Verbraucher : Sparbriefe bei VW

Autobanken bieten mehr als Finanzierungen. Mit Tages- und Festgeld machen sie Geschäftsbanken Konkurrenz

Bernd Hops

Volkswagen produziert nicht nur Autos, sondern auch Sparbriefe. Andere Autohersteller haben ebenfalls ihre Banken, die sich lange vor allem auf die Finanzierung von Krediten beim Fahrzeugkauf konzentriert haben, ausgebaut. Sie sind zu richtigen Finanzinstituten geworden. „Idealerweise hat ein Kunde bei uns eine Fahrzeugfinanzierung, eine Kreditkarte und ein Bankkonto mit Depot“, sagt Peter Zieringer, Chef der Daimler-Chrysler Bank. Und bei der BMW Bank heißt es, man arbeite an der weiteren Ausweitung des Finanzangebots.

Die Tagesgeldkonten sind allerdings das auffälligste Produkt, mit denen die Autobanken Kunden anziehen. Vorbild sind Direktbanken wie die ING Diba, die mit ihrem aggressiv beworbenenTagesgeldkonto Kunden scharenweise anzog – und ihnen heute immer neue Finanzprodukte anbietet. Die meisten Bankkunden hat die VW-Bank, inklusive einem Ableger für die Marke Audi. Allein in Deutschland sind es drei Millionen. Filialen gibt es außerdem in acht Ländern Europas. Danach kommt Daimler-Chrysler. Die Bank meldete vor kurzem ihren einmillionsten Kunden.

Aus der Sicht von Verbraucherschützern sind die Banken uneingeschränkt empfehlenswert. „Sie bieten durchweg gute Konditionen“, sagt Edda Castelló von der Hamburger Verbraucherzentrale. In Vergleichen mit anderen Instituten tauchten sie regelmäßig auf den oberen Plätzen auf, Klagen seien ihr nicht bekannt, sagt Finanzexpertin Castelló. Davon abgesehen seien die Sparpläne, wie sie auch die Autobanken anbieten, häufig besser als so manche Lebensversicherung.

Die Zinssätze der Autobanken auf dem umkämpften Markt für Tagesgeldkonten – die zum Teil die gleiche Leistung bieten wie ein Girokonto – liegen fast durchgängig bei deutlich mehr als zwei Prozent (siehe Tabelle). Einen Bonus gibt es in der Regel, wenn man sein Konto nur über das Internet führt. Wer sein Geld mindestens ein Jahr festlegen kann, bekommt ebenfalls einen höheren Zinssatz. Bei Daimler-Chrysler gibt es 3,1 Prozent bei einer Laufzeit von mindestens einem Jahr und einer Mindestanlage von 2500 Euro. Bei sechs Jahren Laufzeit sind es 3,45 Prozent. Die Audi Bank beginnt bei einem einjährigen Sparbrief bei drei Prozent, ab einer Laufzeit von mindestens vier Jahren sind es 3,45 Prozent.

Außerdem reagieren die Banken relativ schnell auf Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Höhere Zinsen werden ohne große Verzögerungen an die Kunden weitergegeben. Die Audi Bank etwa bietet bei ihrem Online-Tagesgeldkonto ab 1. September 2,65 Prozent statt bisher 2,4 Prozent – also genau die 0,25 Prozentpunkte mehr, um die die EZB jüngst den Leitzins angehoben hat. Auch bei der Daimler-Chrysler Bank sieht es gut aus. Allerdings sei die Anhebung der Zinsen für das Tagesgeldkonto noch in der Prüfung, sagt Vorstandschef Zieringer.

Die Autobanken wildern jedoch nicht nur im Revier der etablierten Banken. Die Institute versuchen auch Verbindungen zum Autogeschäft ihrer Mutterkonzerne zu schaffen. Daimler-Chrysler bietet zum Beispiel einen Sparplan mit „Autobonus“. Das heißt, nutzt der Anleger das angesparte Geld zum Kaufen, Leasen oder Finanzieren eines Fahrzeugs einer der Konzernmarken, gibt es zusätzlich vier Prozent auf die Sparraten. Außerdem verbindet Daimler-Chrysler über das Bonusprogramm „Roadmiles“ das Auto- mit dem Bankgeschäft. Prämienpunkte gibt es für Services in beiden Sparten. So will man neue Autokunden für den Konzern gewinnen. Immerhin zwei Drittel der Bankkunden fahren nämlich noch kein Fahrzeug einer Konzernmarke. Oder Mercedes-Fahrer sollen umgekehrt davon überzeugt werden, auch ihre Finanzgeschäfte über den Autokonzern abzuwickeln.

Bei BMW heißt es ebenfalls: „Zwei Drittel der Vermögensmanagementkunden sind Fremdfabrikatsfahrer.“ Allerdings hätten diese eine hohe Affinität zur Marke BMW. „Das bedeutet ein großes Eroberungspotenzial für unser Automobilgeschäft“, sagt ein Sprecher. Genauso wie Daimler-Chrysler will BMW seine Bankkunden zum Autokauf bei dem Konzern mit einem Zinsaufschlag von 1,5 Prozent etwa beim Sparkonto animieren. Außerdem hofft man, dass ein gutes Finanzangebot – etwa durch den Verkauf von ausgewählten Investmentfonds – auf das Image eines BMW oder Minis positiv abfärbt. Nach dem Motto: Wer mit Geld richtig umgehen kann, der wird auch gute Autos bauen können.

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