drückt mir jemand zwischen Tür und Angel einen Prospekt in die Hand, oder nimmt man sich Zeit für ein ausführliches Gespräch? Wird bereitwillig das ganze Haus gezeigt? "Um einen guten Eindruck von der Betreuung und Verpflegung zu bekommen, sollte man auch nach einem Probeessen fragen", rät die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Außerdem solle man sich einen Heimvertrag zeigen lassen, denn manche Häuser schränken die Haftung des Betreibers übermäßig ein. Die Arbeitsgemeinschaft Alten- und Angehörigenberatung empfiehlt, Heime unangemeldet am Vormittag zu besuchen. Dann ist am meisten los, und Besucher bekommen einen authentischen Eindruck. Immer sollte der Heimbeirat - ein Vertreter der Bewohner - gefragt werden.

Gibt es in dem Heim eine Bezugspflege?

Eine weitere wichtige Frage: Wird jedem Bewohner eine Pflegekraft zugeteilt, die sich regelmäßig um ihn kümmert, Probleme löst und für Beschwerden ansprechbar ist - und zwar namentlich? Gerade bei Demenzerkrankten sollte man genau nachfragen, welches Angebot das Heim zur Verfügung stellt - und zwar möglichst konkret. "Das Heim muss nachvollziehbar erklären, wie es Demenzerkrankte betreut", sagt Wilcke-Kros. Bei guten Heimen gibt es häufig Wartelisten, weil sie von Beratungsstellen empfohlen werden. Dort wird oft erst dann ein Platz frei, wenn ein Bewohner stirbt.

Ist ein teures Heim auch besser?

Trotz der Pflegekasse bleibt oft ein Eigenanteil, den die Bewohner aufbringen müssen. Wenn sie das nicht können, müssen Angehörige oder Sozialämter einspringen. Im Schnitt kostet ein Heimplatz der Pflegestufe III 3000 Euro im Monat - die Pflegekasse zahlt davon aber nur 1470 Euro. Die Zuzahlungsspanne kann dabei erheblich größer sein, denn besonders gut ausgestattete Heime verlangen mehrere tausend Euro zusätzlich im Monat. Doch die Rechnung "teuer ist gleich gut" geht nicht auf, heißt es vom MDK und der Beratungsstelle "Pflege in Not".

Wann kann man ein Heim wechseln?

Wer bis zum dritten Werktag eines Monats schriftlich kündigt, kann zum Ende desselben Monats ausziehen. Besser ist es jedoch, wenn der Heimvertrag eine Kündigungsfrist von maximal einer Woche vorsieht, um bei schwerer Erkrankung schnell in eine Spezialeinrichtung verlegt zu werden. Allerdings sollte man dem neuen Heim auch eine Chance geben, raten Experten. Denn manchmal muss man sich auch erst an die neuen Verhältnisse gewöhnen.

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