Sinkende Ölpreise : Autofahren und Heizen werden billiger

Seit Mitte Juli ist Rohöl um etwa ein Viertel billiger geworden. Und der Ölpreis könnte weiter fallen, erwarten Experten. Der Verbraucher profitiert davon – allerdings nur teilweise.

Andreas Menn/David C. Lerch

Berlin - Seit Wochen kennt der Ölpreis nur eine Richtung: abwärts. Seit Juli dieses Jahres ist der Preis immer weiter gefallen, am Dienstag gab es ein Fass (159 Liter) Brentöl am Weltmarkt erstmals seit April wieder für weniger als 100 Dollar. Nach der Ankündigung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), ihre Förderquoten zu reduzieren, stieg der Preis am Mittwoch zwar wieder über diese Marke, aber der Trend ist eindeutig: Seit Mitte Juli ist Rohöl um etwa ein Viertel billiger geworden.

Der Verbraucher profitiert davon – allerdings nur teilweise. Nach Angaben von Rainer Wiek vom Energieinformationsdienst EID sind die Einkaufspreise für Benzin und Diesel in Rotterdam seit Mitte Juli um 22 beziehungsweise 23 Prozent gesunken, die durchschnittlichen Spritpreise an deutschen Tankstellen ohne den festen Steueranteil dagegen nur um 17 Prozent. Das ärgert auch die Autobranche. Eckehart Rotter vom Verband der Automobilindustrie sagte: „Es ist ein Ärgernis, dass sich der gesunkene Rohölpreis nicht an der Zapfsäule widerspiegelt. Die hohen Spritpreise schmerzen die Autofahrer und sind einer der wichtigsten Gründe für die Zurückhaltung beim Neuwagenkauf.“ Auch der ADAC sieht trotz der gesunkenen Preise weiteren Spielraum für billigeres Benzin.

Solche Beschwerden kann man beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV) nicht akzeptieren. Zwar verstehe man das subjektive Empfinden der Autofahrer, sagt Sprecherin Barbara Meyer-Bukow, aber die mathematische Realität sei eine andere: „In Wahrheit ist der Benzinpreis in Deutschland sogar noch mehr gefallen als der Preis für Rohöl.“ Das hänge mit dem veränderten Wechselkurs zwischen Euro und Dollar zusammen. Seit Juli koste der Liter Rohöl in Euro umgerechnet sechs Cent weniger. An den deutschen Tankstellen sei der Preis durchschnittlich um zehn Cent gefallen. Der Grund dafür sei, so Meyer-Bukow, der im europäischen Vergleich besonders starke Wettbewerb an deutschen Tankstellen.

Beim Heizöl widerspricht der Gesamtverband des Deutschen Brennstoff- und Mineralölhandels (GDBM) dem Vorwurf, der Preisrückgang am Weltmarkt würde nicht an die Kunden weitergegeben. „Mit dem Rohölpreis in Dollar und dem Heizölpreis in Euro vergleicht man Äpfel mit Birnen“, sagt Günther Jäckel vom GDBM. Ohne die Veränderung der Wechselkurse fielen beide Preise in der gleichen Relation. Derzeit leiden die Verbraucher unter dem starken Dollar. Dafür habe im Frühjahr der starke Euro den Preisanstieg abgeschwächt. „Sonst hätte das teure Öl damals noch mehr auf die Preise durchgeschlagen“, sagte Jäckel. Derzeit koste der Liter Heizöl in Berlin etwa 85 Cent und liege damit auf dem Niveau von April dieses Jahres.

Die Ankündigung der Opec, ab sofort die tägliche Produktion von 29,67 auf 28,8 Millionen Fässer und damit auf den Stand von September 2007 zu senken, ließ den Ölpreis am Mittwoch zunächst wieder steigen. Am Abend kostete ein Fass Brentöl dann aber erneut weniger als 100 Dollar.

Analysten sehen in dem Vorgehen der Opec eher ein erstes Warnzeichen an den Markt als ein entschlossenes Vorgehen, um den Ölpreis zu erhöhen. „Das war die Botschaft, dass es Schmerzgrenzen gibt, die nicht unterschritten werden“, sagte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte von der Commerzbank. Diese Grenze sieht Fritsch noch nicht bei 100 Dollar pro Barrel. „Ein fairer Wert liegt zwischen 100 und 80 Dollar“, sagte Fritsch. In den kommenden Wochen erwarte er daher einen weiterhin fallenden Ölpreis.

Diese Einschätzung wird von dem monatlichen Bericht der internationalen Energieagentur untermauert. Danach werde durch die schlechtere wirtschaftliche Lage und die hohen Preise die Nachfrage nach Öl in diesem Jahr um 100 000 Fässer pro Tag weniger wachsen als zunächst erwartet. Ein sinkender Ölpreis bedeutet auch fallende Gaspreise. Das stellte Gasprom-Chef Alexej Miller am Mittwoch in Aussicht. Die Gaspreise seien an den Preis für Öl gebunden und folgten diesem immer mit Zeitverschiebung, sagte der Chef des russischen Gaskonzerns. Andreas Menn/David C. Lerch

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