Verbraucher : Sicheres Schätzchen

Wer kleine Summen mindestens ein Jahr sicher anlegen will, sollte zu Bundesschatzbriefen greifen

Henrik Mortsiefer

Auf der Suche nach Sicherheit auf den schwankenden Kapitalmärkten parken immer mehr Anleger ihre Ersparnisse auf Tagesgeldkonten. Steigende Zinsen machen die Anlageform wieder attraktiv. Direktbanken und Online-Broker werben mit teilweise üppigen Konditionen und Zinssätzen von mehr als drei Prozent pro Jahr. So lobt Cortal Consors derzeit einen „Sommer-Superzins“ von 3,3 Prozent aus, bei der 1822direct werden online 3,00 Prozent geboten. Dabei übersehen viele Sparer jedoch, dass die Angebote häufig nur für Neukunden gelten, zeitlich befristet oder an Nebenbedingungen geknüpft sind oder nur eine eingeschränkte Einlagensicherheit bieten.

Transparenter und im Durchschnitt sogar profitabler als Tagesgeld ist eine Anlageform, die zuletzt eher als bieder galt: Bundesschatzbriefe. Mit jeweils 2,75 Prozent im ersten Jahr bieten Bundesschatzbriefe vom Typ A (sechs Jahre Laufzeit, jährliche Zinszahlung) und Typ B (sieben Jahre Laufzeit, Zinsansammlung) einen knappen Prozentpunkt mehr als ein durchschnittliches Tagesgeldkonto.

Wie eine aktuelle Umfrage der FMH-Finanzberatung unter 34 Geschäfts- und Direktbanken sowie Sparkassen und Online-Brokern ergab, lag der Zinssatz für Tagesgeld mit hoher Einlagensicherheit im Schnitt bei nur 1,90 Prozent ab dem ersten Euro. Die im Auftrag der Informationsstelle für Bundeswertpapiere erstellte Umfrage, die dem Tagesspiegel vorliegt, zeigt, dass gut jedes dritte der getesteten Geldhäuser Kundengelder nur zwischen 0,4 und 1,80 Prozent verzinst, immerhin 21 Institute schreiben zwei und mehr Prozent gut.

Bedenken sollten Sparer allerdings, dass Bundesschätze frühestens nach einem Jahr zurückgegeben werden können, wenn pro Person eine Summe von 5000 Euro binnen 30 Zinstagen nicht überschritten wird. „Der Vergleich mit täglich verfügbaren Anlagen hinkt deshalb“, sagt Uwe Döhler von der Zeitschrift „Finanztest“. Für Anleger, die ihr Geld aber ein Jahr entbehren könnten, seien Bundesschatzbriefe eine Alternative, „zumal kaum eine Sparkasse oder Volksbank mehr als den Basiszins von 2,75 Prozent bietet“. Tendenziell sollte bei einer Anlagefrist von einem Jahr aber ein Zins von rund drei Prozent angestrebt werden.

Vergleicht man Bundeschatzbriefe mit den besten Angeboten für einjährige Anlagen, relativiert sich der Vorteil der Bundespapiere. So bietet die CC-Bank, die Tagesgeld für 2,60 Prozent verzinst, ab einer Anlagesumme von 2500 Euro derzeit 3,25 Prozent für ein Jahr ohne Kündigungsfrist. Auch die Alte Leipziger bietet diesen Zins, allerdings erst ab einer Summe von 5000 Euro. Will man kleinere Summen, etwa 1000 bis 2000 Euro, günstig parken, „sind Bundesschatzbriefe wieder erste Wahl“, sagt Uwe Döhler. Schon mit einem Einstiegsbetrag von 50 Euro können Anleger Bundesschätzchen erwerben. Wird ein kostenloses Depot bei der Bundeswertpapierverwaltung eröffnet, fallen 52 Euro an.

Bevorzugter Schatzbrief ist der steuerlich vorteilhafte Typ A mit jährlicher Zinszahlung und einer Rendite von aktuell 3,70 für sechs Jahre. Vier von fünf gekauften Bundesschätzchen entfallen auf diesen Typ. Ob es ratsam ist, das Papier für die gesamte Laufzeit zu halten, scheint jedoch angesichts steigender Leitzinsen fraglich. „Nur wenn die Zinsen nicht weiter steigen oder sogar wieder fallen, hat der Anleger das gesamte Zinsniveau eingekauft“, sagt „Finanztest“-Experte Döhler.

Experten raten angesichts des Zinsänderungsrisikos von börsennotierten Bundesanleihen mit langen Laufzeiten ab. Denn bei steigenden Zinsen kann die vorzeitige Rückgabe wegen möglicher Kursverluste für den Anleger teuer werden. Außerdem ist die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Renditen aktuell so klein, dass sich eine längere Zinsbindung mit Blick auf das Risiko, von steigenden Zinsen nicht zu profitieren, nicht lohnt.

Empfehlung: Die Summe aufteilen, die sicher angelegt werden soll. Die eine Hälfte auf ein solides Tagesgeldkonto, die andere für ein, zwei oder drei Jahre zu höheren Zinssätzen anlegen. Steigen die Zinsen, kann das Geld zu einem späteren Zeitpunkt neu verteilt werden.

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