Verbraucher : Sparen beim Fondskauf

An der Börse, beim Discounter oder online: Wie sich Ausgabeaufschläge und Gebühren vermeiden lassen

Veronika Csizi

Die Ernüchterung folgt nach dem Kauf: Anleger, die Anteile an einem Investmentfonds erwerben, sehen in ihrem Depot erst einmal rote Zahlen. Wer zum Beispiel am Mittwoch über seine Hausbank den internationalen Aktienfonds „Vermögensbildung I“ der Fondsgesellschaft DWS gekauft hat, musste 83,80 Euro pro Stück dafür bezahlen. Doch beim sofortigen Verkauf wäre der Anteil nur 79,80 Euro Wert gewesen.

Schuld daran sind die Ausgabeaufschläge, also die Preisspanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs: Fünf Prozent, die der Fonds erst einmal erwirtschaften muss, bevor er überhaupt ins Plus geht. Je nach Anlageschwerpunkt liegen die Ausgabeaufschläge in Deutschland zwischen weniger als einem (etwa bei Geldmarktfonds) und höchstens sechs Prozent (bei Aktienfonds). Auch wer den „Vermögensbildung I“ bereits vor einem Jahr gekauft hat, dürfte enttäuscht sein: Die Ein-Jahres-Wertentwicklung von 10,7 Prozent wird natürlich auch um den Ausgabeaufschlag geschmälert. Und zusätzlich knabbern die Depotgebühren an der Rendite.

Doch all das muss nicht sein. Hohe Ausgabeaufschläge, (die meist voll als Provision an den Vertrieb gehen), lassen sich umgehen. Denn auch in der Finanzbranche tobt die Rabattschlacht. Immer beliebter wird etwa der Kauf von Fonds direkt an der Börse. Die Börsen Berlin-Bremen und Hamburg-Hannover bieten derzeit knapp 1400 (Berlin) beziehungsweise 1500 (Hamburg) Fonds, neben Aktien- auch Geldmarkt-, Immobilien- und Rentenfonds ohne Ausgabeaufschlag an. Bezahlen muss der Anleger stattdessen einen „Spread“ – eine maximal zweiprozentige Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. „Bei umsatzstarken Fonds liegt der Spread bei höchstens einem Prozent“, sagt Eva Klose, Sprecherin der Berliner Börse. Beim „Vermögensbildung I“ etwa lag die Spanne am Mittwoch bei 40 Cent oder 0,5 Prozent: gekauft werden konnte zu 79,60, verkauft zu 79,20 Euro.

Hinzu kommen die Transaktionskosten, die – ähnlich wie bei Aktien – je nach Anbieter verschieden sind. Zusätzlicher Vorteil: Der Kunde kann von 9 bis 20 Uhr im Orderbuch die Preise einsehen und weiß beim Kauf sofort, welchen Preis er bezahlt hat. Viele Investoren kauften auch an der Börse, so Klose, weil sie ihre Fonds hier mit Kauf- oder Verkaufslimits versehen und somit Schnäppchenpreise ergattern oder das Papier gegen Verluste absichern könnten. Die Fondsfirmen selbst bieten diesen Service nicht und ermitteln den Preis nur einmal täglich, so dass Anleger den exakten Kaufpreis meist erst nach der Buchung ins Depot kennen.

Angesichts der steigenden Nachfrage will die Berliner Börse die Fondspalette weiter ausbauen. Der Kauf via Börse ist dabei ganz simpel: Bei der Orderaufgabe wird als Börsenplatz einfach Berlin oder Hamburg angegeben. Kauforder bis zu 100000 Euro, so garantiert die Börse Berlin, werden „unverzüglich ausgeführt“, bei den 170 Asienfonds sind es 20000 Euro. Laut Klose beteiligen sich inzwischen 90 Prozent der Banken am Fonds-Börsenhandel.

Auch die Börse Frankfurt bietet günstige Fonds an: Die so genannten „Exchange Traded Funds“ (ETF). Dabei handelt es sich um Fonds, die größtenteils exakt einen Index, etwa den Dax, abbilden, aber wie Aktien fortlaufend neu notiert werden und somit Tagesschwankungen berücksichtigen. Auch hier werden keine Ausgabeaufschläge, sondern nur ein „Spread“ berechnet, der meistens nur bei 0,1 Prozent liegt. Daneben wird, wie bei allen Fonds, eine Verwaltungsgebühr fällig. Sie liegt üblicherweise bei etwa 1,5 Prozent, bei ETFs jedoch meist nur bei 0,35 bis 0,50 Prozent im Jahr. Da 70 bis 80 Prozent aller Investmentfonds es nicht schaffen, ihren jeweiligen Vergleichsindex zu schlagen, haben sich ETFs in den letzten Jahren zu Marktrennern entwickelt. Im Schnitt werden in Frankfurt jeden Monat 2,8 Milliarden Euro mit den 73 dort angebotenen ETFs umgesetzt.

Wer den klassischen Weg gehen möchte, hat ebenfalls Sparmöglichkeiten. Alle Direktbanken und Discountbroker bieten eine große Zahl von Fonds zu reduzierten oder komplett gestrichenen Ausgabeaufschlägen an. Die Direkt Anlage Bank etwa reduziert die Ausgabeaufschläge der 20 meistgehandelten Fonds um bis zu 80 Prozent, auch Consors und die Comdirect bieten zahlreiche verbilligte Fonds an. Auch Fondsanbieter selbst sind ins Billiggeschäft eingestiegen: Fidelity etwa bietet seit Mitte Mai mit seinen vier „Moneybuilder-Fonds“ Aktien- und Rentenanlagen ohne Ausgabeaufschlag an. Zudem tummeln sich immer mehr Fondssupermärkte und -vermittler. Der Discounter Finanzoptimierung etwa wirbt mit 70-prozentigem Abschlag bei fast allen Fonds, Dima24 mit bis zu 100 Prozent. Doch Vorsicht: Bei manchen Discountern werden dafür höhere Depotgebühren fällig oder die Rabatte auf die Ausgabeausschläge werden nicht direkt verrechnet, sondern nur einmal im Jahr oder gar noch später zurückgezahlt. Sie stehen damit nicht oder in geringerem Ausmaß für den Zinseszinseffekt zur Verfügung. Und: Wer eine Beratung benötigt, ist hier fehl am Platze und muss extra zahlen.

Wie sehr sich das Sparen lohnen kann, zeigt eine Rechnung: Kauft ein Anleger für 5000 Euro einen Fonds an der Börse, dann zahlt er für ein Prozent Spread, Ordergebühren und Courtage zusammen 75 Euro. Wer dagegen über die Bank oder Fondsgesellschaft geht, muss bei fünf Prozent Ausgabeaufschlag 250 Euro und bei einem auf 3,75 Prozent reduzierten Aufschlag 187,50 Euro berappen. Anleger, die monatlich eine fixe Summe per Fonds sparen, was über Fondssupermärkte, nicht aber über die Börse möglich ist, spüren Ausgabeaufschläge noch stärker. Eine Jahresrendite von acht Prozent beispielsweise schmilzt nach Berechnungen der Stiftung Warentest über fünf Jahre auf 6,05 Prozent, wenn bei jedem Kauf fünf Prozent Ausgabekosten fällig werden.

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