Sicher ins neue Jahr : "Friendly Fire" in der Silvesternacht

Zum Jahreswechsel besser alles gut versichern: Wohnung, Haus und Party. 1568 Einsätze fuhren die Berliner Feuerwehren beim vergangenen Jahreswechsel 2010/11.

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Einen Knall gibt’s auf jeden Fall.
Einen Knall gibt’s auf jeden Fall.Foto: dapd

Es ist mehr als ernst in der Silvesternacht: 1568 Einsätze fuhren die Berliner Feuerwehren beim vergangenen Jahreswechsel 2010/11, allein 281-mal hieß es „Absitzen zum Feuerlöschen“. Nur wenn es in der letzten Nacht eines Jahres bibberkalt ist wie zuletzt 2009, dann kann sich die Zahl der Brandstätten halbieren.

Die Berliner Feuerwehr hofft, dass ihre Ratschläge endlich einmal wirklich von allen gehört werden. Das heißt, dass nur zugelassenes Feuerwerk verwendet werden darf, auch entsprechend den Altersklassen für Jugendliche und Erwachsene.

Schon beim Kauf sollten Kunden darauf achten, dass es von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zugelassen ist, rät der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI). Zu erkennen ist das an der BAM-Identifikationsnummer BAM-F2-XXXX auf der Verpackung. F2 steht dabei für Feuerwerk der Kategorie 2, das nur von Über-18-Jährigen gekauft und angezündet werden darf. XXXX symbolisiert eine vierstellige Nummer, die dem BAM zufolge auch in der Gebrauchsanweisung aufgeführt sein muss. Bis 2017 dürfen zudem noch Feuerwerke mit einer alten Kennzeichnung verkauft werden. Diese erkennen Käufer an der Angabe P II anstelle der F2. Generell gilt, dass das Hobbyfeuerwerker nicht zu viel „Feuerwasser“ intus haben darf – am besten feuert der, der nüchtern ist.

„Außerdem sollte man immer die Gebrauchsanweisung lesen und sich daran auch halten“, sagte Klaus Gotzen vom VPI in Ratingen. Zu den Sicherheitsempfehlungen gehöre unter anderem, Raketen senkrecht abzuschießen. Das gehe am besten, wenn man die Rakete vor dem Zünden in einem Getränkekasten mit leeren Flaschen fixiert.

Falls es dennoch durch Feuerwerk in der Wohnung brenzlig werden sollte, empfiehlt die Feuerwehr den gestuften Einsatz. Oft reicht für den ersten Löschangriff von privater Hand in der Stube ein Sprühgerät, mit dem man etwa Pflanzen befeuchtet. Für schwerere Fälle sollte immer ein Eimer Wasser bereitstehen. Löschstufe drei übernimmt dann ein Feuerlöscher. Für die wirklich schweren Brandfälle gilt: Den Raum verlassen, die Tür schließen und „112“ wählen – diese Notrufnummer muss jeder kennen.

Längst haben sich die Obergerichte mit den Pflichten eines Hausherrn in der Silvesternacht auseinandergesetzt. Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte erst vor einiger Zeit erklärt, es sei inzwischen „üblich und zulässig“, zum Jahreswechsel „nichterlaubnispflichtige Feuerwerkskörper zu zünden“. Daher sei es vom Besitzer eines Gebäudes zu erwarten, dass er in der Silvesternacht und am Abend des 1. Januar Fenster und Türen seines Gebäudes sorgsam schließe, um Vorsorge gegen das Eindringen von Feuerwerkskörpern zu treffen.

Personen, die ein Feuerwerk veranstalten beziehungsweise entzünden, müssten aber andererseits, so die Stuttgarter Richter weiter, einen Standort wählen, von dem aus andere Personen oder Sachen nicht ernsthaft gefährdet werden können – weil „niemals ein Fehlstart von Raketen völlig ausgeschlossen werden kann“ (OLG Stuttgart 10 U 116/09). Sollte doch etwas passieren, dann deckt eine Hausratversicherung die Schäden in Haus und Wohnung ab. Die Gebäudeversicherung übernimmt andererseits im Rahmen der Vereinbarungen Schäden am eigenen Haus und den Nebengebäuden. Für Personenschäden bei Fremden und für alles, was die Feuerwerkskörper an fremdem Eigentum angerichtet haben, tritt die Haftpflichtversicherung ein. Verunglückt der Feuerwerker selbst, dann ist es gut, wenn er eine Unfallversicherung hat. Aber – die Versicherungen sehen rot, wenn nicht genehmigte Feuerwerkskörper verschossen werden: „Polen-Böller“ oder „Russen-Kracher“, wie sie landläufig heißen, hebeln den Versicherungsschutz aus. Auch sonstige grobe Fahrlässigkeit kann den Versicherungsschutz kosten oder stark mindern.

Übrigens, auch Bauherren müssen vor Silvester noch einmal ran und ihren speziellen Versicherungsschutz prüfen: Noch nicht bezogene Gebäude werden in der Regel nur durch eine Rohbauversicherung abgesichert. Wer keine hat, muss sich beeilen. Brennbares gibt es dort genug, sollte die Baustelle unter „friendly fire“ geraten. Weil sich kaum eine Feuerwerksrakete bis an ihren Startplatz zurückverfolgen lässt, ist es gut zu wissen, dass für ein beschädigtes Auto vor der Tür die Teilkaskoversicherung einspringen würde. Vandalismusschäden durch trunkene Unbekannte wären hingegen ein Vollkaskofall.

Gut zu wissen: Auch die Megaparty an Silvester kann man versichern – man weiß ja nie im Voraus, wie sehr die Stimmung steigen wird. Mit einer Veranstalterhaftpflicht für Silvesterfeiern wäre man fein heraus, wenn ein Boxenturm auf Tänzer kippen oder ein Neujahrsraver über ein Bodenkabel stolpern sollte. Versicherungsmakler können hier weiterhelfen, und die Prämie für eine Party mit bis zu 500 Gästen sollte unter 100 Euro bleiben. Ein Silvesterfeuerwerk wird von der Assekuranz extra berechnet. Silvesterfeuerwerk darf nur vom 29. bis 31. Dezember verkauft und nur am Silvester- sowie am Neujahrstag abgefeuert werden. (mit dpa)

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