Verbraucher : So passen die Platten in den iPod

Winfried Konrad

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Früher war das eine große Sache: Keinesfalls durfte man die kostbaren Schallplatten mit bloßen Händen berühren. Klebrige Kinderfinger waren der Feind der Plattensammlung. Und Generationen von Partnern oder Partnerinnen hatten Spaß, die sorgfältig gepflegte Ordnung der Sammlung, ob alphabetisch oder nach Musikkategorien, zu ruinieren.

Zwar legt heute zu Hause kaum noch jemand Vinyl auf. Doch was wäre, wenn man die besten Stücke von damals auf CD oder iPod hören könnte? Die Lösung bietet ein USB-Plattenspieler, den der Hersteller unter den Markennamen Ion beziehungsweise Numark auf den Markt gebracht hat. Wobei der für etwa 170 Euro verkaufte „Ion iTTUSB“ das Produkt für den Massenmarkt ist, während der rund zehn Euro teurere „Numark TTUSB“ zusätzliche Features hat, hauptsächlich über den Fachhandel vertrieben und von DJs bevorzugt wird. Mit Hilfe eines Vorverstärkers, ein paar Kabeln und Software konnte man schon bisher Vinyl digital zum Klingen bringen; doch setzte dies einen Plattenspieler voraus, den nur noch wenige besitzen.

Ich habe das günstigere Ion USB-Gerät ausprobiert, das mit einer Software mit dem merkwürdigen Namen „Audacity“ geliefert wird. Audacity (zu deutsch: Dreistigkeit) gibt es auch kostenlos im Internet (neueste Version: 1.3.2) für Betriebssysteme wie Microsoft Windows, Mac OS 9 und Mac OS X sowie GNU/Linux. Damit lassen sich aus Singles und LPs aus Vinyl oder Schellack Tondateien erzeugen, die in MP3 und WAV-Formate konvertiert werden können. Das hat den Vorteil, dass ich Stücke nach Belieben mixen, kopieren, auf CD brennen oder den iPod ziehen kann.

Der iTTUSB von Ion funktioniert nach einigem Probieren ordentlich, vermisst habe ich einen Lift für den Tonarm und eine Abdeckhaube. Dafür hat das Gerät aus zunächst unerfindlichen Gründen an zwei Ecken eine Start/Stop-Taste – weil DJs gerne im Battle Style, mit dem Tonarm auf der entgegengesetzten Seite, arbeiten und dann von links wie rechts gleich gut an die Schalter kommen.

Etwas Übung erfordert die Software. Es gibt eine mitgelieferte deutsche Bedienungsanleitung, doch alle Menübefehle sind in Englisch. Ich habe von einem Vater gehört, der seinem 16-jährigen Sohn Geld versprochen hat für jede Platte, die er ihm auf MP3 überspielt. Kein abwegiger Gedanke, denn wer nie mit Sounddateien oder Audiosoftware zu tun hat, muss eine Weile tüfteln, bis er befriedigende Resultate erzielt. Ich selbst erzielte nach zwei Stunden und einem Fehlversuch mit Ton auf nur einem Kanal befriedigende Ergebnisse und war glücklich, erstmals nach vielen Jahren wieder die wirklich großartigen „Brewer and Shipley“ zu hören, die längst in meine private Hall of Fame aufgenommen wurden.

Wegen der Erinnerungen, mit denen Platten aufgeladen sind, verspricht die Digitalisierung eine Zeitreise zu werden. Gefühlsmäßig würde ich 100 Punkte geben, aber wegen der erwähnten Unzulänglichkeiten bleibt es bei acht.

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