Verbraucher : So ein Salat

Viele Produkte enthalten Weichmacher – die Hersteller suchen noch nach der Ursache

Corinna Visser

Noch ist nicht geklärt, wie Weichmacher in verschiedene Speiseöle gelangen. Sicher ist nur: Sie haben im Öl nichts zu suchen, weil sie als Krebs erzeugend gelten und die Fortpflanzungsfähigkeit beim Menschen beeinträchtigen. Dennoch hat die Stiftung Warentest die gefährlichen Substanzen erneut entdeckt: Die Experten untersuchten 50 verschiedene Öle – vom Kürbiskern- bis zum Traubenkernöl – und fanden Weichmacher in 18 verschiedenen Produkten. Hohe und sogar sehr hohe Belastungen gab es bei Lein- und Nussölen. Dass es auch anders geht, bewiesen die Untersuchungen unter anderem von Raps- und Sonnenblumenöl: Dort fanden die Tester nämlich in keinem untersuchten Produkt Weichmacher.

Zum ersten Mal wies die Stiftung Warentest die Substanzen in einem Test von Olivenölen (Heft 10/05) nach. Hersteller und Handel haben darauf reagiert: Die Bio-Zentrale etwa liefert ihr „Gut & Gerne Olivenöl aus Kalamata“ nicht mehr aus. Und die Supermarktkette Kaiser’s nahm die Eigenmarke „Naturkind Natives Olivenöl extra Bio“ aus dem Regal. Bei beiden Unternehmen heißt es, man habe die Produkte vorsorglich vom Markt genommen – und das gilt bis heute. „Das wird so lange so bleiben, bis wir wissen, wie die Weichmacher ins Öl gelangt sind“, sagt eine Sprecherin der Bio-Zentrale. Doch noch forschen die Hersteller nach den Ursachen.

Eines steht fest: „Niemand kippt Weichmacher in das Speiseöl, um das Öl weicher zu machen“, sagt Birgit Rehlender von der Stiftung Warentest. Die Aufgabe von Weichmachern (Phthalaten) ist, Kunststoff geschmeidig zu halten. Weichmacher können daher im Produktionsprozess aus Schläuchen und Behältnissen austreten. Das Problem ist: Phthalate sind gut in Fett löslich. Daher können sie leicht ins Öl gelangen – sie müssen es aber nicht, wie der aktuelle Test zeigt. „Es ist eine vermeidbare Belastung, wenn man geeignete Schläuche oder Behälter bei der Herstellung verwendet“, sagt Rehlender.

Doch welche Hersteller arbeiten sorgfältig? Die Orientierung für Verbraucher ist schwierig. Beispiel Mazola: Beim Olivenöl des Herstellers wurden keine Phthalate gefunden, das Walnussöl aus dem gleichen Haus war dagegen das am höchsten belastete Produkt im Test. „Der Kunde selbst kann beim Einkauf nicht feststellen, ob ein Öl belastet ist oder nicht“, sagt die Expertin der Stiftung Warentest. Dennoch gibt Rehlender Entwarnung: Kein Unternehmen könne es sich auf Dauer leisten, Produkte mit gesundheitsgefährdenden Substanzen zu verkaufen. Zudem würden immer mehr Händler dazu übergehen, nur noch Öle ins Regal zu nehmen, die nachweislich keine Phthalate enthalten.

Bedenklich sind Weichmacher im Speiseöl vor allem auch deshalb, weil Weichmacher in vielen Bereichen des täglichen Lebens eingesetzt werden und der Verbraucher entsprechend häufig mit den Substanzen in Kontakt kommt. Die beiden im aktuellen Test am stärksten belasteten Walnussöle Bio Planete und Mazola enthielten knapp 40 Milligramm Diethylhexylphthalat (DEHP) pro Kilogramm Öl. Tolerierbar sind laut Warentest für einen 60 Kilogramm schweren Menschen nur drei Milligramm DEHP pro Tag. „Mit etwa fünf Esslöffeln der Öle ist diese Menge bereits ausgeschöpft“, warnen die Tester. Doch der Weichmacher kommt auch in Luft, Wasser und Staub vor. Und bereits kleine Mengen seien kritisch, sagen die Tester.

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