Verbraucher : Sparen mit den kleinen Namen

Bei Autoreifen verbergen sich hinter vermeintlichen Billigprodukten oft große Markenhersteller

Stefan Kaiser

Wenn die Frühlingssonne jetzt durch die Winterwolken bricht und die Temperaturen hier zu Lande nach oben treibt, können auch die Autofahrer wieder aufatmen. Adieu Glatteis und Schneematsch, her mit den Sommerreifen. Doch Reifen ist nicht gleich Reifen – sie weisen vor allem beim Preis große Unterschiede auf. Wer sparen und trotzdem auf das Fabrikat eines großen Herstellers vertrauen will, kann auf günstige Zweit- und Drittmarken zurückgreifen.

„Jeder große Hersteller hat auch Schattenmarken, unter denen er wesentlich günstigere Produkte anbietet“, sagt Maximilian Maurer vom ADAC (siehe Kasten). Die seien manchmal sogar besser als die Erstmarke. „Richtig schlechte Reifen gibt es ohnehin nicht mehr.“

Das bestätigt auch Maurers Kollege Helmut Klein, vom ADAC-Technikzentrum, das zusammen mit der Stiftung Warentest Sommerreifen getestet hat. Klein kennt den Grund für das Billigmarkenkonzept der Reifenkonzerne. „Die großen Hersteller wollen sich ein neues Segment eröffnen, ohne sich dabei mit billigen Reifen Konkurrenz in der eigenen Produktpalette zu machen.“

Allerdings seien nicht alle Billigreifen uneingeschränkt zu empfehlen. Oft müsse der Kunde größeren Verschleiß oder einen höheren Geräuschpegel in Kauf nehmen. „Man kann davon ausgehen, dass die Reifen an günstigen Produktionsstandorten hergestellt werden und meist nicht dem allerneuesten technischen Stand entsprechen“, sagt Klein. Trotzdem schnitten einzelne Modelle in den Tests immer wieder gut ab.

Ein Beispiel dafür ist der Futura Primato von Moloya, eine Zweitmarke des Herstellers Vredestein. Der Reifen gehört zu den drei Test-Siegern im Segment der Kompakt- und Mittelklasseautos und liegt mit einem mittleren Preis von 59 Euro pro Stück deutlich unter seinen Konkurrenten von den Premiummarken. Auch bei den Kleinwagenreifen ist eine Zweitmarke unter den Testsiegern: Der Firestone F 590 Fuelsaver, ein Ableger von Bridgestone, ist mit durchschnittlich 50 Euro gut zehn Prozent günstiger als die Testsieger.

Klein glaubt allerdings, dass das nicht mehr lange so bleiben wird. „Sobald ein Reifen im Test gut abgeschnitten hat, orientiert sich auch der Reifenhandel daran und hebt die Preise an.“ Das will Hans- Jürgen Drechsler, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV), so nicht bestätigen. „Reifen mit guten Testergebnissen werden zwar stärker nachgefragt, teurer werden sie deshalb aber nicht unbedingt.“

Drechsler sieht das Geschäft mit den Zweit- und Drittmarken eher skeptisch. Dennoch hält auch er die billigen Reifen nicht durchweg für schlecht. „Es kommt auf das Fahrzeug an und darauf, wie viel ich damit fahre“, sagt Drechsler. „Für einen Zweitwagen mit dem ich nur kurze Strecken fahre brauche ich nicht so teure Reifen wie für einen PS-starken Wagen, mit dem ich beruflich viel unterwegs bin.“ Den Preisvorteil der Billigmarken bestätigt er. „Die Zweitmarken liegen im Durchschnitt 20 Prozent unter den Premiummarken, Drittmarken sogar 30 bis 40 Prozent“, sagt Drechlser.

Auch beim ADAC rät man dazu, beim Reifenkauf auf die individuellen Bedürfnisse des Fahrers zu achten. „Der Käufer muss selbst entscheiden, was ihm wichtig ist“, sagt Helmut Klein. Dabei kommt es vor allem auf das Dilemma zwischen Haftung auf nasser Fahrbahn und Verschleiß an, den beiden wichtigsten Kriterien im Test. Hier kam es oft zu widersprüchlichen Ergebnissen. Reifen, die auf nasser Fahrbahn gut abschnitten, zeigten häufig einen hohen Verschleiß. Umgekehrt hatten besonders abriebfeste Reifen oft Schwierigkeiten bei Nässe. Grund ist die Gummimischung: Ist sie zu hart, gerät der Reifen bei Regen leichter ins Schlingern. Bei zu weicher Mischung nutzt sich das Profil dagegen schneller ab. Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern vor allem dem Geldbeutel. Und der kann bei Preisen von 300 Euro pro Satz entscheidend sein.

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