Verbraucher : Sonne hautnah

Sollen Babys und Kleinkinder den Sommerurlaub unbeschwert genießen, dann brauchen sie eine besondere Vorsorge

Corinna Visser

Im Wasser plantschen, Sandburgen bauen – am Strand wird auch das Kind in Mutter und Vater ganz schnell wieder lebendig. Beim gemeinsamen Spiel in der Sonne sollten die Eltern jedoch auf besonderen Schutz für den Nachwuchs achten: Die Sonne tut den Kindern gut, sie stärkt den Kreislauf sowie die Immunabwehr und sie bringt die für Knochen und Zähne wichtige Vitamin-D-Bildung in Gang. Aber die hauteigenen Schutzmechanismen gegen die Sonnenstrahlen – die Fähigkeit zu bräunen und die Verdickung der obersten Hautschicht – bilden sich erst langsam ab dem zweiten Lebensjahr.

Die Haut der Kinder ist durchlässiger und empfindlicher als von Erwachsenen. Das gilt bis zur Pubertät. Um Kinder vor Sonnenbrand und Spätschäden wie vorzeitiger Hautalterung oder Hautkrebs zu bewahren, gehören Sonnenhut und -brille, Hemd und Hose sowie ein starkes Lichtschutzmittel ebenso zur Ausstattung für den Sommerurlaub wie Schaufel, Gießkanne und Wassereimer.

Die Stiftung Warentest hat Lichtschutzmittel für Kinder getestet. Sie sind auch für Erwachsene mit trockener Haut geeignet. Aber nicht alle schützen in dem Umfang, wie die Hersteller es versprechen. Ein „gut“ erhielten nur zwei Produkte: Penaten Baby Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 40) und Nivea Sun Sonnenmilch für Kinder (Lichtschutzfaktor 50+). Beide seien auch problemlos zu entnehmen, urteilten die Tester. Das war bei vielen Konkurrenzprodukten im Test nicht der Fall. Sind die Lichtschutzmittel aber zu dick oder zu flüssig, dann lassen sie sich nicht so gleichmäßig auftragen, wie es wünschenswert wäre. Zwei Produkte erhielten von den Testern ein „mangelhaft“: Die Spray-Lotion von Avon und die Sonnencreme Rossmann/babydream. Beide erreichten im Test nur einen Lichtschutzfaktor von 25 obwohl der Faktor 30 versprochen war. „Wir haben das Produkt zurückgerufen“, sagte ein Rossman-Sprecher dem Tagesspiegel. „ Derzeit untersuchen wir die Ursachen.“

Der Lichtschutz- oder Sonnenschutzfaktor gibt einen Anhaltspunkt, wie lange man sich mit dem Mittel der Sonne aussetzen kann, ohne zu verbrennen. Je höher der Faktor, desto länger. Beispiel: Wer ungeschützt nach zehn Minuten eine rote Haut bekommt, soll unter dem Schutz eines Produkts mit Faktor 30 ungefähr 30 mal länger, also 300 Minuten in der Sonne bleiben können. Das gilt in der Theorie. Tatsächlich sind es Durchschnittswerte, die unter Laborbedingungen erreicht werden. Hautärzte empfehlen, bereits nach zwei Dritteln der „erlaubten“ Zeit, in den Schatten zu wechseln. Besondere Vorsicht ist bei Kindern geboten.

Für besonders empfindliche, sehr hellhäutige Kinder empfehlen die Experten – zumindest zu Beginn des Urlaubs – Faktor 50+. Alle anderen seien auch mit Faktor 30 gut versorgt. Da Konservierungs- und Parfümstoffe sowie Farbstoffe und Emulgatoren die Haut irritieren können, heben die Tester die Produkte von Garnier, dm, Ilrido und Rossmann hervor. Sie schaffen es, fast gänzlich auf diese Substanzen zu verzichten. Eine Abwertung muss Ilrido jedoch hinnehmen, weil die Sonnenmilch den Lichtschutzfilter 4-Methylbenzylidene Camphor enthält. Das Bundesamt für Risikobewertung sieht diese Substanz kritisch, weil der Verdacht auf hormonelle Wirkung bislang nicht widerlegt werden konnte.

Bereits im vergangenen Jahr testete die Stiftung Warentest Sonnenschutzmittel für Erwachsene. Auch da lautete das Fazit: Nicht jede Creme oder Lotion hält in punkto Lichtschutzfaktor, was sie verspricht. Doch einige Lotionen und Cremes, die aktuell noch im Handel sind, schnitten „gut“ ab. Tadellos geschützt und gepflegt sind demnach Sonnenanbeter, die „Alando Sun Sonnenmilch“ von Drospa/Ihr Platz auftragen. Der Testsieger von damals war auch eines der preiswertesten Präparate in der Auswahl. Auf Platz zwei landete Lancaster „Sun Care Tanning Lotion“, gefolgt von Delial „Plus Vitamin Sonnenmilch“. Testsieger bei den Cremes waren Rossmann „Sun Ozon Feuchtigkeits-Sonnencreme“ und Delial „Face Care Sonnencreme“. Doch laut Stiftung Warentest haben die beiden Hersteller angegeben, dass sich die Rezepturen inzwischen verändert haben. Noch erhältlich und ebenfalls mit einem „gut“ bewertet sind Lancôme „Soleil Soft-Touch Anti-Wrinkle Sun Cream“ und „Iseree Sun Sonnencreme“ von Lidl.

Wer noch Restbestände von Sonnenschutzmitteln aus dem vergangenen Jahr daheim hat, kann sie weiter verwenden. Voraussetzung ist allerdings, dass ein Produkt noch einwandfrei riecht und sich die festen und die flüssigen Bestandteile des Mittels nicht getrennt haben.

Eine Übersicht über die von der Stiftung Warentest geprüften Cremes und Lotionen gibt es unter dem Suchwort „Lichtschutzmittel“ im Internet auf www.test.de.

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