Soziales : Sozialleben ist für Hartz-IV-Empfänger zu teuer

Hartz IV sichert das materielle Überleben - mehr ist nicht vorgesehen. Laut einer Studie können sich Empfänger Ausgaben für Kino oder andere gesellschaftliche Ereignisse kaum Leisten. Nun wird auch das Krank sein für rund 100.000 Empfänger teurer: Sie müssen mit der Streichung von Zuschlägen für erhöhte Ernährungskosten rechnen.

MünchenHartz-IV-Leistungen reichen nach einer Studie der Bundesagentur für Arbeit nur für das materielle Überleben der Empfänger. "Eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben bleibt den meisten verwehrt", sagte der Leiter der Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Bernhard Christoph, dem Magazin "Focus". Die Einrichtung ist das Forschungsinstitut der Bundesagentur.

"Hinsichtlich elementarer Dinge wie Wohnung, Kleidung und Ernährung sind die Versorgungslücken bei Hartz-IV-Empfängern vergleichsweise klein", erklärte Christoph weiter. Insofern könne das "Sicherungsziel des Arbeitslosengeldes II als erreicht angesehen werden". Mehr als die Grundversorgung mit dem materiell Notwendigsten sei für viele Hartz-IV-Bezieher jedoch nicht drin. In der repräsentativen Studie unter 9400 Hartz-IV-Empfängern gaben aber auch sechs Prozent an, das Geld reiche nicht für eine warme Mahlzeit am Tag.

Krank sein mit Hartz-IV wird teurer

Unterdessen müssen dem Magazin zufolge bis zu 100.000 Hartz-IV-oder Sozialhilfe-Empfänger mit Leiden wie Diabetes mit dem Verlust bisheriger Zuschläge für erhöhte Ernährungskosten rechnen. Dies empfehle die Dachorganisation der Wohlfahrtsverbände, der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge, nach dessen Rat sich die Behörden meist richteten, berichtete "Focus". Vereinsvorstand Michael Löher erklärte: "Bei Diabetes, erhöhten Fettwerten und weiteren Volkskrankheiten ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft keine Diät erforderlich, eine gesunde Ernährung ist ausreichend." Die sei zu finanzieren, "wenn äußerst sparsam gewirtschaftet wird". Bei anderen Krankheiten wie Niereninsuffizienz und Gluten-Unverträglichkeit hält der Verein Zuschläge weiter für gerechtfertigt. (saw/dpa)

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