Verbraucher : So rechnen Sie mit dem Fiskus ab

Was Sie für Ihre Steuererklärung wissen müssen. Neues Recht für Eltern, Rentner und private Auftraggeber

Hans W. Fröhlich

Wer sich jetzt an seine Steuererklärung für das Jahr 2006 macht, muss sich auf einige Überraschungen gefasst machen. Eine davon ist offensichtlich: Es gibt völlig neue Formulare, die übersichtlicher und weniger trist wirken als die alten. Der Fortschritt hat aber auch eine Kehrseite: Die direkte Übernahme von Angaben aus den alten Formularen ist nicht immer möglich.

Auch inhaltlich hat sich einiges getan. Einige Steuervorteile wurden gestrichen, zum Beispiel die Freibeträge für Entlassungsabfindungen, die Eigenheimzulage und die volle Absetzbarkeit privater Steuerberatungskosten. Dafür sind neue Vergünstigungen hinzugekommen, etwa bei den Kinderbetreuungskosten oder den haushaltsnahen Dienstleistungen. Im Übrigen gibt es einen Zusatzanreiz, die Steuererklärung 2006 auszufüllen: Ab 2007 hat die große Koalition weitere Steuervorteile gestrichen, die jetzt noch einmal genutzt werden können (siehe Kasten).

HAUSHALTSNAHE DIENSTLEISTUNGEN

Haben Sie eine Firma bei sich zu Hause mit Dienstleistungen wie Putzen, Gartenarbeit, der Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen beauftragt, können Sie die Arbeitskosten absetzen. Das Finanzamt übernimmt 20 Prozent der Personalkosten von maximal 3000 Euro, die Steuerschuld könnte also um 600 Euro sinken. Die Kosten müssen durch Rechnungen und Überweisungsbelege nachgewiesen werden, Barzahlungen akzeptieren die Beamten nicht. Achten Sie darauf, dass Materialkosten extra ausgewiesen sind oder verlangen Sie getrennte Rechnungen für Material- und Personalkosten. Ab sofort werden auch Speditionskosten eines Privatumzugs in diesem Rahmen erstattet, und das unter Umständen sogar rückwirkend bis 2003.

HANDWERKERKOSTEN

Seit dem vergangenen Jahr gilt eine erweiterte Förderung. Eigentümer und Mieter, die ihre Wohnung modernisieren, renovieren oder instand halten, können ihre Steuerschuld zusätzlich um 600 Euro senken, wenn sie dafür Handwerker engagieren. Selbst Gebühren für den Schornsteinfeger oder für die Kontrolle von Blitzschutzanlagen akzeptiert das Finanzamt. Diese Möglichkeiten dürfen nun auch Gemeinschaften von Mietern und Wohnungseigentümern nutzen, wenn die Kosten auf die einzelnen Gemeinschaftsmitglieder aufgeschlüsselt werden.

REPARATUREN IM HAUSHALT

Für die Reparatur und Wartung von Geräten im eigenen Haushalt, zum Beispiel von Waschmaschinen, Geschirrspülern, Herden, Fernsehern oder Computeranlagen, gibt es seit 2006 die gleiche Steuerermäßigung wie für Handwerker.

PFLEGE

Ebenfalls neu: Wenn ein pflegebedürftiger Angehöriger im Haushalt mit professioneller Hilfe betreut wird, kann das zu einer zusätzlichen Steuererstattung von maximal 600 Euro, führen. Voraussetzung: Die gepflegte Person hat mindestens Pflegestufe I. Steuererleichterungen für haushaltsnahe Dienstleistungen können miteinander kombiniert werden. Wurden 2006 beispielsweise ein Putzservice, ein Heizungsmonteur und ein Pflegedienst für einen Pflegebedürftigen mit Pflegestufe I engagiert, sind maximal 1800 Euro Steuererstattung möglich.

STEUERBERATUNG

Private Steuerberatungskosten sind ab 2006 nicht mehr als Sonderausgaben absetzbar. Damit gemeint sind zum Beispiel die Honorarteile, die auf den Mantelbogen oder die Anlage Kind entfallen. Im Zusammenhang mit allen steuerpflichtigen Einnahmen übernimmt das Finanzamt Steuerberatungskosten aber weiterhin als Werbungskosten oder Betriebsausgaben in unbegrenzter Höhe. Besprechen Sie die optimale Aufteilung des Honorars mit dem Steuerberater.

ELTERN

Doppelverdienerpaare und allein erziehende Erwerbstätige können für Kinder bis 14 Jahre zwei Drittel ihrer Betreuungskosten geltend machen, maximal 4000 Euro pro Kind und Jahr. Alleinverdienerpaare, das sind Paare, bei denen nur ein Elternteil berufstätig ist, haben diese Möglichkeit nur für drei- bis sechsjährige Kinder.

Wenn Azubis und Studenten zwischen 18 und 27 Jahren mehr als 7680 Euro im Jahr verdienen, bekommen die Eltern kein Kindergeld. Ab sofort vermindern die Sozialversicherungsbeiträge des Kindes aber dessen Einkommen, und das beschert vielen Eltern dann doch wieder Kindergeld. Achtung: Ziehen Sie auch die Zahlungen freiwilliger und privater Krankenversicherungsbeiträge oder Steuerzahlungen des Kindes von dessen Einkommen ab und legen Sie Einspruch ein, wenn das Amt nicht mitspielt.

RENTNER

Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben. Wer ausschließlich Rente bezog und 2006 oder früher Rentner wurde, bleibt davon aber verschont, wenn er nicht mehr als 19 000 Euro (Rentnerehepaare 38 000) Rente im Jahr bezogen hat. Nach Schätzungen des Bundesfinanzministeriums müssen nur rund ein Viertel aller Rentnerhaushalte eine Steuererklärung abgeben.

Wer 2005 oder früher Rentner wurde, muss nur die Hälfte seiner Rente versteuern, für den Rentnerjahrgang 2006 sind es 52 Prozent. Wer zum Beispiel als Lediger 2004 erstmals 1 000 Euro Monatsrente bezog, muss die Hälfte davon, also 6 000 Euro im Jahr, versteuern (12 mal 500). Damit bleibt er steuerfrei, denn die kritische Grenze liegt bei 7 664 / 15 329 Euro (ledig / verheiratet) steuerpflichtigen Einkünften im Jahr.

Kommen aber noch andere Einnahmen hinzu, zum Beispiel Zinsen, Mieten, Arbeitslohn oder Werkspensionen, besteht schon bei weit geringeren Renten Erklärungspflicht. Ob und wie viel Steuern dann tatsächlich fällig werden, richtet sich immer nach dem Einzelfall. Auskünfte erteilen Finanzämter, Lohnsteuerhilfevereine und Steuerberater.

Weitere Steuertipps im Finanztest-Spezial „Steuern 2007“ und im Finanztest-Spezial „Steuererklärung für Rentner"

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